Chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) und  Pulmonalarterielle Hypertonie (PAH)

Neue Therapie für schwerstkranke Lungenpatienten

 

Gießen (25. Juli 2013) – Therapiedurchbruch für Patienten mit schweren Lungenerkrankungen: In der aktuellen Ausgabe des „New England Journal of Medicine“ (NEJM), der weltweit bekanntesten Medizinzeitschrift, berichten Gießener Lungenforscher gleich in zwei Artikeln über einen neuen Behandlungserfolg. Erstmalig ist es gelungen, mit dem neuen Medikament Riociguat sowohl bei Patienten mit chronischen Lungenembolien als auch bei Betroffenen mit Lungenhochdruck einen positiven Therapieeffekt zu erzielen.

 

Der neue Wirkstoff stellt die gestörte Funktion körpereigener Enzyme wieder her und verbessert so die Funktion der Lunge. Der neue Erfolg der Lungenforscher ist keine Ausnahme: Unter der Leitung von Prof. Dr. Ardeschir Ghofrani und Prof. Dr. Friedrich Grimminger von der Justus-Liebig Universität (JLU) hat sich über die letzten Jahre in Gießen ein Schwerpunktzentrum zur Erforschung und Behandlung von Lungenerkrankungen entwickelt, welches zu den größten und produktivsten weltweit zählt.

Störungen bei der Atmung und bei der Durchblutung können in der Summe zu einer verminderten Sauerstoffaufnahme führen. Dieses Phänomen findet sich bei Patienten, die unter einem Bluthochdruck in der Lunge, der sogenannten Pulmonalen Hypertonie, leiden. Bei dieser Gruppe von Erkrankungen kommt es zu einer krankhaften Engstellung der Blutgefäße in der Lunge, es fließen weniger rote Blutkörperchen an den sauerstoffreichen Lungenbläschen vorbei, Sauerstoffarmut ist die Folge. In den aktuell vorgestellten Studien zeigte Riociguat als erstes Medikament in diesem Indikationsgebiet Wirksamkeit in zwei unterschiedlichen Erkrankungsformen, der chronischen thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) sowie bei Patienten mit dem isolierten Lungenhochdruck, der sogenannten Pulmonalarteriellen Hypertonie (PAH).

Darüber hinaus könnte Riociguat aber auch breitenmedizinisch relevant werden, da Studien bei Patienten mit Lungenhochdruck bei Herzinsuffizienz, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und Lungenfibrose in Planung sind. Nicht zuletzt planen die Gießener Forscher, die Wirksamkeit in Tibet, Kirgistan und Südamerika auch bei Patienten zu untersuchen, die permanent in großen Höhen leben und die zu einem relevanten Anteil an Lungenhochdruck leiden. Riociguat gehört zu einer neuen Substanzklasse, den sogenannten Stimulatoren der löslichen Guanylatzyklase (sGC). Aufgrund seines einzigartigen Wirkmechanismus der „intelligenten Gefäßweitstellung“ führt es insbesondere in erkrankten Gefäßen zur Wiederherstellung der Funktion.

Der gesamte Weg, von der Erforschung in Grundlagenlabors bis hin zur klinischen Anwendung, wurde dabei von den Gießener Forschern koordiniert. „Es besteht berechtigte Hoffnung, dass dieser neue Therapieansatz schnell bei unseren Patienten auch außerhalb von Studien ankommt, nachdem die Amerikanische Zulassungsbehörde FDA aufgrund der überzeugenden Ergebnisse ein beschleunigtes Zulassungsverfahren eingeleitet hat“, kommentiert Ardeschir Ghofrani, Leiter beider globaler Studien. “Forschung ist immer auch internationaler Wettbewerb. Der Erfolg in diesem Wettbewerb wird definiert über die Akzeptanz der Forschungsberichte in Top-Wissenschaftsjournalen wie zum Beispiel dem ‚New England Journal of Medicine‘.“ In Kürze werden die Gießener Lungenforscher an einer weiteren Publikation im NEJM über ein neues Wirkprinzip beteiligt sein.

„Wir sind stetig auf der Suche nach neuen Lösungen für unsere Patienten, um diese unheilbaren Erkrankungen immer besser in den Griff zu bekommen“, erläutert Prof. Dr. Friedrich Grimminger, Direktor des UGMLC (Universities of Giessen and Marburg Lung Center) und Netzwerkkoordinator der Krankenhäuser in Hessen. „Dabei nutzen wir einerseits die enge Verzahnung zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung in unserem Verbund, zum anderen aber auch die Tatsache, dass uns im hessischen Kliniknetzwerk die Patienten einer ganzen Region anvertraut sind. Wir können auf diese Weise Studien mit internationaler Aussagekraft durchführen“. Prof. Dr. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des Universitätsklinikums in Giessen und Marburg (UKGM) und Koordinator des neu gegründeten Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL), ergänzt: „Die Forschungsmittel kommen überwiegend aus der Exzellenzinitiative des Bundes für unser Exzellenzcluster Cardio-Pulmonary System (ECCPS) und von der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE).“

„Diese Art translationaler, also anwendungsbezogener Forschungserfolge, die direkt beim Patienten ankommen, können wir uns für die Universitätsmedizin nur wünschen“, freut sich Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin der Universität Gießen, über die aktuellen Ergebnisse. Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der JLU, bestätigt: „Die Justus-Liebig-Universität Gießen ist, wie man an diesen herausragenden Publikationen und den enormen Drittmitteleinwerbungen erkennen kann, in der Lungenforschung exzellent aufgestellt – ich bin den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem Bereich sehr dankbar für ihre Leistungen und ihr Engagement. Im Lichte der vom Wissenschaftsrat vor wenigen Tagen nachdrücklich angemahnten weiteren funktionalen Differenzierung der Hochschulen wird es in den kommenden Jahren darauf ankommen, an unserer Universität bestehende leistungsstarke Bereiche nachhaltig zu unterstützen und weitere Profilbereiche mit internationaler Strahlkraft zu entwickeln.“


Publikationen

 

  • Hossein-Ardeschir Ghofrani, M.D., Nazzareno Galiè, M.D., Friedrich Grimminger, M.D., Ekkehard Grünig, M.D., Marc Humbert, M.D., Zhi-Cheng Jing, M.D., Anne M. Keogh, M.D., David Langleben, M.D., Michael Ochan Kilama, M.D., Arno Fritsch, Ph.D., Dieter Neuser, M.D., and Lewis J. Rubin, M.D., for the PATENT-1 Study Group: „Riociguat for the Treatment of Pulmonary Arterial Hypertension“, N Engl J Med 2013; 369:330-40.
    DOI: 10.1056/NEJMoa1209655

  • Hossein-Ardeschir Ghofrani, M.D., Andrea M. D’Armini, M.D., Friedrich Grimminger, M.D., Marius M. Hoeper, M.D., Pavel Jansa, M.D., Nick H. Kim, M.D., Eckhard Mayer, M.D., Gerald Simonneau, M.D., Martin R. Wilkins, M.D., Arno Fritsch, Ph.D., Dieter Neuser, M.D., Gerrit Weimann, M.D., and Chen Wang, M.D., for the CHEST-1 Study Group: „Riociguat for the Treatment of Pulmonary Arterial Hypertension”, N Engl J Med 2013; 369:319-29.
    DOI: 10.1056/NEJMoa1209657

 

 

Weitere Informationen

 


 

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen, 25.07.2013 (tB).

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