Bis zu 23 Mio. Euro Kostenersparnis bei Wiederaufbereitung von Kathetern

Mehrfachnutzung von Einmalprodukten im Krankenhaus zahlt sich aus

Leipzig (10. Oktober 2016) – Die Wiederaufbereitung von Einwegprodukten wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Eine neue Studie kommt nun zu dem Schluss: Werden medizinische Produkte nach einem validierten Verfahren professionell wiederaufbereitet, birgt dies kein erhöhtes Risiko für Patienten. „Die Diskussion um die Aufbereitung von Einweg-Medikalprodukten ist im Wesentlichen ökonomisch veranlasst, beinhaltet aber auch eine ethische Komponente, sofern mit einer Nicht-Aufbereitung Rationierung einhergeht beziehungsweise mit einer Aufbereitung Patientengefährdung zu befürchten ist“, so Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff, Akademischer Direktor am Ludwig Fresenius Center for Health Care Management and Regulation an der HHL Leipzig Graduate School of Management.

Seine Studie „Aufbereitung und Reparatur: Im Spannungsfeld zwischen Qualitätsanspruch und Kostendruck“ kommt zu dem Schluss, dass die meisten Anwender keine Probleme mit der Mehrfachnutzung von Einmalprodukten haben. Handhabungs- und Funktionalitätseinbußen, so die Untersuchung, treten jedoch bei wiederaubereiteten Einmalprodukten insbesondere dann auf, wenn dafür ungeeignete Produkte benutzt wurden und/oder wenn die Organisations- und Prüfabläufe fehlerhaft sind.

Wiederaufbereitung nach validiertem Verfahren

„Die Wiederaufbereitung von Einmalprodukten nach einem validierten Verfahren, durchgeführt von einem professionellen Dienstleister, wird von den Anwendern als wesentliche Maßnahme zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Medizinbetriebs und als Beitrag zu Umweltschutz und Ressourcenschonung beurteilt,“ so Studienleiter Prof. von Eiff.

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Durch die Untersuchung konnte zudem ermittelt werden, dass die Anwender ein großes Interesse an sogenannten Limited Patient Use-Produkten haben. Von diesen für eine mehrmalige beherrschte Wiederaufbereitung speziell konstruierten Produkten erwarten die Anwender – auch ca. 60 Prozent der Anwendungsgegner – Rechtssicherheit, erhöhte Wirtschaftlichkeit und gesicherte Funktionalität.

Kritsch wird von den Anwendern gesehen, dass Hersteller von Einwegprodukten ihre Produkte teilweise umkonstruieren, um eine Wiederaufbereitung gezielt zu erschweren. Dieses Herstellerverfahren habe die Materialkosten in den Krankenhäusern um bis zu 25 Prozent steigen lassen.

Hohe Kosteneffekte bei Wiederaufbereitung von Kathetern

Welche Kostensenkungseffekte die professionelle Wiederaufbereitung von Einmalprodukten hat, beschreibt Prof. von Eiff am Beispiel des elektrophysiologischen Katheters. Eingesetzt wird er bei Ablationen bei ca. 46.000 bis 50.000 Interventionen pro Jahr in Deutschland. „Nur allein bei diesem Produkt“, so der Medizinökonom „ergibt sich durch unsere Forschung allein in Deutschland jährlich ein Einsparpotenzial von 16 bis 23 Mio. Euro.“ Entsprechend seien auch die Effekte in anderen europäischen Ländern.
Die Studie „Aufbereitung und Reparatur: Im Spannungsfeld zwischen Qualitätsanspruch und Kostendruck“ von Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff wird bei der 17. P.E.G.-Fachtagung am 13. Oktober 2016 in München vorgestellt.

Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff

Prof. von Eiff ist Academic Director am Ludwig Fresenius Center for Health Care Management and Regulation der HHL Leipzig Graduate School of Management. Zudem hat er hier die außerplanmäßige Professur für Health Care Management inne und ist damit in die akademische Gruppe Economics und Regulation integriert. Außerdem leitet er seit 1994 das Centrum für Krankenhaus-Management an der Universität Münster. Zu seinen Arbeitsfeldern zählen Einkaufs- und Logistik-Management, Mergers and Acquisitions, Qualitäts- und Risikomanagment, Medical Controlling sowie Benchmarking. Dem International Institute for Health Economics steht Prof. von Eiff als Berater im Bereich der Gesundheitsökonomie zur Seite.

Prof. von Eiff ist an der HHL im Bereich der Lehre u.a. in dem berufsbegleitenden MBA General Management mit Spezialisierung auf „Hospital Management and Health Services“ eingebunden. http://www.hhl.de/chcmr

Die HHL Leipzig Graduate School of Management ist eine universitäre Einrichtung und zählt zu den führenden internationalen Business Schools. Ziel der traditionsreichsten betriebswirtschaftlichen Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die Ausbildung leistungsfähiger, verantwortungsbewusster und unternehmerisch denkender Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Das Studienangebot umfasst Voll- und Teilzeit-Master in Management- sowie MBA-Programme, ein Promotionsstudium sowie Executive Education. Die HHL ist akkreditiert durch AACSB International. http://www.hhl.de

Abb.: Studie: Mehrfachnutzung von Einmalprodukten im Krankenhaus zahlt sich aus. Allein bis zu 23 Mio. Euro Kostenersparnis bei Wiederaufbereitung von Kathetern. Foto: HHL Leipzig Graduate School of Management

Abb.: Studie: Mehrfachnutzung von Einmalprodukten im Krankenhaus zahlt sich aus. Allein bis zu 23 Mio. Euro Kostenersparnis bei Wiederaufbereitung von Kathetern. Foto: HHL Leipzig Graduate School of Management

Weitere Informationen


Quelle: HHL Leipzig Graduate School of Management , 10.10.2016 (tB).

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