Bewegung in der COPD‑Therapie

Lang wirksames Anticholinergikum und körperliches Training können den Behandlungserfolg steigern

 

Mannheim (15. März 2007) – Die medikamentöse Therapie der stabilen COPD mit dem lang wirksamen Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®) kann die typischen Beschwerden Dyspnoe und eingeschränkte Belastbarkeit lindern, die körperliche Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität verbessern und die Häufigkeit von Exazerbationen vermindern. Ein ebenso unverzichtbarer Bestandteil in der Dauertherapie der COPD ist das körperliche Training, von dem auch Patienten in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung profitieren. Eine konsequente Therapie, die medikamentöse und nicht‑medikamentöse Optionen umfasst, kann den Verlauf der Erkrankung auch langfristig positiv beeinflussen, so die Annahme von Experten auf dem DGP‑Kongress in Mannheim. Sie sollte daher von Anfang an eingesetzt werden.

 

Nach den GOLD‑Leitlinien(1) sind langwirksame Bronchodilatatoren wie Tiotropium die Basistherapie der symptomatischen COPD. Sie sollten bereits in der Frühphase der Erkrankung, ab Schweregrad II nach GOLD (FEV1‑Wert 50 ‑ 80 % vom Normwert), kontinuierlich gegeben werden. Wie Professor Dr. Roland Buhl, Mainz, in Mannheim betonte, wirkt Tiotropium als einziger Bronchodilatator über 24 Stunden und verbessert konsistent guten Studiendaten zufolge die klinisch relevanten Parameter der COPD wie Luftstau, Überblähung und Dyspnoe. Lebensqualität und Belastungstoleranz nehmen unter der Therapie zu und die Häufigkeit von Exazerbationen und Hospitalisierungen nimmt ab.(2) Zudem könnte die anhaltende Bronchodilatation die Progression der COPD verlangsamen, indem der progrediente Verlust der Lungenfunktion gebremst wird, hob Buhl hervor. Eine retrospektive Analyse der Daten von 921 COPD‑Patienten, die über ein Jahr mit Tiotropium oder Placebo behandelt worden waren, zeigte eine signifikant geringere Abnahme der Einsekundenkapazität (FEV1) unter Tiotropium (12ml/Jahr vs. 58ml/Jahr, p = 0,005).(3)

 

Reduktion von Exazerbationen

Weitere Studienergebnisse zeigen, dass mit Tiotropium Exazerbationen wirksam ver­ringert werden können. Exazerbationen werden meist durch Infektionen oder Umwelt­faktoren ausgelöst, verschlimmern die Atemnot und treiben die Progression der Er­krankung weiter voran. In der einjährigen MISTRAL‑Studie mit über 1.000 COPD-­Patienten hat das lang wirksame Anticholinergikum das Auftreten von Exazerbationen unabhängig vom Schweregrad der Erkrankung um 35 % gegenüber Placebo verringert sowie den Gebrauch zusätzlicher Medikamente und die Hospitalisierungsrate deutlich gesenkt.(4) Ähnlich gute Effekte der Tiotropium‑Therapie belegte eine Untersuchung mit mehr als 1.800 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD. Tiotropium reduzierte signifikant die Zahl der Patienten, die im Laufe von sechs Monaten eine oder mehrere Exazerbationen erlitten (27,9 % vs. 32,3 %, p = 0,0037) sowie die Zahl der Kranken­hauseinweisungen (7 % vs. 9,5 %).(5)

 

Auch Bewegungstherapie kann den Teufelskreis durchbrechen

Die positiven Effekte der Pharmakotherapie mit Tiotropium können durch körperliches Training wirksam unterstützt werden, betonte Dr. Marc Spielmanns, Leverkusen. Ha­ben Ärzte ihren COPD‑Patienten früher noch zur körperlichen Schonung geraten, so habe sich heute ein Paradigmenwechsel etabliert, der neben einer optimierten medi­kamentösen Therapie auch eine Bewegungstherapie mit individuellen Trainingsplänen als wichtigen Bestandteil des Behandlungskonzeptes vorsieht.

 

Bei COPD‑Patienten wird durch die zunehmende Luftnot, insbesondere bei Belastung, ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Es kommt regelhaft zu einer Verminderung der Mobi­lität und in deren Folge zu einer Dekonditionierung von Herz, Kreislauf und Muskulatur, was wiederum die Belastungsdyspnoe verschlimmert. Die Integration rehabilitativer Maßnahmen in die Therapie trage dazu bei, diesen Circulus vitiosus zu durchbrechen, so Spielmanns. Nach den GOLD‑Leitlinien ist körperliches Training bereits ab Schwe­regrad II der COPD unverzichtbarer Bestandteil der Langzeittherapie. Auch noch in fortgeschrittenen Stadien profitieren die Patienten mit einer Verringerung der Sympto­me und Steigerung der Belastbarkeit. Damit können sekundär eine Verbesserung der Lebensqualität und die Verringerung der Morbidität einhergehen.

 

Additive Effekte nutzen

In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie mit 93 Patienten wurde der additive Effekt von medikamentösen und nicht‑medikamentösen Maßnahmen belegt. Tiotropi­um (18mg einmal täglich) in Kombination mit körperlichem Training verbesserte Aus­dauer und Kondition der Patienten deutlich: Die Belastungsdauer auf dem Laufband nahm signifikant im Vergleich zu Training plus Placebo um 42% zu. Ebenso verbes­serten sich die Dyspnoe und die gesundheitsbezogene Lebensqualität signifikant im Vergleich zum körperlichen Training alleine.(6)

 

 

Quellen

 

  1. Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, Update 2006, www.qoldcopd.com  
  2. Cochrane Review, Barr et al., Thorax 2006, 61:854‑862
  3. Anzueto et al., Pulm Pharmacol Ther 2005, 18(2):75‑81).
  4. Dusspr et al., Eur Respir J 2006, 27 (3):547‑,555
  5. Niewoehner et al., Ann Intern Med 2005, 143:317‑326
  6. Casaburi et al., Chest 2005, 127:809‑817


Quelle: Fachpressegespräch der Firmen Boehringer Ingelheim und Pfizer zum Thema „Bewegung für COPD‑Patienten: Schritt für Schritt den Krank­heitsverlauf beeinflussen", 48. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., Mannheim, 15.03.2007 (PLEON).

 

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