Biomarker verraten Gesundheit im Alter

 

  • Forscher können die Anfälligkeit älterer Menschen für Krankheiten anhand bestimmter Substanzen im Blut erkennen

 

Köln (20. August 2019) — Alternsforscher des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns und des Leiden University Medical Center (LUMC) wollen grundlegende Erkenntnisse aus der Forschung an Tiermodellen auf die Ursachen des Alterns im Menschen übertragen. Sie haben nun eine Kombination von Biomarkern im Blut entdeckt, die bei klinischen Studien helfen könnte, die Anfälligkeit älterer Menschen für Krankheiten abzuschätzen. Die Marker könnten möglicherweise auch für Studien an Tieren verwendet werden.

Wenn Grundlagenforscher die molekularen Ursachen des Alterns untersuchen, forschen sie in der Regel an Modellorganismen wie Würmern, Fruchtfliegen oder Mäusen. Um diese grundlegenden Erkenntnisse über das Altern mit den Ursachen und Prozessen altersbedingter Krankheiten im Menschen zu verknüpfen, hat das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns im Jahr 2018 die Humanforscherin Prof. Eline Slagboom vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden (LUMC) als Max-Planck-Fellow gewonnen. Jetzt haben die Forscher eine Reihe von Biomarkern im menschlichen Blut identifiziert, die parallel in klinischen Studien und in der Alterungsforschung an Tieren eingesetzt werden könnten.

Die Wissenschaftler haben in Blutproben von 44.168 Individuen nach Biomarkern gesucht, die auf die Restlebensdauer einer Person hinweisen. So wollen die Forschenden Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand und die Anfälligkeit für Krankheiten bei älteren Personen ziehen. Nach einer umfangreichen Analyse identifizierten die Wissenschaftler eine Kombination aus 14 Biomarkern. Diese setzen sich unter anderem aus verschiedene Aminosäuren – den Bausteine der Proteine -, dem Gehalt an “gutem” und “schlechtem” Cholesterin, dem Fettsäurehaushalt und Entzündungsparametern zusammen.

 

Klinische Studien

„Die blutbasierte Messung soll ein erster Schritt zu einer individuelleren Behandlung älterer Menschen sein“, erklärt Studienleiterin Slagboom. “Als Alternsforscher wollen wir das biologische Alter bestimmen, denn das kalendarische Alter sagt nicht viel über den allgemeinen Gesundheitszustand älterer Menschen aus: Ein 70-Jähriger ist gesund, während ein anderer bereits an drei Krankheiten leiden kann. Nun stehen uns aber eine Reihe von Biomarkern zur Verfügung, mit denen wir gefährdete ältere Menschen identifizieren und dann entsprechend behandeln könnten.“

 

Modellorganismen

Die Reihe von Biomarkern ist auch ein Ausgangspunkt für parallele Studien in Modellorganismen. “Die Alterungsforschung in Modellorganismen ist der Forschung am Menschen einen Schritt voraus. Um dieses Wissen zu nutzen, brauchen wir Instrumente, mit denen wir Vergleiche zwischen Humanstudien und Tierversuchen ziehen können. Wir untersuchen derzeit, ob die identifizierten Substanzen im Blut von typischen Tiermodellen wie Mäusen zu finden sind und ob sich deren Level verändern, wenn die Tiere länger leben”, erklärt Slagboom. Diese Fragen beantworten die Forschenden nun gemeinsam mit dem Exzellenzcluster für Alternsforschung der Universität zu Köln.

Möglich wurde diese groß angelegte Studie durch die Zusammenarbeit des LUMC mit internationalen Biobanken, BBMRI-NL (Biobanking and BioMolecular Resources Research Infrastructure the Netherlands) und dem Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln.

 

 

Originalpublikation

  • Joris Deelen, (…), Eline P. Slagboom
    A metabolic profile of all-cause mortality risk identified in an observational study of 44,168 individuals
    Nature Communications, 20. August 2019

 

Weitere Informationen

 

Abb. oben: Forschende haben eine Reihe von Biomarkern für die Gesundheit im Alter im menschlichen Blut identifiziert. Max-Planck-Institut für Biologie des Altern


Quelle: Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, 20.08.2019 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung