Behandlung der Migräne

Bewährte Therapien, neue Optionen

 

Hamburg/Berlin (27. September 2012) – In Deutschland leiden über 10 Millionen Menschen unter Migräne. Somit gehört die Migräne zu den häufigsten Gesundheitsproblemen, und die Erkrankung kann das Allgemeinbefinden sowie das Alltagsgeschehen erheblich beeinträchtigen. Viele Patienten versuchen, die Symptome mit freiverkäuflichen Medikamenten aus der Apotheke zu lindern. Doch diese zeigen nicht immer die erhoffte Wirkung. Vielmehr sind in jüngster Zeit zahlreiche neue Therapieoptionen entstanden. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat nun zusammen mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) ihre Leitlinien zur Therapie der Migräne aktualisiert, um die medizinische Versorgung nachhaltig zu verbessern. „Das erklärte therapeutische Ziel ist es, akut auftretende Migräneattacken schnell und nebenwirkungsarm zu behandeln. Dadurch reduziert sich der Leidensdruck der Patienten entscheidend“, erklärte Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Essen, heute auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Hamburg.


Die Entwicklung und Einführung der sogenannten Triptane hat zu einer entscheidenden Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten der Migräne geführt. Anfälle, die früher teils tagelang anhielten, können nun innerhalb von Stunden gut kontrolliert werden. Triptane stellen eine wertvolle Bereicherung für Migränepatienten dar – wenn die Gegenanzeigen beachtet und die Nebenwirkungen sorgfältig abgewogen werden. Sie sollen insbesondere dann eingesetzt werden, wenn andere Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure nicht wirksam sind.

 

 

Vorbeugen ist möglich

 

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kann bei einem gehäuften Auftreten von Anfällen, bei Nicht-Ansprechen, bei Kontraindikationen oder Nebenwirkungen der Behandlung, bei schwerer Intensität und starker Behinderung im Alltag angezeigt sein. Migräneprophylaktika der ersten Wahl sind Beta-Blocker wie Propranolol, Calciumkanalblocker wie Flunarizin und die Antiepileptika Topiramat und Valproinsäure. Valproinsäure hat sich in der Migräneprophylaxe bei Erwachsenen, nicht jedoch bei Kindern und Jugendlichen, etabliert und wird von den Krankenkassen erstattet.

 

 

Nicht alle neuen Therapiemaßnahmen sind auch effektiv

Aktuelle Studiendaten zeigen, dass der Wirkstoff Topiramat nicht nur zur Vorbeugung, sondern auch bei chronischer Migräne wirksam ist, wobei die Kombination mit dem Betablocker Propranolol die Wirksamkeit nicht erhöht und daher nicht erforderlich ist. Auch Botulinumtoxin A, kurz: Botox, lindert die Symptome bei chronischer Migräne. Jüngste Forschungsergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen Migräne und einem häufigen Herzfehler nahe, dem offenen Foramen ovale. Der Verschluss dieses Defektes bei Migräne mit Aura führt jedoch nicht zur Attackenfreiheit und sollte außer im Rahmen von Studien deshalb nicht durchgeführt werden.

 

Werbung

Darüber hinaus wird derzeit wird über ein neues operatives Verfahren zur Behandlung der Migräne diskutiert (Currogator-Operation). Dabei wird ein Muskel, der zwischen Nasenwurzel und Augenbraue liegt, durchtrennt, was zu einer Verbesserung der Symptome führen soll. „Es existiert keinerlei wissenschaftliche Grundlage für dieses Verfahren, und es liegen auch keine kontrollierten Ergebnisse vor, sodass vor dieser Operation dringend abgeraten wird", betont Professor Diener ausdrücklich.

 

 

Medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien kombinieren

Ziel der effektiven Migränetherapie ist, die Lebensqualität durch Verminderung der Anfallfrequenz, der Anfallstärke und Anfalllänge zu verbessern. Die medikamentöse Therapie sollte grundsätzlich durch Techniken der Verhaltenstherapie und regelmäßigen Ausdauersport ergänzt werden. Bei Patienten mit einer hochfrequenten Migräne (mehr als drei Attacken pro Monat) sowie erheblicher Einschränkung der Lebensqualität sollte auch eine verhaltenspsychologische Therapie angestrebt werden.

 


 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), 27.09.2012 (tB).

MEDICAL NEWS

Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds
Monoclonal antibody therapy for COVID-19 safe, effective for transplant patients
Having trouble falling asleep predicts cognitive impairment in later life
SARS-CoV-2 detectable — though likely not transmissible — on hospital…

SCHMERZ PAINCARE

Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung
Risikobasiertes Brustkrebs-Screening kosteneffektiv
Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung

MULTIPLE SKLEROSE

Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose
Patienteninformationen zu Interferon-beta-Präparaten
Zulassung des S1P Modulators Ponesimod zur Behandlung von erwachsenen Patienten…

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung