Herr Flöttmann (Berlin-Chemie) bei der Preisverleihung des SilverStar Förderpreises 2012. Photo: Berln-ChemieDDG-Herbsttagung 2012

BERLIN-CHEMIE AG verleiht SilverStar Förderpreis 2012

 

Berlin (16. November 2012) – Im Rahmen der 6. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin erfolgte die feierliche Übergabe des SilverStar Förderpreises 2012. Den ersten Preis und damit 12.500 EUR vergab die Jury in diesem Jahr an das Projekt „Gemeindeschwester Muschenheim“. Der zweite Preis wurde aufgeteilt. Das Versorgungsnetzwerk „Pro Edith“ wird mit insgesamt 7.500 EUR gefördert. Die „Informations- und Arbeitsvorlage ‚Sichere Insulininjektion auf einen Blick‘“ wird mit 5.000 EUR Preisgeld unterstützt.

 

Der SilverStar Förderpreis wird jährlich von der BERLIN-CHEMIE AG an Projekte vergeben, die älter werdenden Menschen mit Diabetes eine bessere Lebensqualität ermöglichen. 2012 reichten insgesamt 55 Initiativen, Selbsthilfegruppen, Kliniken und Praxen ihre Projekte für den Preis ein. „Die große Resonanz auf die Ausschreibung hat erneut gezeigt, wie vielseitig das Engagement der Menschen in diesem Bereich ist“, erklärte Jurymitglied Prof. Dr. med. Cornel Sieber, Nürnberg, im Rahmen der Preisverleihung. „Es ist beeindruckend, welche Leistung hinter jedem einzelnen Projekt steht.“

 

 

Ein Projekt mit Zukunft: Gemeindeschwester Muschenheim

 

Auf die zum Teil großen strukturellen Veränderungen durch den Rückzug der Hausärzte aus den ländlichen Regionen und die immer größer werdende ältere Bevölkerung reagierte das Dorf Muschenheim nach Ansicht der SilverStar-Jury beispielhaft. Um die medizinische Betreuung der Menschen vor Ort auch in Zukunft zu gewährleisten, riefen die Bürgerinnen und Bürger Anfang 2012 kurzerhand das „Gemeindeschwester-Projekt“ ins Leben. „Für uns war der Punkt erreicht, zu handeln“, erklärt Dr. med. Detlef Kuhn, Ortsvorsteher von Muschenheim und Initiator des Projektes.

 

In einem eigenen Behandlungsraum im Muschenheimer Kommunikationszentrum stehen heute zwei Gemeindeschwestern zu festgelegten Sprechstunden zur Verfügung.

 

Ihre Arbeit geht weit über die Befunderhebung und Therapiekontrolle wie zum Beispiel die Blutzuckermessung hinaus. Persönliche Zuwendung, Aufklärung und Schulungen verbessern die individuelle Situation der betreuten Patienten. Besonders hilfreich ist dabei, dass als Gemeindeschwestern nur Personen eingesetzt werden, die selbst Mitglieder der Dorfgemeinschaft sind.

 

Bei den Menschen in Muschenheim kommt das Projekt gut an: „Das große Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Helfer innerhalb der Bevölkerung lässt das Projekt weiter wachsen. Inzwischen hat sich ein regelrechtes Netzwerk im Dorf entwickelt, das die Lebensqualität der älteren Bewohner durch Sportgruppen oder Vorträge zu Ernährungsthemen im Alter nachhaltig steigert“, berichtet Kuhn.

 

Das engagierte Handeln der Muschenheimer Bürger und die soziale Einbindung der Gemeindeschwestern in die Bevölkerung waren für die Jury ausschlaggebende Argumente, um den ersten Preis zu vergeben: „Die Idee, eine Gemeindeschwester aus dem Ort selbst zu etablieren, um dort die Versorgung älterer Patienten zu verbessern, ist zukunftsweisend“, resümiert Flöttmann. „Mit dem Projekt reagieren die Bürgerinnen und Bürger Muschenheims vorbildlich auf die sich verändernde Situation vor Ort.“

 

 

Pro Edith – Betreuung ohne Grenzen

 

Das Krankenhaus-Managementprogramm „Pro Edith“ (Protection of Elder Diabetes Patients in Hospitals) hat zum Ziel, Patienten mit Diabetes mellitus über den Aufenthalt im Marienkrankenhaus Schwerte hinaus bis in den ambulanten Bereich zu begleiten – wobei gerade ältere Patienten einen hohen Unterstützungsbedarf haben. Nüchterntage, Operationen und Endoskopien stellen für sie eine besondere Herausforderung dar. „Wir haben bei diesen Patienten erkannt, wie wichtig eine intensive Betreuung während des Klinikaufenthaltes ist“, erklärt Dr. med. Michael Herr, der einerseits Oberarzt am Marienkrankenhaus Schwerte ist, andererseits niedergelassener Arzt mit einer diabetologischen Schwerpunktpraxis. „Das veranlasste uns 2009 zum Aufbau des Diabetesnetzes ‚Pro Edith‘“.

