FSME-Prophylaxe in Österreich: eine Erfolgsgeschichte

 

Von DDr. med. Martin Haditsch, Krankenhaus der Elisabethinen, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin, Linz, Österreich / TravelMedCenter Leonding

 

 Auf der Haut ihres Wirtes sucht die Zecke eine möglichst dünne und geschützte Stelle für ihre Blut-mahlzeit. Quelle: Novartis BehringFrankfurt am Main (19. Februar 2009) – Vor mehr als dreißig Jahren begann man in Österreich auf Grund zahlreich beobachteter Fälle einer viral bedingten Meningoencephalitis (in erster Linie bei Personen mit beruflicher Exposition wie Jägern, Förstern, Waldarbeitern und Landwirten) an einem Impfstoff gegen FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis) zu forschen. Gute Aufzeichnungen hinsichtlich der Durchseuchung existierten damals gar nicht, Inzidenzstatistiken (=Neuerkrankungen) belegten für die 70-er Jahre ca. 700 Fälle / Jahr (bei einer Population von ca. 8 Mio. Einwohnern). Ergänzend muss man festhalten, dass sowohl die Diagnostik als auch das Meldewesen zum damaligen Zeitpunkt nicht mit dem heutigen Standard vergleichbar waren, sodass in Wahrheit von einer deutlich höheren Zahl ausgegangen werden kann. Weiter ist auch zu berücksichtigen, dass die Endemiegebiete innerhalb von Österreich damals zweifellos noch kleiner waren.

 

Gleichzeitig mit der Impfung der Risikogruppen stieg auch das Bedürfnis der allgemeinen Bevölkerung, sich gegen diese Krankheit schützen zu können. Ab dem Zeitpunkt der „großindustriellen“ Herstellung wurde diese Impfung zusätzlich aktiv beworben. Parallel dazu wurde auch das Konzept der Postexpositionsprophylaxe (Vorbeugung nach Zeckenbiss) entwickelt: je nach Zeitintervall zwischen Zeckenbiss und Intervention erhielten die Betroffenen unterschiedlich hohe Dosen eines Hyperimmunglobulins (spezifische Abwehrstoffe gegen FSME). Diese Methode kam jedoch zunehmend in Diskussion, einerseits weil die Wirkung schwer zu belegen war, andererseits weil es trotz, vielleicht sogar wegen der Verabreichung zu schweren Krankheitsfällen kam. In Zusammenhang mit dieser Maßnahme wurde nämlich auch der Verdacht laut, dass es durch diese Anwendung sogar zu einem schwereren Krankheitsverlauf kommen könnte, weswegen diese Therapieform in Österreich (wie auch in Deutschland) primär bei Kindern und Jugendlichen untersagt und letztlich die Herstellung des spezifischen Hyperimmunglobulinpräparates überhaupt eingestellt wurde.

 

Die Fortentwicklung der Impfstoffe in der westlichen Hemisphäre hat parallel mit zum Teil sehr eindringlichen Informationskampagnen zu einer hervorragenden Akzeptanz dieser Impfung bei der österreichischen Bevölkerung geführt (obwohl die Impfkosten in der Allgemeinbevölkerung durch die Personen selbst getragen werden müssen). Dies ist auch durch die Statistiken der letzten Jahre belegt, wo die Krankheitsfälle in Österreich als einzigem betroffenen Land im Gegensatz zum internationalen Trend deutlich zurückgegangen sind und sich mittlerweile trotz Zunahme der Endemiegebiete (insbesondere im Westen Österreichs) schon seit einiger Zeit bei ca. 50 – 100 Fällen / Jahr eingependelt haben. Wie sehr ein Zusammenhang zwischen Durchimpfungsrate und Krankheitsfällen besteht zeigte sich besonders eindrucksvoll im Jahr 2006 (einem Jahr mit besonders hoher Zeckenaktivität) im Vergleich Österreichs mit der Tschechischen Republik. Bei guter Vergleichbarkeit von Bevölkerungszahl, Altersprofil, Klima, Freizeitverhalten, Verfügbarkeit von Impfstoffen sowie der beruflichen Expositionsrate gab es in Österreich bei einer Durchimpfungsrate von bis zu 87% (!) ca. 100 FSME-Fälle, in Tschechien hingegen bei einer Durchimpfungsrate von ca.10% mehr als 1100 Fälle.

 

Auch die österreichische Erfolgsgeschichte muss sich neuen Herausforderungen stellen. So kam es 2008 in Österreich gleich zu zwei Premieren: erstmals überhaupt erfolgte eine Übertragung in einer Region von über 1500 m Seehöhe und erstmals in Österreich durch unpasteurisierte (Ziegen-) Milch, ein Phänomen, das uns bis dahin nur aus anderen Ländern (wie z.B. dem Baltikum und der Slowakei) bekannt war.

 

Um hier einen nachhaltigen Vorsorgeeffekt verzeichnen und diese so erfreuliche Entwicklung absichern zu können wird es notwendig sein, den bei anderen impfpräventablen Krankheiten häufig getätigten, aber falschen Rückschluss zu verhindern, dass weniger (gemeldete) Krankheitsfälle mit einer Abnahme des Risikos gleichzusetzen wären. So muss unser Hauptinteresse jenen gelten, die sich (nach wie vor) ungeimpft in Risikoregionen aufhalten sowie jenen, die einen einmal aufgebauten Impfschutz nicht entsprechend aufrecht erhalten.

 

 

(Abb. oben: Auf der Haut ihres Wirtes sucht die Zecke eine möglichst dünne und geschützte Stelle für ihre Blutmahlzeit. Quelle: Novartis Behring)

 

 

Referent

 

DDr. med. Martin Haditsch
Krankenhaus der Elisabethinen, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin
Linz, Österreich
TravelMedCenter Leonding

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Novartis Behring zum Thema “FSME-Saison 2009: Deutliche Verbesserungen bei der Impfprophylaxe“ am 19.02.2009 in Frankfurt am Main (Weber Shandwick).

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