MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Im Tierexperiment:

Antidiabetikum steigert körpereigene Krebsabwehr

 

Regenstauf (5. Juni 2009) – Das bei Diabetes Typ 2 und auch beim PCO-Syndrom eingesetzte Medikament Metformin verringert das Risiko, an Krebs zu erkranken. Eine aktuelle Studie von US-Forschern hat einen möglichen Mechanismus dafür nachgewiesen. "Dieser positive Nebeneffekt ist nicht nur eine gute Nachricht für an Diabetes und PCOS Erkrankte, die mit Metformin behandelt werden", erläutert Professor Dr. med. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Fachvereinigung für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen. Die Studienergebnisse zeigen auch eine Möglichkeit auf, die körpereigene Krebsabwehr und die Wirkung von Krebs-Impfstoffen zu verbessern.

 

Metformin ist das am häufigsten eingesetzte Medikament in der Therapie des Diabetes Typ 2. "Das orale Antidiabetikum Metformin steht an der ersten Stelle in der Therapie bei Typ-2- Diabetes, und zwar weltweit in allen Leitlinien. Über 50 Prozent der verschriebenen Diabetestabletten sind heute Metformin, mit steigender Tendenz", erläutert Professor Helmut Schatz, Bochum. Endokrinologen setzen es außerdem ein, um Frauen mit einem Polyzystischen Ovarial-Syndrom (PCOS) zu behandeln. Bereits in früheren Studien vermuteten Experten, dass Metformin außerdem das Krebsrisiko senkt. So hatten beispielsweise Frauen mit Diabetes Typ 2, die an Brustkrebs erkrankt waren und Metformin einnahmen, eine höhere Krebsheilungsrate.

Warum dies so ist, konnte bisher jedoch nicht nachgewiesen werden. Einen möglichen Mechanismus hat nun eine Forschergruppe von der Universität Philadelphia entdeckt: Sie verabreichten Metformin an Versuchtiere und beobachteten, dass dies positive Auswirkungen auf deren Immunsystem hatte. Weitere Untersuchungen zeigten, dass Tiere, die einen experimentellen Krebs-Impfstoff erhielten, seltener an Krebs erkrankten, wenn ihnen gleichzeitig Metformin verabreicht wurde.

Ursache für diese Wirkung ist, dass Metformin unter anderem auch die Verbrennung von Fettsäuren steigert. Dies wiederum wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus, da eine vermehrte Fettsäureverbrennung die Bildung von sogenannten Gedächtniszellen anregt. Diese Zellen bildet das Immunsystem nach dem Kontakt mit Krankheitserregern, um bei erneutem Zusammentreffen schnell und effizient eine Abwehrreaktion auslösen zu können. Das immunologische Gedächtnis bewirkt damit, dass eine Impfung über Jahre schützend wirkt.

In der Diabetes-Therapie wird Metformin eingesetzt, um den Blutzucker zu senken. In der Therapie des PCO-Syndroms, bei dem – wie beim Diabetes Typ 2 – häufig gleichzeitig eine Insulinresistenz vorliegt, kann es beispielsweise Symptome wie Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Akne oder Haarausfall verbessern.

Ausschlusskriterien sind Unverträglichkeit und Nierenstörungen. Deshalb geht jeder Therapie mit Metformin eine individuelle Beratung durch den Arzt voraus. "Da in größeren Untersuchungsreihen bei Diabetespatienten häufiger Krebserkrankungen gefunden wurden, sind die aktuellen Erkenntnisse ein zusätzlicher, neuer Aspekt für die individuellen Therapieabwägungen", meint Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

 

Quelle: Erika L. Pearce et al.:
Enhancing CD8 T-cell memory by modulating fatty acid metabolism
Nature 2009; DOI: 10.1038/nature08097

 

Weitere Informationen

http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/abs/nature08097.html Abstract der Studie

http://www.endokrinologie.net Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie


 


Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie vom 05.06.2009 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…