Chemotherapie

Übelkeit kaum noch ein Problem

 

Berlin (18. Juni 2008) – Das Spektrum der Nebenwirkungen einer Chemotherapie zur Krebsbehandlung hat sich gewandelt: Übelkeit, Erbrechen und Appetitmangel – früher sehr häufige Nebenwirkungen – haben Patienten und medizinisches Personal heute gut im Griff. Eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Pflege-Studie zeigt, dass auch bei stark Übelkeit auslösenden Chemotherapie-Medikamenten diese Nebenwirkungen nur noch eine nachgeordnete Bedeutung besitzen. Stattdessen fallen Mattheit, Haarausfall, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Niedergeschlagenheit oder andere Stimmungsschwankungen viel stärker ins Gewicht. Künftige Pflege-Forschungsvorhaben sollten sich auf diese dringenderen Nebenwirkungen konzentrieren, folgern die Forscher.


 

Hilfe zur Selbsthilfe auf dem Prüfstand

Im Rahmen der Pflege-Studie wurden die Patienten aufgefordert, 32 der häufigsten Nebenwirkungen der Chemotherapie in eine Rangfolge zu bringen. Weniger als die Hälfte der 208 Studienpatienten nannten Übelkeit und Würgreiz auf einem der ersten sechs Ränge. Erbrechen rangierte auf Platz 25 und betraf nur jeden Fünften. „Die hohe Inzidenz von über 60 Prozent, wie in anderen Studien, konnten wir nicht nachweisen“, sagt Patrick Jahn, Gesundheits- und Pflegewissenschaftler an der Universität Halle. Auf das Ergebnis stieß das Forscherteam um Professor Margarete Landenberger „zufällig“. Eigentlich wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob mit speziellen Pflegemaßnahmen die Nebenwirkungen Übelkeit, Erbrechen und Appetitmangel gemildert und dadurch die Lebensqualität der Patienten gebessert werden können. Durch Information und Beratung sollten die Patienten lernen, besser mit diesen Nebenwirkungen zurechtzukommen, damit sie während der Chemotherapie ein weitgehend selbstständiges Leben führen können.

 

14 onkologische Stationen und Tageskliniken des Universitätsklinikums Halle-Wittenberg und des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München beteiligten sich an der Studie. Auf sieben Krebsstationen wurden die Patienten in einem 30-minütigen Beratungsgespräch über die Chemotherapie und deren Nebenwirkungen informiert. Auch eine Ernährungsberatung und ein Entspannungstraining standen auf dem Programm. Die Intervention sollte den Patienten die Gelegenheit bieten, bei der Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Appetitmangel mitzuwirken und mit zu entscheiden. Zum Vergleich bekamen die Patienten auf den sieben Kontroll-Stationen die klinikübliche Krankenpflege.

 

Pflegeforschung auf andere Nebenwirkungen konzentrieren

Entgegen den Erwartungen der Wissenschaftler brachte das standardisierte Pflegeprogramm keinen Vorteil für die Patienten: Übelkeit, Erbrechen und Appetitmangel traten genauso häufig auf wie bei der „normalen“ Pflege. Die Lebensqualität der Patienten war in der Kontrollgruppe sogar deutlich besser. Die Forscher erklären dieses unerwartete Ergebnis damit, dass diese Nebenwirkungen insgesamt nur gering ausgeprägt waren und die Lebensqualität daher nicht so stark beeinträchtigten wie angenommen. Auf einer Skala von 0 bis 40 erreichten diese Symptome maximal 2,5 Punkte. „Die Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Appetitmangel ist heute so gut, dass diese Nebenwirkungen für die Patienten nur noch von nachrangiger Bedeutung sind“, erklärt Jahn. Das Interventionsprogramm hat die Patienten für die Nebenwirkungen sensibilisiert und damit womöglich „schlafende Hunde geweckt“: Durch die intensive Aufmerksamkeit ist erst ein Problem entstanden, wo vorher keines war. Das könnte sich negativ auf die Lebensqualität der Patienten ausgewirkt haben. Jahn: „In Zukunft sollten daher Nebenwirkungen, die für die Patienten eine größere Rolle spielen – beispielsweise Mattheit oder Stimmungsveränderungen – im Fokus pflegewissenschaftlicher Forschung stehen.“

 

 

Ansprechpartner:

Diplom Pflege- und Gesundheitswissenschaftler

Patrick Jahn

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Medizinische Fakultät

Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

Magdeburger Straße 8

06097 Halle (Saale)

Tel.: 0345 557-1220

Fax: 0345 557-4471

E-Mail: patrick.jahn@medizin.uni-halle.de 


Quelle: Newsletter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Nr. 38 (18.06.08), Gesundheitsforschung: Forschung für den Menschen (MasterMedia).

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Krankenhäuser und Praxen müssen sich bei der Schmerztherapie nach Operationen…
Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…

DIABETES

„Körperstolz“: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Bestmögliche Versorgungssicherheit bei der Krebstherapie mit CAR-T-Zellen
Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Neue Darreichungsform zur Antiemese bei Chemotherapie: Akynzeo® ist ab sofort…

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…