Chirurgie-Medizin

Starkes Übergewicht erhöht Risiko von Operationen und erschwert chirurgische Eingriffe

 

Berlin (10. März 2011) – Mit dem Gewicht des Patienten steigt für ihn auch das Risiko eines chirurgischen Eingriffs: Die Leibesfülle erschwert den Zugang zu den Organen, Operationswunden heilen schlechter, Thrombosen, Embolien und Druckstellen häufen sich und auch praktische Gesichtspunkte wie die Breite und Tragfähigkeit eines OP-Tisches spielen eine Rolle. Da die Menschen in Deutschland immer übergewichtiger werden, macht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) auf diese Herausforderung für die Medizin aufmerksam. Die DGCH weist auf Risiken für Patienten hin aber auch auf die damit einhergehenden steigenden Kosten.

 

Abb.: In der Studie kommt eine bioresorbierbare, temporäre Gefäßstütze mit einer Länge von 2,5 oder 3 Millimetern zum Einsatz, die mit Hilfe eines Ballonkatheters in das verengte Herzgefäß eingeführt wird. Foto: Copyright@2011 Abbott LaboratoriesGefäßstütze löst sich von selbst auf

 

Heidelberg (2. März 2011) - Deutschlandweit erstmals setzen Ärzte der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg einem herzkranken Patienten einen bioresorbierbaren und medikamentenbeschichteten Stent ein Gerät der Blutfluss im Körper ins Stocken, weil ein Gefäß sich zu schließen droht, so wird es oft mit Hilfe eines gitterförmigen Röhrchens – einem sogenannten Stent – stabilisiert. Ärzte der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben nun in einem deutschlandweit einmaligen Eingriff einem Patienten mit koronarer Herzkrankheit eine bioresorbierbare Gefäßstütze eingesetzt, die mit Medikamenten beschichtet ist. Im Gegensatz zum herkömmlichen Stent aus Metall, der im Körper des Patienten verbleibt, löst sich das neuartige Implantat innerhalb von etwa zwei Jahren von selbst auf.

Instrumentenwechselsystem (IWS) für die minimal-invasive Chirurgie. © Fraunhofer IPANeuartiges Instrumentenwechselsystem (IWS) für die minimal-invasive Chirurgie

 

Stuttgart (11. Februar 2011) - Kürzere und kostengünstigere Operationszeiten, die den Patienten schonen und das Operationsergebnis verbessern – das ist der Wunsch vieler Chirurgen, der nun in Erfüllung gehen könnte. Am Fraunhofer IPA in Stuttgart wird derzeit ein automatisches Instrumentenwechselsystem (IWS) entwickelt, das auf einem hydraulischen Ansatz basiert und dadurch eine deutliche Qualitätssteigerung minimal-invasiver Eingriffe ermöglicht.

 

Abb.: Protoyp des Projektes 'Die Naht – SafeSuture' Quelle: Fraunhofer IPTSchweißen statt knoten – neues Instrument für Schlüsselloch-Operationen

 

Aachen (11. Februar 2011) - Die minimalinvasive Chirurgie entwickelt sich in einem rasanten Tempo, um immer komplexere Operationen mit dem Schlüsselloch-Prinzip durchführen zu können. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT zeigt während der Fachmesse MEDTEC auf dem Stand 6211 vom 22. bis 24. März in Stuttgart mehrere Instrumente für die patientenschonende Operationstechnik.

Abb.: Der neue Titan-Werkstoff weist eine schaumartige Struktur auf. Photo: Fraunhofer IFAMTitanschäume ersetzen verletzte Knochen

 

München (1. September 2010) - Flexibel und fest wie der menschliche Knochen und sofort belastbar: Ein neuartiges Implantat aus Titanschaum ähnelt im Aufbau der Struktur im Knocheninneren. Dies macht ihn nicht nur weniger steif als herkömmliche massive Implantate. Es fördert auch das Einwachsen in den angrenzenden Knochen.

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Dasselbe gilt für seine Knochen: Werden sie stärker belastet, entwickelt sich dichteres Gewebe. Weniger stark beanspruchte Teile des Skeletts weisen eine geringere Knochendichte auf. Der Reiz der Belastung stimuliert das Wachstum der Matrix. Diesen Effekt wollen Mediziner künftig verstärkt nutzen, um Implantate dauerhafter und stabiler mit den Knochen des Patienten zu verbinden. Dafür muss der Knochenersatz jedoch so gestaltet sein, dass er ein Einwachsen begünstigt – mit Poren und Kanälen, durch die Blutgefäße und Knochenzellen ungehindert hindurch wachsen können. Material der Wahl bei Implantaten ist Titan der Legierung Ti6Al4V. Es ist langlebig, stabil und belastbar und wird vom Körper gut vertragen. Eher problematisch ist dagegen seine Verarbeitung: So reagiert Titan unter hohen Temperaturen mit Sauerstoff, Stickstoff und Kohlenstoff. Es wird dadurch spröde und brüchig. Entsprechend begrenzt ist die Palette der Produktionsverfahren.