 

Zentrale Instanz von „Pro Edith“ ist ein koordinierendes Diabetes-Team, das übergreifend über alle Fachabteilungen des Marienkrankenhauses arbeitet. Es besteht aus dem Diabetologen Dr. Herr, einer Diabetesberaterin und zwei Diabetes-assistentinnen. Es ist sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich als Fallmanager für den Patienten ansprechbar. Das Diabetes-Team begleitet den Patienten während des gesamten stationären Aufenthaltes, bespricht mit ihm die Diabetes-bezogenen Ergebnisse und erläutert die weitere Behandlung. Angehörige der älteren Patienten werden in die Behandlung aktiv einbezogen und angeleitet.

 

Ein reibungsloser Übergang des Patienten mit Diabetes in den häuslichen Bereich wird durch die Kommunikation und das Entlassungsmanagement von „Pro Edith“ gewährleistet: Diabetes-Team und Hausärzte arbeiten eng zusammen, auch ein Radiologe und eine Praxis für Dialyse sind involviert. Verschiedene Dienstleister aus dem Pflege-, Heil- und Hilfsmittelbereich werden miteinbezogen, darunter eine podologische Praxis, ein Sanitätshaus und ein Fachgeschäft für orthopädische Schuhe.

 

„Wir waren beeindruckt von dem großen Engagement und der konsequenten Umsetzung des Vernetzungsgedankens bei ‚Pro Edith‘“, fasst Jurymitglied Prof. Dr. med. Cornel Sieber, Nürnberg, die Juryentscheidung zusammen. „Die Abdeckung des individuellen Unterstützungs- und Beratungsbedarfes schützt die Patienten vor Überforderung und gewährleistet eine lückenlose Betreuung über den stationären Aufenthalt hinaus.“

 

 

Kleine Maßnahme – große Wirkung

 

Wie eine einfache, aber übersichtliche Anleitung den Therapiealltag älterer Menschen mit Diabetes verbessern kann, zeigt die Informations- und Arbeitsvorlage „Sichere Insulininjektion auf einen Blick“. Die Vorlage im DIN-A3-Format, die auch als laminiertes Tischset vorliegt, führt den Patienten in einfachen Schritten und durch farbige Grafiken illustriert durch den richtigen Ablauf der Insulin-Injektion. Unter „Was ist zu beachten?“ wird auf wichtige Parameter bei der Injektion wie z. B. Zeitpunkt, Injektionsstelle, Insulinname bzw. Pen, Nadellänge und Insulindosis hingewiesen. Auch an den Eintrag in das Insulintagebuch und das notwendige Essen nach der Injektion wird erinnert. Die Vorlage im DIN-A4-Format ergänzt das Tischset und kann als Medikamenten-verordnungsblatt eingesetzt werden. In dieser Vorlage können zusätzlich Insulinname und Pen sowie Uhrzeit, Injektionsort, Nadellänge und die erforderlichen Einheiten Insulin eingetragen werden.

 

„Mit Hilfe der großen Vorlage können wir die richtige Vorgehensweise einfach und schnell mit dem Patienten besprechen“, beschreibt Projektleiterin Irene Feucht, Diabetesberaterin DDG und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Ulm, die im Agaplesion Bethesda Krankenhaus, Stuttgart, sowie in einer niedergelassenen Praxis tätig ist. „Das ermöglicht uns im Diabetes-Team natürlich eine gezielte Beratung. Der Patient kann die Vorlage mit nach Hause nehmen, sie bei der Injektion vor sich hinlegen und ‚auf einen Blick‘ die richtige Durchführung sehen. Das gibt ihm und auch seinen Angehörigen Sicherheit.“

 

Jurymitglied Torsten Flöttmann, Berlin, lobt insbesondere die einfache aber effektvolle Umsetzung der Vorlage: „Toll fanden wir, dass durch eine kleine Maßnahme die Lebensqualität des einzelnen Patienten verbessert wird. Durch die Anschaulichkeit der Vorlage ist das Set auch gut für Patienten mit Sprachbarrieren geeignet und quasi zu Hause wie auch auf Reisen einsetzbar.“

 

Alle Informationen zum SilverStar Förderpreis sowie die Bewerbungsunterlagen für 2013 sind auf www.silverstar-preis.de zu finden.

 

 

Abb.: Preisverleihung des SilverStar Förderpreises 2012 am 16. November 2012 im Humboldt Carré Berlin. Photo: Berlin-Chemie

 

Abb.: Preisverleihung des SilverStar Förderpreises 2012 am 16. November 2012 im Humboldt Carré Berlin. Photo: Berlin-Chemie

 

 

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Quelle: Berlin-Chemie, 16.11.2012 (tB).

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