Anästhesisten sehen langfristige Notlage der Intensivstationen –
„Durch Impfen den Druck auf das Personal verringern“

 

Nürnberg (16. März 2021) — Die Versorgung von Patienten auf den Intensivstationen wird sich nach Einschätzung führender Anästhesisten in den kommenden Jahren weiter dramatisch verschlechtern. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie entstünden auf den Intensivstationen folgenreiche personelle Lücken, die nicht mehr zu schließen seien, befürchtet der Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI), Professor Dr. Frank Wappler.

 

„Wissen, Arbeitskraft und Können der Pflegekräfte für Jahre verloren“

Schon vor der Pandemie seien viele tausend Stellen unbesetzt gewesen. Wegen Corona und der schleppenden Bewältigung der Lage flüchteten mittlerweile zudem jede Woche weitere Schwestern und Pfleger aus dem Beruf, erläutert der DGAI-Präsident: „Ihr Wissen, ihre Arbeitskraft und ihr Können sind damit erst einmal für Jahre verloren! Denn Nachwuchskräfte – so man sie überhaupt noch findet – müssen erst einmal aufwendig und lange ausgebildet werden.“

 

Noch häufiger gesperrte Betten und nicht aufnahmebereite Stationen

Gesperrte Intensivbetten und abgemeldete Intensivstationen wurden in den vergangenen Jahren schon aus vielen Städten gemeldet. In diesen Krankenhäusern konnten schwerkranke Patienten nicht mehr aufgenommen, mussten anderswo versorgt oder verlegt werden: „Durch die sinkende Zahl an Arbeitskräften wird die Zahl solcher Situationen nach der Pandemie deutlich zunehmen“, sagt Professor Wappler. Auch Ärzte und Anästhesisten kämpften um Nachwuchs, bei den Pflegekräften sei die Lage aber wesentlich ernster.

 

Pflegeberuf durch bessere Arbeitsbedingungen attraktiver machen

Der DGAI-Präsident fordert die Bundesregierung auf, so schnell wie möglich genügend Impfstoff zu beschaffen, damit die Bevölkerung geimpft werden kann. Nur so könnten die Inzidenzzahlen gesenkt und der Druck von den Intensivstationen, den Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten genommen werden.

Wappler warnt außerdem vor weiteren Zeitverlusten beim Bemühen, den Beruf als Pflegekraft auf der Intensivstation attraktiver zu machen. Schnelles Handeln sei erforderlich: „Es geht vor allem darum, auf die Wünsche der Bewerber zur Gestaltung ihres Lebens einzugehen, mit attraktiven Arbeitszeiten, Schichtdiensteinteilungen, Familienversorgung und Kita-Plätzen.“ Eine gerechte Entlohnung sei ebenfalls ein wichtiger Anreiz für den Einstieg in die Intensivpflege, aber nicht mehr der wichtigste. Einmalige Prämien, die verpufften, reichten hier aber auch nicht aus.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) / Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA), 16.03.2021 (tB).

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