Ambulante Dienstleistungen und Technologien für Schwerstkranke optimieren

 

Kassel (24. April 2009) – Eine Verbesserung der ambulanten Versorgung Schwerstkranker verspricht ein Forschungsprojekt, das die Universität Kassel jetzt zusammen mit weiteren Partnern gestartet hat. Im Fokus des Projekts "Mobile Hybricare" steht die Erforschung und Entwicklung von mobilen Diensten für die Integration hybrider (sich kreuzender, sich vermischender) personenbezogener Dienstleistungen in der Gesundheitswirtschaft.

 

In den kommenden drei Jahren wird das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Marco Leimeister das Verbundprojekt "Mobile HybriCare" zusammen mit Partnern der Technischen Universität München, der Charité Berlin und der Firma cisLogic durchführen.

Ziel ist es zu erforschen, wie innovative, personenbezogene Dienstleistungen und Technologien für chronisch Erkrankte entwickelt, erbracht, vermarktet und genutzt werden können. Finanziert und gefördert wird das Projekt vom Bildungsministerium für Bildung und Forschung mit einer Fördersumme von knapp 1,3 Mio. Euro.

Eine große Herausforderung für das deutsche Gesundheitswesen ist die ambulante Versorgung von Schwerstkranken und Patienten chronischer Krankheiten. Durch den demographischen Wandel, die Zunahme chronischer Krankheiten und gleichzeitige Begrenzung der medizinischen Ressourcen sind Innovationen in den ambulanten Versorgungsstrukturen unabdingbar. Dabei ist die Stärkung der häuslichen Behandlung (Home-Care) von chronisch Kranken anzustreben. Eine essentielle Problematik der Home-Care-Versorgung ist die unzureichende Koordination von ärztlichen, pflegerischen und medizintechnischen Leistungen.

Diesen Herausforderungen stellen sich die Forscher durch die Entwicklung von intelligenten Verknüpfungen moderner Medizintechnik mit innovativen Dienstleistungen, basierend auf modernen Technologien wie Near Field Communication (NFC), Radio Frequency Identification (RFID) und mobilen Diensten.

Das Vorhaben konzentriert sich zunächst auf Innovationen im ambulanten Ernährungsmanagement bei ALS (Amyotrophen Lateralsklerose) Erkrankten. Die ALS ist eine der schwersten Krankheiten, die im Verlauf von Monaten bis wenigen Jahren zu einer vollständigen Lähmung des Körpers führt. In der Folge der ALS erleiden die Patienten eine neurologisch-bedingte Bewegungslosigkeit, so dass die Betroffenen in allen Bereichen des täglichen Lebens auf vollständige Hilfe und Pflege angewiesen sind. Weiterhin erfordert die Versorgung von ALS-Patienten den ambulanten Einsatz von Medizintechnik, die der künstlichen Ernährung, einer häuslichen Beatmungstherapie und der unterstützten Kommunikation durch Sprachcomputer dient. Durch eine motorisch-bedingte Schluckstörung kommt es bei der Mehrheit der ALS-Betroffenen zu einer Mangelernährung und der Notwendigkeit einer künstlichen Ernährung. Durch internetbasierte und telemedizinische Dienstleistungen sowie informationstechnische Lösungen wird eine engere Integration von Patienten, Angehörigen, Betroffenengruppen, Pflegeteams und betreuenden Ärzten sowie den Anbietern von Ernährungsprodukten und Medizintechnik erreicht.

Zur Analyse von Ernährungsgewohnheiten und aufgenommenen Mengen können beispielsweise mit einem Handy Lebensmittel durch Berühren von abgebildeten Lebensmitteln auf einem Plakat ausgewählt werden; die Daten werden automatisch im Hintergrund an eine Datenbank übermittelt und können später von Patienten und Ärzten eingesehen werden.

Patienten und ihr soziales Umfeld sollen über eine zu schaffende Virtuelle Community stärker und aktiver in die Behandlungs- und Pflegeprozesse einbezogen werden. Durch die Bereitstellung von Wissensbasen werden über die Community die Kommunikations- und Versorgungsstränge zwischen den beteiligten Personen verbessert. Durch diesen Ansatz wird die aktive Rolle von Patienten gestärkt. Weiterhin werden die Effizienz und Qualität der medizinischen Versorgung optimiert und neue Dienstleistungsmodelle im ambulanten Ernährungsmanagement entwickelt. Dabei ist eine innovative, technologieunterstützte und zugleich ganzheitliche Dienstleistungsarchitektur mit neuartigen Wertschöpfungsmöglichkeiten in der Home-Care-Versorgung zuerwarten. Vom Konsortium werden die notwendigen informationstechnologischen Instrumente entwickelt, in der realen Versorgungssituation von ALS-Patienten etabliert und für einen Transfer bei anderen chronischen Krankheiten z. B. der Multiplen Sklerose (MS) vorbereitet.


Weitere Informationen

 

http://www.mobilehybricare.de  –  Verbundprojekt

 


 

Quelle: Presseinformation der Universität Kassel vom 24.04.2009.

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