MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Atemfeuchtigkeit verrät Lungenkrebs

Leipziger Forscher entwickeln neuartiges Testverfahren zur Früherkennung von Lungentumoren

 

Köln (9. Sepember 2008) – Ganz einfach in ein Gerät atmen statt aufwendige Röntgenaufnahmen oder eine Lungenspiegelung unter örtlicher Betäubung zu erdulden – so leicht macht ein neues Diagnoseverfahren die Untersuchung für Patienten, bei denen der Verdacht auf einen Lungentumor besteht. In einem Projekt der Stiftung Industrieforschung haben Leipziger Forscher ein Testverfahren entwickelt, das Lungentumore aus der Atemfeuchtigkeit nachweisen kann – und zwar in einem besonders frühen Stadium. Es handelt sich derzeit um ein Forschungsergebnis, das in den kommenden Jahren klinisch validiert werden muss. Das Verfahren soll dann durch Unternehmenspartner in ein marktreifes Produkt umgesetzt werden.

 

50.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Lungenkrebs. Karzinome der Lunge sind damit in der Bundesrepublik die dritthäufigste Krebsart. Als Ursache für Sterbefälle bei Krebspatienten stehen Lungentumore sogar auf Platz 1.

 

Die Früherkennung von Lungenkarzinomen, die für optimale Heilungschancen von großer Bedeutung ist, gilt als äußerst schwierig. Denn in der Frühphase der Erkrankung lässt sich nur schwer zwischen chronisch-entzündlichen und tumorbedingten Beschwerden unterscheiden. Hinzu kommt, dass die aktuell verfügbaren Untersuchungsmethoden mit erheblichen Belastungen für die Patienten verbunden sind. Das gilt für röntgenologische Verfahren mit ihrer Strahlenbelastung ebenso wie für Spiegelungen der Atemwege durch eine Bronchoskopie, die häufig mit einer Lungenspülung (Lavage) oder einer Entnahme von Gewebeproben verbunden wird.

 

In der Praxis fehlte vor allem eine einfache und den Patienten wenig belastende Screeningmethode, mit deren Hilfe Risikopatienten möglichst früh und in größerem Maßstab auf Lungenkarzinome untersucht werden konnten.

 

Ein Forscherteam der Universität Leipzig und des dortigen Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie hat nun ein neues, einfaches und nebenwirkungsfreies Testverfahren für die Früherkennung von Lungentumoren entwickelt. Dieses Verfahren ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts, das von der Stiftung Industrieforschung mit 189.000 Euro gefördert wurde. Das neue Verfahren funktioniert ohne aufwendige Röntgentechnik oder unangenehme Eingriffe in die Lunge. Der Patient muss lediglich eine Viertelstunde lang in ein Gerät atmen, das die ausgeatmete Feuchtigkeit – das Atemkondensat – auffängt und sammelt. Dieses Atemkondensat wird näher untersucht. Den Leipziger Forschern ist es gelungen, in der ausgeatmeten Feuchtigkeit bestimmte Eiweißmoleküle zu identifizieren, die als Tumormarker den Nachweis für ein Bronchialkarzinom erbringen können. Und dies mit großer Sicherheit: Das Testverfahren ist in der Lage, 100 % der Erkrankungen zu erfassen. Dabei liegt das Risiko einer falsch positiven Detektion bei weniger als 12 %.

 

Das Nutzenpotential des neuen Testverfahrens liegt auf der Hand: Es erlaubt, eine Vielzahl von Risikopatienten ohne großen Aufwand zu untersuchen und diejenigen, bei denen der begründete Verdacht auf einen Tumor festgestellt wird, zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt als bisher einer Therapie zuzuführen. "Dies erschließt den Patienten zukünftig völlig neue Therapiemöglichkeiten", betonen die Projektleiter Professor Ulrich Sack und Dr. Jörg Lehmann.

 

Die beiden Forschungsinstitute arbeiten bereits mit Unternehmen zusammen, die diese Testmethodik in ein marktreifes Produkt umsetzen wollen. "Damit stehen die Chancen gut, die Ergebnisse dieses wichtigen Forschungsprojekts in die medizintechnische Praxis zu überführen und die Heilungschancen von zahlreichen Lungenkrebs-Patienten zu verbessern", unterstreichen die Stiftungsvorstände Wolfgang Lerch und Peter Weirich.

 

An diesem Projekt waren folgende Institute beteiligt:

 

  • Institut für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Ulrich Sack, Tel.: 0341/9725506, E-Mail: ulrich.sack@medizin.uni-leipzig.de  
  • Medizinische Klinik und Poliklinik I (Pneumologie) der Universität Leipzig, Prof. Dr. Hubert Wirtz, Tel.: 0341/9712600, E-Mail: hubert.wirtz@medizin.uni-leipzig.de  
  • Robert-Koch-Klinik; Thoraxzentrum des Klinikums St. Georg, Leipzig, Prof. Dr. Adrian Gillissen, Tel.: 0341/4231202, E-Mail: rkk@sanktgeorg.de
  • Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie Leipzig, Dr. Jörg Lehmann, Tel.: 0341 / 35536-1205, E-Mail: joerg-lehmann@izi.fraunhofer.de  

 

Informationen zur Stiftung Industrieforschung

Die Stiftung Industrieforschung ist eine Non-Profit-Organisation. Sie fördert in den Bereichen Betriebswirtschaft, Organisation und Technik gezielt Forschungsprojekte, Initiativen und praxisnahe Veranstaltungen, die für kleine und mittlere Firmen von Nutzen sind. Damit sollen neue Technologien und moderne Management-Methoden auch dem industriellen Mittelstand erschlossen werden.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Industrieforschung vom 09.09.2008.

 

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…