Der Professor der dicken Bäuche

 

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen in Leipzig erhält deutschlandweit erste ordentliche Professur für bariatrische Chirurgie

 

Leipzig (17. August 2010) - Prof. Dr. Edward Shang wird ab heute die Leitung der neuen Sektion für Adipositas Chirurgie in der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie übernehmen. "Damit ist erstmals eine ganzheitlich inderdisziplinäre Auseinandersetzung mit diesem Spezialbereich der Chirurgie möglich", so Prof. Michael Stumvoll, der wissenschaftliche Leiter des IFB, "Gerade der wissenschaftliche Aspekt, der ja mit dieser Universitätsprofessur verbunden ist, wurde in Deutschland bis jetzt kaum beachtet." Am IFB Adipositas sollen jetzt im Rahmen klinisch-wissenschaftlicher Forschungsprojekte bestehende Methoden der bariatrischen Chirurgie evaluiert und bewertet werden.

Ein resorbierbares Implantat schließt die Lücke im hinteren Schädelbereich. Konstruiert wurde es von der Firma Karl Leibinger Medizintechnik. Die Fertigung erfolgte am Fraunhofer ILT. Photo: Fraunhofer ILTErsatzknochen aus der Laserschmelze

 

München (1. Juni 2010) - Ein Loch im Kopf wird im medizinischen Ernstfall häufig mit einem Implantat versorgt. Während Ersatz aus Titan lediglich Lücken schließt, fördert ein neuartiges resorbierbares Implantat die Regeneration des Körpers: Es ist maßgeschneidert und schwindet im selben Maße wie der Knochen nachwächst. Kleinere Knochenverletzungen kann der Körper selbst ausheilen, bei größeren braucht er Hilfe. Häufig kommen dann Implantate zum Einsatz. Im Gegensatz zu Dauerlösungen aus Titan sollen resorbierbare Implantate fehlende Knochenteile nur so lange ersetzen, bis die Lücke geschlossen ist. Je nach Größe des Defekts, Alters und Gesundheitszustands des Betroffenen kann das Monate oder Jahre dauern. Ein neues Implantat verbessert die Voraussetzungen für den Heilungsprozess.

Single Port Surgery: Darmoperation durch den Bauchnabel. Photo: Asklepios Klinik HarburgNeue Wege in den Körper

Single Port Surgery bietet Vorteile – aber nur von Fall zu Fall

 

Hamburg (21. Mai 2010) - Die Single Port Surgery – Operationen im Körper über einen einzigen Zugang – macht große Fortschritte. Damit entwickeln sich Operationen am menschlichen Körper noch weiter hin zu maximaler Schonung des Patienten, nachdem sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten das minimal invasive Operieren mit Laparoskopen bereits erfolgreich etabliert hat. Allerdings gilt es, Vor- und Nachteile der Single Port Surgery klar zu benennen und abzuwägen.

Maschinen im OP

Erste Studie zu computerbasierten Assistenzsystemen in der Chirurgie

 

Berlin (19. April 2010) - Ein Chirurg wird zunehmend von computerbasierten Assistenzsystemen unterstützt, die verhindern sollen, dass er bei der Operation versehentlich wichtige Gefäße oder Nerven verletzt. Lenken Maschinen die Operateure ab? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus den technisch unterstützten chirurgischen Eingriffen?

HTA: Verbesserte Patientenversorgung mit Register über Gelenkersatz

 

Köln (26. Oktober 2009) - Ein deutsches Register über Gelenkendoprothesen könnte helfen, die Versorgungsqualität betroffener Patienten zu verbessern. Die Autoren eines jetzt vom DIMDI veröffentlichten HTA (Health Technology Assessment)-Berichts bescheinigen einem solchen Verzeichnis medizinisches und gesundheitsökonomisches Potenzial: Gelenkersatz könnte länger halten, die Lebensqualität von Patienten steigen, Kosten eingespart werden. Allerdings seien vor seiner Einführung der Datenschutz und die dauerhafte Finanzierung zu klären.

Mit ihrem Bericht wollen die Autoren den Entscheidungsprozess für ein Register über Gelenkersatz unterstützen. Sie zeigen Möglichkeiten und Grenzen von Registern auf und liefern Hinweise für eine deutsche Lösung.

Twitter-Nachrichten aus dem OP?

Ein gefährlicher Trend!

 

Hamburg (25. September 2009) - Twitter-Nachrichten direkt aus dem OP sind nach Auffassung des Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC) ein äußerst bedenklicher Trend. BNC-Präsident Dr. Dieter Haack äußerte sich zu aktuellen Medienberichten, wonach Kliniken in den USA derzeit den Einsatz des Mikroblog-Dienstes "Twitter" erproben, um Angehörige von Patienten in Echtzeit über den Verlauf der Operation zu informieren. In den Berichten ging es um eine 70-jährige Patientin, deren Gebärmutteroperation in über 300 Kurznachrichten live verfolgt werden konnte. Eine Kliniksprecherin hatte dabei an einem Computer im OP gesessen und getwittert. Haack warnte: "Wir sollten nicht jede Mode mitmachen, die aus den USA herüberschwappt." Er persönlich würde es als Operateur ablehnen, direkt aus dem OP Twitter-Nachrichten zu verschicken: "Die Konzentration auf die Operation ist wichtiger, als die Angehörigen sofort über alles zu informieren und sich womöglich durch das ‚Gezwitscher’ ablenken zu lassen."