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Bundesweites Patientenregister liefert aktuelle Daten über Vorhofflimmern in Deutschland

 

 

Münster (2. Februar 2009) – Das Kompetenznetz Vorhofflimmern hat ein bundesweites Register aufgebaut, in das rund 10.000 Vorhofflimmerpatienten aus Kliniken und Praxen eingeschlossen wurden. Dieses Register liefert aktuelle Daten zum Vorkommen und zur Behandlung von Vorhofflimmern in Deutschland, beispielsweise neue Erkenntnisse über zugrundeliegende Erkrankungen und über die Qualität der antithrombotischen Behandlung zur Schlaganfallprävention.

 

Volkskrankheit Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste behandlungspflichtige Herzrhythmusstörung, insbesondere bei älteren Menschen. Rund eine Million Betroffene leben in Deutschland, Tendenz steigend. Aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung rechnen Experten bis 2050 mit einer Verdopplung der Patientenzahl.

Die Behandlungsmethoden werden ständig weiterentwickelt, neue Verfahren wie die Katheterablation zunehmend mit Erfolg eingesetzt. Trotzdem gibt es bisher keine ideale Behandlungsstrategie. Zur Therapie und Prävention von Vorhofflimmern sind noch viele Fragen offen, die nur durch eine umfassende Erhebung mit Langzeitbeobachtung beantwortet werden können.

Repräsentatives Abbild der Versorgung
Im Kompetenznetz Vorhofflimmern wurde ein bundesweites prospektives Register etabliert, in das von Februar 2004 bis März 2006 insgesamt 9582 Patienten mit dokumentiertem Vorhofflimmern eingeschlossen wurden. Die bundesweite Netzstruktur mit 194 Zentren in Kliniken und Praxen gewährleistet eine ausgewogene Repräsentation aller Regionen. Die Patienten stammen dabei aus allen Ebenen der Versorgung: 39,5 Prozent aus Universitätskliniken bzw. großen akademischen Kliniken, 24,5 Prozent aus regionalen Krankenhäusern, 27,5 Prozent aus kardiologische Praxen und 8,5 Prozent aus internistischen oder allgemeinmedizinischen Praxen. Auf diese Weise ergibt das Register ein repräsentatives Bild der Versorgungsrealität in Deutschland.

Erfasst wurde im Register eine Vielzahl von Daten, die über den jeweiligen Patienten, seine Erkrankungen, Risikofaktoren und Behandlungen Aufschluss geben. Nach Einschluss in das Register werden alle Patienten über einen Zeitraum von fünf Jahren nachbeobachtet, wobei mindestens einmal jährlich Daten zum Krankheitsverlauf und zur Behandlung erhoben werden. Die Nachbeobachtungsphase dauert voraussichtlich noch bis 2011 an. Während die Langzeitbeobachtung wohl erst in einigen Jahren Erkenntnisse liefern kann, wurden die Basisdaten des Registers inzwischen ausgewertet und publiziert (Näbauer et al. Europace 18.01.2009)

Vorhofflimmern im höheren Lebensalter
Bei Einschluss der Patienten in das Register betrug das mittlere Alter 68,4 Jahre. Fast ein Drittel aller Patienten (29 Prozent) war 75 Jahre oder älter, wobei Frauen durchschnittlich älter waren als Männer.
Drei Viertel aller Patienten zeigten Vorhofflimmern-typische Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen, Kurzatmigkeit und Schwindel, das restliche Viertel war dagegen subjektiv beschwerdefrei, diese Patienten spürten die Rhythmusstörung gar nicht.

Häufigste Grunderkrankung: Bluthochdruck
Prädisponierende kardiale Grund- oder Begleiterkrankungen waren bei der großen Mehrzahl der Patienten (88 Prozent) nachweisbar. Als häufigste Grunderkrankung hat sich arterielle Hypertonie herausgestellt: fast 70 Prozent aller Vorhofflimmerpatienten leiden an Bluthochdruck. Weitere häufige Grunderkrankungen sind Herzklappenerkrankungen (36 Prozent) und koronare Herzkrankheit (28 Prozent). Sogenanntes idiopathisches Vorhofflimmern, das heißt Vorhofflimmern ohne erkennbare Ursache, lag nur bei 12 Prozent aller Patienten vor.

Antithrombotische Therapie überwiegend leitliniengerecht
Vorhofflimmern geht in der Regel mit einem erhöhten Embolierisiko einher, das eine antithrombotische Therapie erfordert. Über 90 Prozent der Registerpatienten hatten ein hohes oder sehr hohes Schlaganfallrisiko. Für diese Patienten schreiben die Leitlinien eine medikamentöse Blutverdünnung (Antikoagulation) vor. Ob die Betroffenen auch tatsächlich entsprechend behandelt wurden, war eine wichtige Fragestellung bei der Auswertung der Registerdaten.
Die Ergebnisse zeigen: 71 Prozent der Patienten mit hohem oder sehr hohem Schlaganfallrisiko wurden leitliniengerecht behandelt mit oraler Antikoagulation (Marcumar) oder Heparin. "Dies ist verglichen mit anderen Studien ein sehr hoher Wert. Allerdings zeigt das auch, dass die restlichen Hochrisikopatienten nicht ausreichend behandelt wurden. 17 Prozent bekamen nur Blutplättchenhemmer (ASS). 11 Prozent erhielten sogar überhaupt keine antithrombotische Therapie." erklärt Prof. Dr. Gerhard Steinbeck, München, wissenschaftlicher Leiter des Registers.

Patienten mit niedrigem Schlaganfallrisiko werden überbehandelt
Bei den Patienten mit niedrigem Schlaganfallrisiko zeigen die Registerdaten dagegen eher eine Überbehandlung: Fast die Hälfte dieser Patienten erhielt orale Antikoagulation, obwohl die Leitlinien nur ASS oder gar keine antithrombotische Behandlung vorsehen.

Für die Datenauswertung wurden die zur Zeit der Registererstellung gültigen ACC/AHA/ESC-Leitlinien von 2001 zugrunde gelegt. Seit 2006 gelten neue Leitlinien, in denen das Schlaganfallrisiko anders klassifiziert wird. Gemessen an diesen aktuellen Leitlinien wäre die Zahl der leitlinienkonform behandelten Patienten noch etwas höher.

Weitere Subanalysen aus den Registerdaten sind geplant. Wichtige Fragen, auf die die Registerdaten Antworten geben können, sind beispielsweise: Welchen Wert haben Maßnahmen der Prävention von Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes? Welchen Nutzen hat der Erhalt des normalen Sinusrhythmus für den Patienten? Gibt es alters- oder geschlechtsspezifische Besonderheiten hinsichtlich der Therapie?

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres deutschlandweites Forschungsnetzwerk mit dem Ziel, die Versorgung und Behandlung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Zentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster, Sprecher ist Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt, Direktor der dortigen Medizinischen Klinik und Poliklinik C.


Größtes Projekt im Kompetenznetz Vorhofflimmern ist das bundesweite Patientenregister. Darüber hinaus führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern mehrere multizentrische klinische Studien durch, in denen verbesserte Behandlungsmethoden – von neuen medikamentösen Therapien über die Katheterablation bis hin zur Schrittmacherbehandlung – bewertet werden. Diese Studien laufen zurzeit noch und werden in den nächsten ein bis zwei Jahren abgeschlossen. Grundlagenforscher aus dem Kompetenznetz Vorhofflimmern haben neue Erkenntnisse über die genetischen und molekularbiologischen Ursachen des Vorhofflimmerns gewonnen. Die Ergebnisse sollen mittelfristig in Therapieverfahren einfließen.

Wissenschaftliche Leitung des Registers


Prof. Dr. med. Gerhard Steinbeck
Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Universität
Marchioninistr. 15, 81377 München
eMail: gerhard.steinbeck@med.uni-muenchen.de


Weitere Informationen: www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

 

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Abb. 1: Verteilung der Registerpatienten über ganz Deutschland. Photo: AFNET

 

 

Abb. 2: Altersverteilung von Männern und Frauen im Register. Bei den Männern waren 22 Prozent 75 Jahre oder älter, bei den Frauen sogar 40 Prozent. Photo: AFNET

 

Abb. 2: Altersverteilung von Männern und Frauen im Register. Bei den
Männern waren 22 Prozent 75 Jahre oder älter, bei den Frauen sogar
40 Prozent.  Photo: AFNET

 


 

Quelle: Pressemitteilung des Kompetenznetz Vorhofflimmern vom 02.02.2009.

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