Darmkrebsvorsorge – "virtuelle Diagnostik" oder doch Darmspiegelung?

 

Unterschiedliche virtuelle Methoden zeigen nur wenige Vorteile gegenüber üblicher Darmspiegelung – keine Zulassung zur Krebsvorsorge

 

Berlin (2. Oktober 2008) – Alternativ zur heute üblichen endoskopischen Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung bei Dickdarmkrebs wird immer häufiger eine sogenannte virtuelle Dickdarmdiagnostik angeboten. Darunter versteht man eine Dickdarmuntersuchung mit Computertomographie (CT), auch CT-Kolonographie, oder Magnetresonanztomographie (MRT), auch MR-Kolonographie, genannt. Ebenso gibt es diese Untersuchung mittels einer Kamera, die in einer Kapsel steckt, und geschluckt wird. Die Kapsel gelangt über den Magen in den Darm und macht dort Bilder vom Darminneren.

 

"Diese Verfahren gehören in Deutschland noch nicht zu den Standards," sagt Prof. Dr. Wolff Schmiegel, von der Ruhr-Universität Bochum anlässlich des Kongresses "Viszeralmedizin 2008" in Berlin. Die Methoden seien zum Teil (CT-Kolonographie) auch mit einer nicht unerheblichen Strahlenbelastung für den Patienten verbunden. Vorteile seien unter anderem, dass die Untersuchungsmethoden weniger invasiv sind als eine übliche Darmspiegelung und dass vielen Patienten (70 bis 80 %) mit diesen Methoden eine normale Darmspiegelung erspart bleibt. Allerdings sei die virtuelle Darmspiegelung derzeit keine wirkliche Alternative zur etablierten und gut untersuchten endoskopischen Darmspiegelung mit der Möglichkeit, gefundene Polypen sofort zu entfernen.

 

Die virtuelle Koloskopie ist ein High-Tech-Verfahren, um das Innere des Darmes zu betrachten und auf Veränderungen zu untersuchen. Bei einer üblichen Darmspiegelung wird ein Endoskop in den Darm eingeführt, bei den virtuellen Methoden werden mittels CT oder MRT Bilder aus dem Darm simuliert und dreidimensional auf dem Computerbildschirm dargestellt. Bei der Kapselmethode filmt die Kamera in der Kapsel das Darminnere und die Bilder werden auf den Computer übertragen und bewertet.

 

Bei einer CT-, MR- oder Kapsel-Kolonografie muss der Darm genau wie bei der üblichen Darmspiegelung mit Abführmitteln am Tag vor bzw. am Tag der Untersuchung gereinigt werden. Für die Untersuchung wird Luft oder Kohlendioxid (CT) bzw. Wasser (MRT) über einen über den Anus eingeführten Ballonkatheter in den Darm gegeben, um eine komplette Entfaltung des Darms für eine optimale Beurteilung der Oberfläche zu erreichen. Anschließend erfolgt die Untersuchung. Ziel der Untersuchungen ist es, Polypen im Darm zu entdecken, die dann zusätzlich eine Darmspiegelung erhalten, um die Polypen entfernen zu können.

 

Eine solche CT-/MR-Kolonographie und auch die Kapselmethode sind weniger "invasiv" als eine Darmspiegelung, hat weniger Nebenwirkungen, eine "Schlummerspritze" ist nicht erforderlich, obwohl die Entfaltung des Darms mit Luft oder Wasser von einigen Patienten als unangenehm empfunden wird, und man kann vielen Patienten eine Darmspiegelung ersparen (70 – 88 %). Die Nachteile sind unter anderem, dass Abführmaßnahmen wie für eine übliche Darmspiegelung erforderlich sind, und es können keine Polypen direkt abgetragen werden. Falls die Untersuchungsbilder nicht sofort von einem Spezialisten ausgewertet werden, müssen Patienten mit Polypen im Darm für eine spätere Darmspiegelung zur Polypenentfernung ein zweites Mal eine Darmvorbereitung durchführen. Das ist bei etwa zwölf bis 30 Prozent der Patienten mit Polypen erforderlich.

 

Die Experten sind sich bei diesen Untersuchungsmethoden nicht einig, ab welcher Größe Polypen abgetragen werden müssen. Die Meinungen schwanken zwischen sechs und zehn Millimetern Polypengröße. Auch gibt es bisher keine Standards für die Durchführung der Untersuchung und der Befundung. Die Erfolge sind eher von der Expertise des Behandlers abhängig. Studien, die die Methoden vergleichbar und überprüfbar machen, gibt es bisher nur wenige. Ebenso sind diese Verfahren nicht für die Dickdarm-Krebsvorsorge zugelassen und verursachen wesentlich höhere Kosten (350 – 800 Euro) als eine übliche Darmspiegelung (180 Euro).

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) vom 02.10.2008, anlässlich der Tagung "Viszeralmedizin 2008" in Berlin.

 

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