Biologisierung der Medizintechnik

 

Tübingen (30. Mai 2011) – Am Mittwoch, dem 18. Mai 2011 fand unter Leitung von Dipl.-Ing. Karin Benz und Professor Schlosshauer im Innovationsforum des NMI Reutlingen der zweite Workshop zur Biologisierung der Medizintechnik statt. Rund 120 Gäste aus der Industrie, aus Kliniken und Forschungseinrichtungen tauschten sich über bioverträgliche und zelluläre Beschichtungen von Implantaten und Sensoren, über Biomaterialien und ihren Einsatz im menschlichen Körper sowie über biologisch-technische Grenzflächen aus.

 

Professor Hugo Hämmerle, Institutsleiter des NMI Reutlingen, hob gleich zu Beginn der eintägigen Veranstaltung hervor, wie wichtig das Thema für die Zukunft der Medizin ist: „Neben der Miniaturisierung und der Computerisierung ist die Biologisierung einer der drei großen Trends in der Medizintechnik. Vor allem, wenn alle drei Bereiche zusammen kommen, entstehen Innovationen mit großem Potenzial für die Diagnostik und die Behandlung von Krankheiten.“ Das NMI hat dieses Potenzial früh erkannt und will es nicht nur gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern ausschöpfen, sondern auch nach außen tragen. Dazu diente unter anderem dieser Workshop.

 

Vormittags drehte sich alles um intelligente Implantate und Sensoren. Immer häufiger werden durch die Verbesserung der Wirksamkeit und der Verträglichkeit Implantate mit speziellen Beschichtungen versehen, um gezielt kontrollierte Wirkstoffe freizusetzen. Beispielsweise wurde von Professor Hampp, Universität Marburg, eine neue Generation von Intraokularlinsen vorgestellt, die wiederholt kurz bestrahlt werden können, um fotochemisch Wirkstoffe zur Behandlung des Nachstars (sekundäre Katarakte nach Star-Operationen) freizusetzen. So wirkt eine einmal implantierte Linse über viele Monate als Medikamenten-Depot.

 

Ein weiteres Beispiel intelligenter Implantate sind Mittelohrprothesen, wie sie von der Gruppe um Professor Behrens von der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt werden. Sie sollen eine stabile Verankerung im Mittelohr gewährleisten und gleichzeitig lokal wirkende Antibiotika freisetzen, um Komplikationen durch Mittelohrinfektionen zu minimieren. Zwei Doktoranden des NMIs berichteten über die Entwicklung biologisch abbaubarer Polymerschichten, die neuartige Wirkstoffe freisetzen, um Restenosen nach der Einbringung von Koronarstents zu vermeiden. Die Entwicklung eines Mikrosensorimplantats, das kontinuierlich Daten über die Fremdkörperreaktion in Geweben überträgt, soll in Zukunft kontinuierlich Daten über die Verkapselung von Implantaten liefern, um tierexperimentelle Untersuchungen zu verringern. Am Nachmittag standen neue Ansätze der Regenerativen Medizin auf dem Programm.

 

Im Vordergrund standen Trägermaterialien, die mit Zellen kombiniert werden, um als Implantat im Körper die Heilung zu fördern, oder überhaupt erst möglich zu machen. Professor Enderle von der Tübinger Firma ERBE Elektromedizin GmbH berichtete über ein neues Verfahren, bei dem die Wasserstrahltechnologie eingesetzt wird, um heilungskompetente Zellen und Biomaterialien in die Magen-Darm-Schleimhaut zu implantieren – nadelfrei, effektiv und gewebeschonend. Professor Mollenhauer von der Reutlinger TETEC AG berichtete über die Entwicklung von Trägerstrukturen über die sich Zellfunktionen zur Knorpelregeneration steuern lassen. Beide Beispiele demonstrieren die Innovationsstärke der regionalen LifeScience-Unternehmen. Frau Dr. Schröppel vom NMI demonstrierte mit einer eigenen Entwicklung zur analytischen Elektronenmikroskopie, ein Verfahren mit dem diese Grenzflächen in höchster Auflösung abgebildet werden können. Nach einem Statement von Markus Kopf von der DEKRA Certification GmbH über die speziellen Anforderungen zur Zulassung innovativer Medizinprodukte schloss der Workshop mit dem Wunsch der Teilnehmer, weitere Veranstaltungen zum Thema Biologisierung der Medizintechnik folgen zu lassen.

 


 

Quelle: NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen, 30.05.2011 (tB).

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