Studie zeigt: Bestmögliche Schlaganfall-Therapie auch nachts und am Wochenende gewährleistet

 

Berlin (3. August 2009) – Patienten mit Schlaganfall erreichen die Klinik in der Regel zu spät. Vor allem wenn die Symptome am Sonntag einsetzen und relativ gering ausgeprägt sind, zögern die Angehörigen oftmals zu lange. Ohne Grund, wie eine aktuelle Auswertung des hessischen Schlaganfallregisters zeigt: Die Patienten erhielten auch am Wochenende und in den Nachtstunden eine qualitativ hochwertige Behandlung. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fordert deshalb: Jeder Patient mit Verdacht auf einen Schlaganfall muss sofort in eine Klinik mit Stroke Unit und das unabhängig von Uhrzeit oder Wochentag.

 

Patienten die nach einem Schlaganfall sofort auf eine Schlaganfall Spezialstation, eine Stroke Unit, gebracht werden, haben größere Chancen Spätfolgen zu vermeiden oder zu mindern. „Um die Schäden im Gehirn zu begrenzen, können Medikamente zur Wiederherstellung der Hirndurchblutung verabreicht werden. Dies ist jedoch nur innerhalb der ersten drei bis maximal viereinhalb Stunden möglich“, erläutert Professor Dr. med. Martin Grond, DSG-Vorstandsmitglied und Chefarzt am Kreisklinikum Siegen. In Deutschland erreicht leider nur eine Minderheit innerhalb dieser Frist die Klinik. Dies belegt erneut eine Analyse des hessischen Schlaganfallregisters, die Privatdozent Dr. med. Marek Jauß, Chefarzt am Hainich Klinikum in Mühlhausen und Schriftführer der DSG, durchgeführt hat.

 

Die längsten Verzögerungen gab es bei Patienten, die am Montag tagsüber in die Klinik eingeliefert wurden. Der Schlaganfall lag bei diesen Patienten im Durchschnitt fast 15 Stunden zurück. Jauß: „Oft sind dies Patienten, die ihren Schlaganfall am späten Sonntagnachmittag erleiden. Die Angehörigen entscheiden dann, dass es besser sei, bis zum Montag zu erwarten. Sie befürchten, außerhalb der Dienstzeiten gerade an Wochenenden eine schlechtere Behandlung zu erhalten.“

 

Ein oberflächlicher Blick auf die Daten des Registers scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Die Zahl der Patienten, die den Schlaganfall nicht überlebten, war außerhalb der Kernarbeitszeiten der Kliniken um 22 Prozent erhöht. Dies war jedoch nicht auf eine schlechtere personelle Besetzung oder auf eine Übermüdung der Ärzte zurückzuführen. „Wir sehen nachts und am Wochenende überwiegend schwere Fälle, bei denen sich der Transport in die Klinik aus Sicht der Angehörigen nicht aufschieben lässt“, so Jauß. Wurde diese Selektion in der Auswertung berücksichtigt, waren die Behandlungsergebnisse nicht schlechter als während der Kernzeit.

 

Gerade Patienten mit einem leichten Schlaganfall, einer sogenannten transitorischen ischämischen Attacke (TIA), leben mit einem hohen Wiederholungsrisiko: Jeder zehnte erleidet innerhalb der nächsten drei Monate einen weiteren Schlaganfall, die Hälfte davon bereits innerhalb von zwei Tagen. „Diese Patienten setzten sich der Gefahr aus, alles zu verlieren, was der erste, leichte Schlaganfall glücklicherweise ausgespart hat“, warnt Jauß. Deshalb sollte auch Nachts und am Wochenende mit dem Aufsuchen einer Stroke Unit nicht gewartet werden, bis die Symptome schlimmer geworden sind „Ärzte auf einer Stroke Unit erkennen diese Warnzeichen und können in vielen Fällen eine Verschlechterung der Symptome oder die Wiederholung eines Schlaganfalls vermeiden“, so Dr. Jauß. „Bei einem Schlaganfall gibt es keinen Grund für einen Aufschub. Kliniken mit einer Stroke Unit sind darauf vorbereitet, die Patienten jederzeit optimal zu behandeln: 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche“, sagt Grond.

 

 

Literatur

Jauss M et al. Bias in request for medical care and impact on outcome during office and non-office hours in stroke patientsEur J Neurol. 2009 (in print)

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft vom 03.08.2009.

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