Darmbakterium verursacht Frühgeburten

Masterstudentin entschlüsselt Erbinformation eines für Schwangere gefährlichen Krankheitserregers

 

Bielefeld (15. September 2008) – Der Bielefelder Biologiestudentin Eva Trost (25) ist es im Rahmen ihrer Masterarbeit am Institut für Genomforschung und Systembiologie der Universität Bielefeld gelungen, die Erbinformation des Bakteriums Corynebacterium nigricans CN-1 zu entschlüsseln. CN-1 wird häufig bei Schwangerschaftskomplikationen isoliert und mit dem Auftreten von Frühgeburten in Verbindung gebracht. Die entschlüsselte Erbinformation deutet nun darauf hin, dass es sich bei CN-1 eigentlich um einen natürlichen Darmbewohner handelt. Das Bakterium kann aber auch im Vaginalbereich überleben und dort das Zellgewebe der werdenden Mutter schädigen. Die Ergebnisse der Masterarbeit stellen einen wissenschaftlichen Durchbruch dar und führen zu einem tieferen Verständnis der Rolle körpereigener Bakterien beim Auftreten von Frühgeburten.

 

Ihre experimentell herausragende Examensarbeit im neuen Studiengang "Genom-basierte Systembiologie" absolvierte die Masterstudentin am Centrum für Biotechnologie in der Arbeitsgruppe des Genomforschers PD Dr. Andreas Tauch, die bereits mehrfach durch die Analyse von Krankheitserregern für Aufsehen sorgte. Der wissenschaftliche Erfolg kam nicht unerwartet, war die Nachwuchswissenschaftlerin doch bereits während ihrer Bachelorarbeit maßgeblich an der Untersuchung eines Hautbewohners, der Harnwegsinfektionen bei Intensivpatienten hervorruft, beteiligt. "Die Erbinformation von CN-1 setzt sich aus 2,7 Millionen Bausteinen zusammen, die uns detaillierte Einblicke in die Lebensweise dieses Bakteriums ermöglichen", fasst Andreas Tauch die Forschungsergebnisse zusammen. Mittlerweile wurden US-amerikanische Wissenschaftler in die weitere Datenauswertung eingebunden.

 

Die Genom-basierte Systembiologie ist eine neue interdisziplinäre Forschungsrichtung der Biologie, die zum Ziel hat, eine Zelle in der Gesamtheit ihrer komplexen Lebensabläufe zu verstehen. Der viersemestrige Studiengang wurde im Jahr 2005 an der Universität Bielefeld eingerichtet und ist von seinen Lehrinhalten einmalig in Deutschland. "Die interdisziplinäre Ausbildung der Studierenden in Kombination mit der Hochtechnologie, die die Universität Bielefeld am Centrum für Biotechnologie für Forschung und Lehre zur Verfügung stellt, hat sich offensichtlich zu einem Erfolgskonzept entwickelt", resümiert Prof. Dr. Karsten Niehaus, Koordinator des Studienganges an der Fakultät für Biologie.


Weitere Informationen

PD Dr. Andreas Tauch
Universität Bielefeld, Centrum für Biotechnologie
Institut für Genomforschung und Systembiologie
E-Mail: Andreas.Tauch@genetik.uni-bielefeld.de
Tel.: 0521 / 106-5605 oder -8703

 


 

Quelle: Presseinformation der Universität Bielefeld vom 15.09.2008 (tB).

 

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung