DBfK

Teilzeit als Ressource gegen Fachpersonalmangel?
Nicht bei „Weiter so“!

 

Berlin (14. Oktober 2019) — Mit dem seit Januar geltenden Pflegepersonalstärkungsgesetz soll qualifizierte Pflegekapazität in den Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen aufgebaut und verstärkt werden. Auch die Konzertierte Aktion Pflege hat sich ausführlich dem Pflegefachpersonenmangel gewidmet und Maßnahmen in Aussicht gestellt, ihn kurz- und mittelfristig zu lindern. Große Hoffnungen der Politik ruhen dabei auf der hohen Teilzeitquote in den Pflegeberufen; durch Aufstocken ihrer Arbeitszeit könnten Teilzeitbeschäftigte eine positive Wende bewirken. Heute veröffentlichte Ergebnisse einer Online-Umfrage des DBfK dazu zeigen allerdings, dass die Pflegefachpersonen dazu eine ganz klare Haltung einnehmen.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) veröffentlicht heute die Ergebnisse seiner Online-Umfrage vom Juni/Juli 2019 zur Teilzeit in den Pflegeberufen. Hintergrund war die Frage, welches Potenzial zum kurzfristigen Aufbau von Pflegekapazität die hohe Teilzeitquote von mehr als 50% in Pflegeberufen bietet. Warum arbeiten so viele professionell Pflegende in Teilzeit, wie hat sich die Teilzeit in Pflegeeinrichtungen in den letzten Jahren entwickelt? Welche Rolle spielen z. B. die Familiensituation, Alter, Tätigkeitsfeld, Berufserfahrung, Arbeitgeberangebote oder der Gesundheitszustand der Beschäftigten? Und ist – insbesondere vor dem Hintergrund des seit Januar geltenden „Pflege-Sofortprogramms“ der Bundesregierung und den Vorhaben der „Konzertierten Aktion Pflege“ – die Hoffnung begründet, dass sich Pflegende in Teilzeit zum Aufstocken ihrer Arbeitszeit motivieren lassen?

„Das sind ganz wichtige Fragen, denn Teilzeitmitarbeiter/innen sind die einzige kurzfristig verfügbare Ressource zur Linderung des zunehmenden Pflegefachpersonalmangels“, sagt DBfK-Präsidentin Prof. Christel Bienstein. „Die Umfrage zeigt allerdings deutlich, dass es keinen Grund zur Euphorie geben kann. Hauptgrund für die hohe Teilzeitquote ist eindeutig die zu hohe Belastung im Beruf. Die Pflegefachpersonen in Teilzeit sagen deshalb mit großer Mehrheit NEIN zu längeren Wochenarbeitszeiten – unter den heutigen Bedingungen.“

Die Umfrage zeigt aber auch, dass sie sich womöglich umstimmen ließen, wenn die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden – und zwar glaubwürdig und nachhaltig. Ihre klaren Forderungen an die Arbeitgeber sind:

  • Mehr Kolleg/innen,
  • Verlässliche Dienstpläne,
  • Kein Einspringen/Holen aus dem Frei,
  • Höhere Löhne,
  • Gelebte Wertschätzung,
  • Bessere Führung.

„Teilzeit = Ressource bei Fachkräftemangel?“ Dass diese Gleichung mit ihnen als Vertragspartner – zumindest unter den bestehenden Arbeitsbedingungen – jedenfalls nicht aufgehen wird, das haben die Teilzeitbeschäftigten unmissverständlich mitgeteilt.

  • An der Befragung haben knapp 2.000 beruflich Pflegende teilgenommen, davon 1.366 Beschäftigte in Teilzeit. Sie bietet spannende Ergebnisse und ist als Download abrufbar: Teilzeit = Ressource bei Fachkräftemangel? 

Quelle: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK e.V., 14.10.2019 (tB).

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