Das haben Hebammen nicht verdient!Das haben Hebammen nicht verdient!

Der Deutsche Hebammenverband fordert am Equal Pay Day ein Ende der Lohnungleichheit

 

Karlsruhe (28. Februar 2012) – Der Deutsche Hebammenverband e.V. nutzt den diesjährigen Equal Pay Day, um wiederholt die miserable Vergütung eines Frauenberufes anzuprangern, der sich durch hohe Verantwortung und große Autonomie auszeichnet. Auch wenn es im Hebammenberuf kaum männliche Kollegen gibt, mit denen das Einkommen verglichen werden könnte, zeigt sich doch eine große Lohnungerechtigkeit. „Fakt ist, dass in allen traditionellen Frauenberufen deutlich weniger verdient wird als in Männerberufen. Dramatisch ist auch die Beobachtung, dass in Berufen, in denen der Frauenanteil zunimmt, das Durchschnittsgehalt nachweislich sinkt. Das ist bei Architektinnen, Journalistinnen und bei Ärztinnen zu sehen. Das heißt, sobald es eine Feminisierung bislang typischer Männerberufe gibt, sinkt das Einkommen“, so Martina Klenk, die Präsidentin des Hebammenverbandes.

 

Ähnlich dramatisch entwickelt sich nach Ansicht des Hebammenverbandes die Altersarmut bei Hebammen, die häufig aufgrund des niedrigen Einkommens keine ausreichende Altersvorsorge abschließen. Die Politik und die Krankenkassen ignorieren beharrlich, dass Hebammen für acht Stunden Rufbereitschaftsdienst im Krankenhaus nur eine Stunde bezahlt bekommen. Für den geleisteten Nachtdienst erhalten sie eine Zulage von 12,5 %, während die meist männlichen Mitarbeiter im metallverarbeitenden Gewerbe einen Nachtdienstzuschlag von bis zu 100 % mit- nehmen. Wie aber soll eine freiberuflich tätige Hebamme mit einem Stundensatz von 7.50 Euro oder einem Nettoverdienst im Krankenhaus von 1.300 Euro Rücklagen für das Alter bilden? Diese Ungerechtigkeit treibt die Hebammen trotz Erwerbstätigkeit in die Altersarmut. „Ein Skandal! Die Krankenkassen horten Milliarden Überschüsse und zahlen den Hebammen für ihre Arbeit einen Hungerlohn“, so die Präsidentin abschließend.

 

 

Hintergrund zum Equal Pay Day

 

2008 wurde der Equal Pay Day als internationaler Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen – auf Initiative der Business and Professional Women (BPW) Germany – erstmals in Deutschland durchgeführt. Dieser Tag markiert die Zeit, die Frauen im Durchschnitt länger tätig sein müssen, um das Gehalt zu verdienen, das Männer bis zum 31.12. des Vorjahres bekommen haben. In diesem Jahr ist es der 23. März! Das heißt, Frauen müssen durchschnittlich 83 Tage länger arbeiten als Männer, um deren Einkommensniveau zu erreichen. Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Portmonees der Frauen.

 

Der Deutsche Hebammenverband vertritt die Interessen von ca. 17.540 Mitgliedern, inklusive 560 Schülerinnen und 117 von Hebammen geleitete Einrichtungen (HgE wie z.B. Geburtshäuser). Ungefähr 60 % der Hebammen sind freiberuflich tätig. Ca. 30 % arbeiten sowohl angestellt als auch freiberuflich. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit das zentrale Anliegen des Deutschen Hebammenverbandes. Präsidentin: Martina Klenk

 

 


Quelle: Deutscher Hebammenverband, 28.02.2012 (tB).

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