Creutzfeldt-Jakob-Krankheit:
Neue Methoden für die Diagnostik empfohlen

 

Göttingen (2. Juni 2021) — Internationale Expertengruppe unter Federführung von Forschern des Nationalen Referenzzentrums für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (NRZ-TSE) an der Universitätsmedizin Göttingen hat den aktuellen Stand der Forschung zu einer neuartigen Methode zum Nachweis von krankhaft veränderten Eiweißen in Körperflüssigkeiten beurteilt und neue diagnostische Richtlinien empfohlen. Veröffentlicht in Lancet Neurology.

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) wird wie andere Prionerkrankungen durch krankhaft veränderte Eiweiße (Prion Protein Scrapie, PrPSc) verursacht. Die Erkrankung des Gehirns führt meist innerhalb weniger Monate zum Tod, weil es bisher keine wirksame Therapie gibt. Die Diagnostik der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) kann herausfordernd sein: Die Symptome der Erkrankung ähneln oft anderen neurodegenerativen oder auch entzündlichen Erkrankungen des Gehirns. Krankhaft veränderte Proteine (PrPSc) in Körperflüssigkeiten nachzuweisen, war jedoch bisher nicht zuverlässig möglich.

Eine Expertengruppe aus Forschern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und mehreren anderen internationalen Prion-Referenzzentren hat nun den aktuellen Stand der Forschung in der Diagnostik der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) im Rahmen einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit zusammengefasst, beurteilt und neue diagnostische Richtlinien empfohlen. Diese schließen zum ersten Mal eine neue Methode mittels „Real Time Quaking-Induced Conversion (RT-QuIC)“ ein, mit der krankhaft veränderte Eiweiße (PrPSc) bei lebenden Patienten nachgewiesen werden können. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Februar 2021 in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Lancet Neurology“ veröffentlicht.

 

RT-QuIC in der Diagnostik der CJK

Mit der Methode „Real Time Quaking-Induced Conversion (RT-QuIC)“ können Eiweiße mit bestimmten krankhaften Eigenschaften angereichert werden. So wird auch der Nachweis kleinster Mengen solcher Eiweiße, z.B. im Nervenwasser, möglich. Die internationale Expertengruppe unter Federführung der UMG stellt in ihrer Publikation fest, dass die RT-QuIC Methode zur Verbesserung der klinischen Diagnostik auch in frühen Stadien von Prionerkrankungen führen wird. Die Creutzfeldt-Jakob Krankheit ist die erste Erkrankung, bei der diese Methode routinemäßig zum Einsatz kommt. In Deutschland wird die Untersuchung bisher nur durch das Nationale Referenzzentrum für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (NRZ-TSE) an der UMG angeboten.

„Unsere Studien in den letzten acht Jahren haben bedeutend zur Erforschung der klinischen Anwendbarkeit der Methode beigetragen“, sagt Prof. Dr. Inga Zerr, Senior-Autorin der Publikation und Leiterin der Prionforschungsgruppe in der Klinik für Neurologie der UMG. Aktuelle Forschungsansätze des NRZ-TSE zur Diagnose der Creutzfeldt-Jakob Krankheit liegen in der Entwicklung bzw. Validierung von Biomarkern in Blut und anderen Körperflüssigkeiten, die schneller und weniger invasiv gewonnen werden können als Nervenwasser. „Es gibt zudem bereits fortgeschrittene Ansätze, solche Protein Amplification Assays auch bei sogenannten Synucleinopathien, zu denen z.B. der Morbus Parkinson und die Lewy-Körperchen Demenz gehören, zu etablieren“, sagt Dr. Peter Hermann, Erst-Autor der Publikation vom NRZ-TSE an der UMG.

 

CJK und andere Prionerkrankungen

Prionerkrankungen sind durch veränderte Eiweiße (PrPSc) hervorgerufene Erkrankungen des Gehirns. Prionerkrankungen führen meist innerhalb weniger Monate zum Tod, da es bisher keine effektive Therapie gibt. Die häufigste Form ist die CJK. Jedes Jahr sind etwa 150 bis 180 Menschen in Deutschland betroffen. Ähnlich wie andere neurodegenerative Erkrankungen, z.B. die Alzheimer-Krankheit, tritt die CJK meist sporadisch, d.h. ohne klar nachvollziehbares Verteilungsmuster auf. Außerdem gibt es noch erbliche und „übertragene“ Formen der CJK. Letztere sind die sogenannte iatrogene CJK, die z.B. durch Transplantation von Hirnhaut oder Gabe von humanem Wachstumshormon übertragen wird, sowie die „neue Variante“ der CJK, die vCJK.

Die vCJK wird durch Übertragung krankhafter Prionen von Rindern (BSE) auf den Menschen verursacht. Sie trat vor etwa 25 Jahren erstmalig in Großbritannien auf und konnte mit der damals grassierenden BSE-Epidemie unter Rindern in Zusammenhang gebracht werden. In Deutschland hat es bisher keine Fälle von vCJK gegeben. Da jedoch alle Prionerkrankungen prinzipiell übertragbar sind, wird die CJK in vielen Ländern mittels sogenannter „Surveillance Centers“ überwacht.

 

Nationales Referenzzentrum für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien

Die Prionforschungsgruppe in der Klinik der Neurologie der UMG wurde 2006 zum Nationalen Referenzzentrum für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (NRZ-TSE) ernannt. Es hat die Aufgabe, Prionerkrankungen in Deutschland epidemiologisch zu überwachen und zu erforschen, sowie Ärzten in Deutschland hinsichtlich Diagnostik, Behandlung und Hygienemaßnahmen zu beraten.

 

 

Originalveröffentlichung

  • Hermann P, Appleby A, Brandel JP, Caughey B, Collins S, Geschwind M, Green A, Haïk S, Kovacs GG, Ladogana A, Llorens F, Mead S, Nishida N, Pal S, Parchi P, Pocchiari M, Satoh K, Zanusso G, Zerr I: Biomarkers and diagnostic guidelines for sporadic Creutzfeldt-Jakob disease: Lancet Neurology (2021).
    DOI: https://doi.org/10.1016/S1474-4422(20)30477-4

 

 


Quelle: Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Nationales Referenzzentrum für transmissible spongiforme Enzephalopathien (NRZ-TSE), 02.06.2021 (tB).

Schlagwörter: , ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung