IQWiG in Berlin. Photo: IQWiGCabazitaxel kann für bestimmte Patienten einen Vorteil haben

 

Zusatznutzen für Männer mit metastasiertem, hormonrefraktärem Prostatakrebs, für die Docetaxel nicht mehr infrage kommt

 

Berlin (16. Januar 2012) – Cabazitaxel (Handelsname Jevtana®) ist seit März 2011 für Männer mit metastasiertem Prostatakrebs zugelassen, bei denen die übliche Hormonblockade nicht mehr wirkt und die bereits mit dem Zytostatikum Docetaxel vorbehandelt sind. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat mit einer frühen Nutzenbewertung gemäß AMNOG überprüft, ob Cabazitaxel gegenüber der bisherigen Standardtherapie einen Zusatznutzen bietet.

 

Bei der Behandlung von Patienten, die 65 Jahre oder älter sind, und für die eine weitere Therapie mit Docetaxel nicht infrage kommt, stellt das IQWiG einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Cabazitaxel aufgrund besserer Überlebenschancen fest. Bei den unter 65-Jährigen gibt es einen entsprechenden Anhaltspunkt, wobei das Ausmaß hier allerdings nicht konkret einzustufen ist. Für Patienten, die weiterhin mit Docetaxel behandelt werden könnten, ist ein Zusatznutzen nicht belegt, weil ausreichende Daten fehlen.

 


 

Getrennte Bewertung für zwei Gruppen von Patienten

 

Gemäß den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat das IQWiG den Wirkstoff für zwei Gruppen von Patienten jeweils getrennt bewertet. Dabei unterscheiden sich auch die – vom G-BA festgelegten – zweckmäßigen Vergleichstherapien für die beiden Gruppen.

 

Die "best supportive care-Population" umfasst Patienten, für die eine weitere Therapie mit Docetaxel nicht mehr infrage kommt. Die zweckmäßige Vergleichstherapie für diese Gruppe ist die palliative Behandlung mit Dexamethason, Prednison, Prednisolon oder Methylprednisolon sowie die sogenannte "best supportive care".

 

Unter "best supportive care" wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen (z. B. adäquate Schmerztherapie) und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.

 

Die "Docetaxel-Retherapie-Population" umfasst Patienten, für die eine weitere Therapie mit Docetaxel noch infrage kommt. Die zweckmäßige Vergleichstherapie für diese Patientenpopulation ist Docetaxel in Kombination mit Prednison oder Prednisolon.

 

 

Cabazitaxel kann Überlebenschancen verbessern

 

In die Bewertung des Zusatznutzens für die "best supportive care-Population" ging eine Studie (TROPIC) ein, die patientenrelevante Endpunkte berücksichtigt und relevante Daten liefert. Diese Studie vergleicht die Behandlung mit Cabazitaxel kombiniert mit Prednison und "best supportive care" mit der Gabe von Mitoxantron kombiniert mit Prednison und "best supportive care". Mitoxantron wurde hierbei für die Bewertung als Bestandteil der "best supportive care" angesehen.

 

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG feststellen, kann Cabazitaxel das Leben verlängern, wobei die Ergebnisse allerdings mit dem Alter variieren. Bei den Patienten, die 65 Jahre oder älter sind, lässt sich im Hinblick auf das Gesamtüberleben ein Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen ableiten. Zwar kann man auch bei den unter 65-Jährigen von einer Lebensverlängerung durch Cabazitaxel ausgehen, allerdings ist diese nicht klar zu beziffern, weil die Datenlage hier unsicherer ist. Bei den unter 65-Jährigen gibt es deshalb nur einen Anhaltspunkt auf einen Zusatznutzen, dessen Ausmaß zudem nicht quantifizierbar ist.

 

In der Studie wurde auch der Einfluss auf Schmerzen als ein Aspekt der Krankheitsfolgen (Morbidität) untersucht. Es zeigte sich jedoch kein relevanter Unterschied zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität waren keine Daten verfügbar.

 

 

Auch Hinweis auf größeren Schaden durch schwere Nebenwirkungen

 

Bei der "best supportive-care-Population" gibt es allerdings auch Hinweise auf einen größeren Schaden in Form von Nebenwirkungen. So traten beispielsweise schwere unerwünschte Ereignisse wie schwere Durchfälle, Anämien oder Neutropenien in der Cabazitaxel-Gruppe häufiger auf. Das Ausmaß dieses größeren Schadens stuft das IQWiG bei diesem Endpunkt als beträchtlich ein. Für die Kategorie schwerwiegender unerwünschter Ereignisse, die beispielsweise zu einem Krankenhausaufenthalt führen, lebensbedrohlich oder tödlich sind, ergibt sich sogar ein Hinweis auf einen erheblichen Schaden.

 

Vorteil (Lebensverlängerung) und höheren Schaden in der Gesamtschau gegeneinander abwägend, sieht das IQWiG bei den Patienten, die 65 Jahre oder älter sind, einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Bei den unter 65-Jährigen gibt es einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren, höchstens beträchtlichen Zusatznutzen.

 

 

Zusatznutzen für die Docetaxel-Retherapie-Population nicht belegt

 

Für die "Docetaxel-Retherapie-Population" hat der Hersteller im Dossier keine Daten vorgelegt. Er führt im Dossier aus, warum er Docetaxel nicht für eine zweckmäßige Vergleichstherapie hält. Dieser Argumentation folgt das IQWiG jedoch nicht. Ein Zusatznutzen ist deshalb für die zweite, vom G-BA definierte Patientengruppe nicht belegt.

 

 

G-BA beschließt über Ausmaß des Zusatznutzens

 

Das Vorgehen zur Ableitung einer Gesamtaussage zum Ausmaß des Zusatznutzens stellt einen Vorschlag des IQWiG dar. Über das Ausmaß des Zusatznutzens beschließt der G-BA, der ein förmliches Stellungnahmeverfahren eröffnet hat.

 

Einen Überblick über die Ergebnisse der Nutzenbewertung des IQWiG gibt folgende Kurzfassung (https://www.iqwig.de/download/A11-24_Cabazitaxel_Kurzfassung_Nutzenbewertung_35a_SGB_V.pdf). Auf der vom IQWiG herausgegebenen Website gesundheitsinformation.de finden Sie zudem eine allgemeinverständliche Kurzinformation (http://www.gesundheitsinformation.de/index.806.de.html).  

 

Auf der Website des G-BA sind sowohl allgemeine Informationen zur Nutzenbewertung nach §35a SGB V als auch zur Bewertung von Cabazitaxel zu finden.

 

 


Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 16.01.2012 (tB).

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