Biomarker identifizieren Patienten mit Alzheimer-Risiko

Frühzeitige Diagnose möglich

 

Heidelberg (6. August 2009) – Eine groß angelegte, multizentrische Studie hat belegt, dass neue Biomarker im Liquor (Nervenwasser, das Gehirn und Rückenmark umspült) mit hoher Zuverlässigkeit (83 Prozent) voraussagen können, ob ein Patient mit leichten kognitiven Defiziten später eine Alzheimer-Demenz entwickeln wird. Bei den Biomarkern handelt es sich um Proteine, die zur Stützfunktion der Zellen beitragen, sowie um Beta-Amyloid, ein Peptid, das sich im Gehirn der Patienten ablagert. Im Nervenwasser von Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung findet man veränderte Konzentrationen.

Zusammen mit elf weiteren Zentren in Europa und den USA hat auch die Sektion Gerontopsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg (Leiter: Professor Johannes Schröder, Studienarzt: Dr. Elmar Kaiser) an der Studie teilgenommen, die von Dr. Niklas Mattsson, Universität Gothenburg, Schweden, koordiniert wurden. Die Ergebnisse wurden im "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht.

Der Morbus Alzheimer ist die häufigste Ursache für eine Demenz und betrifft 15 Millionen Patienten weltweit. Der Beginn einer Demenzerkrankung, egal welcher Art, ist in der Regel charakterisiert durch milde Gedächtnisstörungen. Man spricht von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, wenn der Verlust der intellektuellen Fähigkeiten wie Gedächtnisleitung und Flexibilität unter den altersgerechten Normwerten liegt, aber noch nicht so ausgeprägt ist, dass man eine Demenz diagnostizieren würde. Um die Alzheimer Erkrankung in Zukunft besser behandeln zu können, muss eine frühzeitige Diagnose möglich sein, bevor die neurodegenerativen Prozesse zu weit fortgeschritten sind.

Zuverlässige Biomarker im Nervenwasser

Tau-Proteine bilden bei Alzheimer Patienten Ablagerungen, sogenannte Neurofibrillen im Gehirn. Bei der Schädigung von Nervenzellen sind die Werte für Tau-Proteine im Nervenwasser erhöht, das phosphorylierte Tau-Protein ist speziell nur bei der Alzheimer Erkrankung vermehrt nachzuweisen. Ein weiteres Kennzeichen für die Alzheimer-Krankheit sind die Ablagerungen an Nervenzellen, die größtenteils aus sogenanntem Beta-Amyloid bestehen. Im Nervenwasser sind die Werte für Beta-Amyloid erniedrigt.

Die Studie zeigt, dass diese Biomarker 83 Prozent der Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen identifizieren können, die in den folgenden Jahren Alzheimer entwickeln werden. Für die Studie wurden insgesamt 1.200 Patienten untersucht. Zunächst wurden 529 Patienten mit einer Alzheimer-Demenz mit 304 gesunden Testpersonen verglichen, um die Grenzwerte festzulegen. Dann wurden 750 Patienten mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung über mindestens zwei Jahre bzw. solange, bis eine klinische Demenz manifest wurde, im Verlauf beobachtet.

Klinische Bedeutung im Moment noch gering

"Obwohl die Voraussagekraft der Marker sehr gut ist, können wir die Anwendung für die klinische Routinediagnostik noch nicht empfehlen. Solange es noch keine Medikamente gibt, die die Alzheimer Erkrankung verhindern oder zumindest verzögern können, hat die frühzeitige Diagnose keine klinische Konsequenz", so die Autoren der Studie. Dennoch handelt es sich bei den Biomarkern um nützliche Screeningwerte, um gefährdete Patienten weiter unter klinischer Beobachtung zu halten. Außerdem können so diejenigen Patienten ausgewählt werden, die für eine Therapie mit neuentwickelten Medikamenten in Frage kommen.


Literatur

CSF Biomarkers and Incipient Alzheimer Disease in Patients With Mild Cognitive Impairment, Niklas Mattsson, Henrik Zetterberg, Oskar Hansson, et al., JAMA, 2009, 302(4): 385-393.


Weitere Informationen im Internet

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Gerontopsychiatrische-Forschung.1854.0.html


Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums und der Medizinische Fakultät Heidelberg vom 06.08.2009.

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