Bedeutung psychischer Erkrankungen nimmt europaweit stetig zu

– nach wie vor blinder Fleck in der Gesundheitspolitik

 

Berlin (19. September 2011) – Eine aktuelle Studie von Wittchen et al. 2011 „The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010“ verdeutlicht, dass die Belastungen durch Hirnerkrankungen bisher massiv unterschätzt wurden. 38,2 Prozent aller Einwohner der EU (plus Schweiz, Norwegen, Island) leiden demnach einmal pro Jahr an einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung. Die dreijährige Untersuchung zeigte zudem, dass psychische und neurologische Störungen zusammen für 26,6 Prozent der gesellschaftlichen Gesamtbelastung durch Krankheiten in der EU verantwortlich sind. Die vier am stärksten belastenden Erkrankungen sind demnach Depression, Demenzen, Alkoholabhängigkeit und Schlaganfall. Damit sind Hirnerkrankungen vor Krebs und Herzerkrankungen die häufigsten und am meisten belastenden Erkrankungen.

 

Besonders besorgniserregend sehen BVDN, BDN, BVDP und DGPPN die Ergebnisse der allgemeinen Versorgungssituation:

 

  • Höchstens ein Drittel aller Betroffenen in der EU erhalten irgendeine Therapie.
  • Die Behandlung startet meist erst Jahre nach Krankheitsbeginn und entspricht oft nicht den minimalen Anforderungen an eine adäquate Therapie.
  • Nur rund zehn Prozent der Therapien sind „minimal adäquat“.
  • Die Versorgung hat sich seit 2005 nicht wesentlich verbessert.

 

Diese Ergebnisse verdeutlichen den dringenden politischen Handlungsbedarf. Die bisherige gesellschaftliche und politische Haltung, psychische und neurologische Erkrankungen zu marginalisieren und zu stigmatisieren, verhindert eine Verbesserung der Versorgungssituation. Neben tragfähigen ausreichend finanzierten Versorgungskonzepten bedarf es gezielter Aufklärung der Bevölkerung und der Gesundheitspolitik, um das Unwissen über psychische Erkrankungen, ihre Ursachen und Therapien zu verringern. BVDN, BDN, BVDP und DGPPN schließen sich den Schlussfolgerungen der Autoren an und fordern,

 

  • die Grundlagen-, Anwendungs- und Versorgungsforschung zu intensivieren,
  • die Behandlungsressourcen für psychische Störungen auszubauen und finanziell zu stärken,
  • Zuweisungsmodelle zu verbessern, damit die Betroffenen schneller eine adäquate Therapie erhalten und
  • die Frühintervention bei Jugendlichen zu verstärken, damit Erkrankungen nicht chronifizieren.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), 19.09.2011 (tB).

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