Behandlung schlafgestörter Patienten mit Diabetes mellitus

 

Von Prof. Dr. med. Stephan Volk, Hofheim am Taunus

 

Hamburg (16. Mai 2007) – Betrachtet man die Ursachen einer chronischen Schlafstörung in der Hofheimer Schlafambulanz, so wird deutlich, dass etwa 1/5 der Patienten organische Ursachen aufweisen. Der Diabetes mellitus, vor allem der Typ 1, spielt unter den organischen Ursachen der Schlafstörungen eine bedeutsame Rolle.

Die Behandlung einer chronischer Ein- und Durchschlafstörung bedeutet zunächst, einen nicht medikamentösen Ansatz zu verfolgen. Dabei geht es um die Übermittlung von Informationen über die physiologischen Grundlagen des Schlafes, die Vermittlung eines individuellen Störungsmodells und das Erlernen eines Entspannungsverfahrens.


 

Besonders gute Erfahrungen haben wir mit der progressiven Muskelrelaxation gemacht. Zudem können verhaltenstherapeutische Methoden sinnvoll sein. Eine medikamentöse Behandlung ist unterstützend in vielen Fällen trotzdem notwendig.

 

Von Seiten des Diabetes mellitus ist es notwendig, dass die Patienten eine stabile Einstellung ihres Zuckers anstreben, damit es nicht zu nächtlichen Hyper- oder Hypoglykämien kommt, die wiederum den Schlaf stören.

 

Wird ein zeitlich befristeter Einsatz von Hypnotika notwendig, so empfiehlt es sich, den Patienten von vornherein darüber aufzuklären, dass es sich um keine Dauermedikation handelt, sondern lediglich dazu dienen sollte, den Teufelskreis aus nicht Schlafen, Anspannung und noch schlechterem Schlafen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit am Tag zu durchbrechen.

 

Bei der Auswahl der Substanzen ist darauf zu achten, dass diese möglichst wenig Überhang am nächsten Morgen haben, gezielt, wenn es sich um Einschlafstörungen handelt, das Einschlafen, bei Durchschlafstörungen, das Durchschlafen verbessern.

 

In unserer langen Behandlung setzen wir häufiger Zopiclon oder Zolpidem ein, kombinieren aber in hartnäckigen Fällen mit Antidepressiva wie z.B. Trimipramin oder Mirtazapin. Eine interessante neue Substanz stellt das Antiepileptikum Pregabalin dar. Es verbessert die Schlafeffizienz, vermehrt Tiefschlafstadien und reduziert die Einschlaflatenz. Untersuchungsbefunde zur postherpetischen Neuralgie und gestörtem Schlaf sowie bei diabetischen Neuropathien und gestörten Schlaf zeigten eindeutig, dass die nächtlichen Schlafunterbrechungen abnahmen und dies parallel zur der antinozeptiven Wirkung dieser Substanz in Dosierung von 300 bis 600 mg/d einhergeht.

 

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Behandlung von Schlafstörungen bei Diabetespatienten multimodal unter Einschluss von Aufklärung, Selbstmanagement, Entspannungsverfahren, aber auch unter dem gezielten zeitlich aber befristeten Einsatz von Hypnotika erfolgen kann. Modernere Hypnotika wie Zolpidem oder Zopiclon, schlafanstoßende antidepressiv wirkende Substanzen wie z. B. Trimipramin oder Mirtazapin bieten sich zur Behandlung an. Das Antiepileptikum Pregabalin, welches antinozeptiv, anxiolytisch und positiv auf den gestörten Schlaf wirkt, wird aufgrund des fehlenden Abhängigkeitspotentials in Zukunft eine größere Bedeutung erlangen.

 


 

Quelle: Symposium der Firma Pfizer zum Thema „Was stört den Schlaf des Diabetikers?“ am 16.05.2007 in Hamburg (MCG – Medical Consulting Group).

 

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