Bretaris® Genuair®

Neue Kraft bei COPD

Hannover (21. März 2013) – Aclidiniumbromid ist ein selektiver Muskarin-Rezeptor-Antagonist und gehört zur Substanzklasse der LAMA bzw. Anticholinergika. Der neue Wirkstoff dient der Erweiterung der Bronchien durch Relaxation der Bronchialmuskulatur und ist als Bretaris® Genuair® zur zweimal täglichen Anwendung für die Behandlung von COPD-Patienten zugelassen. Das Medikament wird über den Mehrdosis-Trockenpulverinhalator Genuair® inhaliert.

Einleitend stellte Prof. Dr. Thomas Meinertz vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die chronisch obstruktive Lungenerkrankung aus Sicht des Kardiologen dar. Ein krankes Herz verschärft die Symptomatik der COPD und die kranke Lunge beeinflusst wiederum Herzerkrankungen. So haben COPD-Patienten nach einem Herzinfarkt geringere Überlebenschancen als Patienten ohne COPD. Die Todesursache ist bei COPD meist kardiovaskulär.

Andere kardiovaskuläre Komorbiditäten bei COPD sind koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Bluthochdruck. Herzinsuffizienz geht sehr oft mit COPD einher und war deshalb der Schwerpunkt des Vortrags .

Herzinsuffizienz und COPD haben ähnliche Symptome, darum ist die Diagnose einer Herzinsuffizienz bei COPD-Patienten nicht einfach. Hilfreich sind Echo-Kardiogramm, MRT, CT und CT-Angiografie und Laborparameter, insbesondere NT-pro BNP .

Die Herzfrequenz ist generell eine wichtige Determinante für die Lebenserwartung des Menschen. Bei Patienten mit Herzkrankheiten, Hypertonie und Lungenerkrankungen ist eine hohe Herzfrequenz prognostisch besonders ungünstig. Bei Patienten mit Lungenüberblähung ist sie häufig hoch. Kritisch sind 70-75/min. Bei einer Herzfrequenz um 84 nehmen Hospitalisierung und Mortalität stark zu. Patienten mit COPD , besonders jene mit Emphysem , bedürfen einer Senkung der Herzfrequenz. Beta-Rezeptorenblocker verringern das Risiko für Hospitalisierung und Mortalität, wenn sie zusätzlich zu Bronchodilatatoren gegeben werden.

Anticholinergika verbessern die Prognose bei COPD, wie eine vierjährige prospektive, im NEJM publizierte Studie zu Tiotropium gezeigt hat [1]. Aclidiniumbromid wird im Plasma schnell hydrolysiert. Somit ist es noch unwahrscheinlicher als bei Tiotropium, dass systemische anticholinerge Wirkungen auftreten, die zu Arrhythmien oder Ischämien führen könnten . Das wird in weiteren klinischen Studien untersucht .

Bessere Trough FEV1 durch zweite Dosis am Abend

Angesichts des Hustens und der Luftnot, die COPD-Patienten morgens häufig haben, stellt sich die Frage, ob die einmal tägliche Gabe von COPD-Medikamenten immer ausreicht. „Bei den meisten Substanzen mit 24-Stunden-Wirkung fällt in den letzten Stunden der Nacht und am frühen Morgen die Wirksamkeit ab. Das könnte durch eine zweite, abendliche Applikation in einigen Fällen verhindern werden“, sagte Prof. Dr. Heinrich Worth, Universität Erlangen-Nürnberg, Klinikum Fürth.

Worth empfiehlt, COPD-Patienten nach der nächtlichen und frühmorgendlichen Symptomatik zu fragen und ggfs. die bronchodilatative Therapie zu optimieren. Aclidiniumbromid ist dafür geeignet, weil die Substanz durch die zweite Dosis am Abend bis in den Morgen wirksam ist . Wichtigstes Kriterium dafür ist die Trough-FEV1 (vor der morgendlichen Inhalation).

Genuair® Feedback und gute Deposition

„Maßnahmen, die die Adhärenz fördern , haben einen größeren Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung als die Weiterentwicklungen einer Therapie“, zitierte der Wuppertaler Pneumologe Dr. Justus de Zeeuw eine Erkenntnis der Weltgesundheitsorganisation WHO. Bei Lungenerkrankungen sind die Qualität des Inhalators und Schulung des Patienten wichtige Faktoren für Adhärenz.

Der Trockenpulverinhalator Genuair® ist einfach zu bedienen und gibt Feedback bei erfolgreicher Inhalation. Der Patient muss die Taste herunterdrücken, was den Wirkstoff bereitstellt, und wieder loslassen, was die Kontrollmechanismen (grünes Kontrollfenster, Klickgeräusch) aktiviert. Im Zyklonmechanismus des Inhalators wird das Pulver in Rotation versetzt. Es prallt dabei mehrfach gegen kleine Platten am Rand der Zyklonkammer. Dabei wird das Pulver desagglomeriert und es entstehen lungengängige Partikel, die kleiner als 5 µm sind .

Die Wirkstoffmenge, die in den kleineren Atemwegen deponiert wird, ist abhängig von Partikelgröße, Gerätewiderstand, Flussrate und dem inhalierten Volumen. Der Genuair® hat einen mittleren Gerätewiderstand, eignet sich also sehr gut für die Anwendung bei allen Schweregraden der COPD .

Anmerkung

  1. Tashkin DP et al. A 4-year trial of tiotropium in chronic obstructive pulmonary disease. N Engl J Med (2008) 359(15):1543-1554.


Quelle: Symposium von Berlin-Chemie anlässlich des 54. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Hannover am 21.03.2013 (tB).

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