ASS / Dipiridamol ret. vs. ASS nach Schlaganfall

Esprit-Studie bestätigt Überlegenheit der Kombinationstherapie zur Sekundärprävention

 

Frankfurt am Main / Ingelheim (30. Mai 2006) – In der Sekundärprävention von Schlaganfall und TIA (transitorische ischämische Attacke) zeigt die Kombinationstherapie mit ASS und Dipyridamol eine signifikante Überlegenheit gegenüber der ASS-Monotherapie. Zu diesem Ergebnis kommt die nicht industriell gesponserte ESPRIT (1) -Studie (European/Australasian Stroke Prevention in Reversible Ischaemia Trial), die von Juli 1997 bis Dezember 2005 durchgeführt wurde. ESPRIT ergab innerhalb einer mittleren Beobachtungsdauer von 3,5 Jahren eine relative Risikoreduktion von 20 Prozent von ASS/DIP gegenüber ASS alleine hinsichtlich des kombinierten Endpunktes „vaskulärer Tod, nicht-tödlicher Schlaganfall, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder schwere Blutungskomplikation".

 

Eindeutige Basis für die Therapie

 

„Patienten, die einen leichten Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA) erlitten haben, haben ein erhöhtes Risiko für ein zweites, oft schweres oder tödliches Ereignis. Dreißig Prozent der TIA-Patienten erleiden einen ischämischen Schlaganfall innerhalb von fünf Jahren. ASS reduziert dieses Risiko, aber bisher konnte nur eine große klinische Studie zeigen, dass retardiertes Dipyridamol zusätzlich zu ASS einen noch größeren Schutz bietet", kommentierte Professor Philip Bath, Professor für Schlaganfallmedizin an der University of Nottingham, UK, und ein Studienleiter der ESPRIT-Studie. „Die Ergebnisse der ESPRIT-Studie zusammen mit den Ergebnissen früherer Studien liefern hinreichende Nachweise, um die Kombination aus ASS und Dipyridamol als die antithrombotische Therapie der Wahl nach einem ischämischen Schlaganfall oder einer TIA zu befürworten." Ziel von ESPRIT war, Diskrepanzen der Ergebnisse verschiedener kleinerer Studien und der ESPS-2-Studie (2) (European Stroke Prevention Study) zu klären. Eine Metaanalyse all dieser Daten ergab eine relative Risikoreduktion von 18 Prozent der Kombinations- gegenüber der ASS-Monotherapie – dieses Resultat sollte die aktuelle Studie überprüfen.

 

 

Umfangreiche Patientendaten erfasst

 

In der offenen, randomisierten Multicenterstudie ESPRIT wurden 2.763 Patienten nach TIA oder Schlaganfall (modifizierte Rankin-Skala Grad ≤ 3) mit ASS+ Dipyridamol zweimal täglich oder mit ASS alleine behandelt. Insgesamt 2.739 Teilnehmer dieser Studienarme wurden in die Auswertung eingeschlossen, davon 1.363 Patienten der Kombinations-Gruppe und 1.376 der Monotherapie-Gruppe. Die Dosierung von ASS in beiden Studiengruppen erfolgte je nach Entscheidung der Prüfärzte in Dosierungen von 30-325 mg, die durchschnittliche Dosis lag in beiden Studienarmen bei etwa 75 mg. Dipyridamol wurde zweimal täglich in je 200 mg dosiert, vorzugsweise in der retardierten Formulierung. In der Gruppe der Kombinationstherapie brachen 470 Teilnehmer die Studie ab (470 vs. 184 in der ASS-Gruppe), häufigster Grund dafür waren Kopfschmerzen. Bei 13 Prozent der ASS+Dipyridamol-Patienten traten Ereignisse des primären Endpunktes (s.o.) auf, bei den ASS-Patienten jedoch in 16 Prozent der Fälle. Die signifikante relative Risikoreduktion der Kombination gegenüber der Monotherapie lag damit bei 20 Prozent, die absolute Risikoreduktion bei 3,0 Prozent. Eine erweiterte Meta­analyse mit Daten aller vorliegenden Studien inklusive ESPRIT zeigte eine relative Risikoreduktion für ein vaskuläres Ereignis von 18 Prozent durch ASS plus Dipyridamol.

 

 

Kombinationstherapie in den Leitlinien

 

Die im September 2005 veröffentlichten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfehlen die Kombinationstherapie aus 25 mg ASS und 200 mg Dipyridamol retard (je 2x täglich) als Standard-Therapie zur Sekundärprävention des ischämischen Schlaganfalls für Patienten mit einem hohen Rezidivrisiko 4 % Jahr. Aggrenox(R) besteht aus 25 mg Acetylsalicylsäure plus 200 mg retardiertem Dipy ridamol. Es hemmt die Thrombozytenaggregation, wirkt antithrombotisch auf die Gefäßwand und schützt das Gefäß möglicherweise auch langfristig vor pathologischen/ atherosklerotischen Veränderungen.

 

 

Literatur

 

(1)     The ESPRIT Study Group: Aspirin plus dipyridamole versus aspirin alone after cerebral ischaemia of arterial origin (ESPRIT): randomised controlled trial. Lancet 367 (2006): 1665‑1673,

(2)     Diener HC et al. European Stroke Prevention Study 2. Dipyridamole and acetylsalicylic acid in the secondary prevention of stroke. J Neurol Sci 143 (1996): 1‑13.


Quelle: Pressegespräch der Firma Boehringer Ingelheim zum Thema “Neue Horizonte in der Schlaganfalltherapie” am 30.05.2006 (HealthCom) (tB).

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