Depressive nehmen oft ihre Medikamente nicht

Essen (12. November 2009) – Wenn das Gehirn der Sitz unserer rationalen Entscheidungen ist, ist das Herz der Platz für unser Gefühlsleben. Kein anderes Organ ist für die Selbstwahrnehmung des Menschen so wichtig. Um so schlimmer trifft es die, deren Herz krank wird. Das bleibt nicht ohne Kratzer auf der Seele. „Zum einen werden viele Menschen durch einen Herzinfarkt oder die Diagnose Herzinsuffizienz mitten aus dem Leben gerissen. Das passiert immer häufiger, weil die Betroffenen immer jünger werden und noch berufstätig sind oder eine Familie versorgen müssen“, erläutert Professor Dr. Georg V. Sabin, Leiter der Klinik für Kardiologie am Internationalen Herz- und Gefäßzentrum Rhein Ruhr in Essen. Doch es gibt auch noch die andere Seite der Medaille: Wer an Depressionen leidet, erkrankt auch häufiger am Herzen, erleidet eher einen Schlaganfall oder verstirbt schneller an einem Herzinfarkt. Um diesen engen Zusammenhang in den Griff zu bekommen, sind umfassende und ganzheitliche Behandlungskonzepte gefragt.


Wie eng Körper und Seele zusammenhängen, belegen harte Zahlen (1): 26 Prozent der Überlebenden eines Infarktes, der schwere Depressionen ausgelöst hat, versterben innerhalb von sieben Jahren. Demgegenüber beträgt die Mortalitätsrate bei den Infarktpatienten mit nur leichten Depressionen 11,6 Prozent. Zudem kann der seelische Zustand eines Menschen auch Folgen für den körperlichen Gesundheitszustand haben. „Patienten, die an psychischen Krankheiten leiden – und hier ist die Depression als häufigste Erkrankung zu nennen – haben ein mehr als dreifach höheres Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden und daran auch zu sterben“, erläutert der Kardiologe. Denn wer an einer Depression leidet, für den ist sportliche Bewegung kaum zu bewältigen – und dies wiederum steigert das Risiko für Schäden an Herz und Blutgefäßen (2). Aber nicht nur das. Die psychische Krankheit führt oftmals dazu, dass Betroffene von Herzerkrankungen ihre Medikamente nicht nehmen: 14 Prozent der Menschen mit Depressionen und Herzerkrankungen nehmen ihre lebenswichtigen Medikamente nicht, demgegenüber sind es nur 5 Prozent, wenn sie von einer Herzerkrankung allein betroffen sind (3). Viele Patienten sind zunächst einmal sehr schockiert, wenn sie die Diagnose Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz erhalten und fühlen sich allein damit. „Wir hingegen bieten die komplette medizinische Versorgung aus einer Hand an: Von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge wie der ambulanten Rehabilitation“, sagt Professor Sabin. Allein durch die lückenlose Versorgung statt einem ständigen Ärztewechsel geht es den Patienten psychisch besser. „Hinzu kommt unser Service, dass Patienten mit einer Herzinsuffizienz von einem Herzpfleger betreut werden. Das gibt den verunsicherten Patienten wieder mehr Sicherheit im Alltag“, weiß Professor Sabin.

Herzpfleger oder Herzpflegerinnen sorgen dafür, dass sich Betroffene täglich wiegen – steigt das Gewicht eines Patienten mit Herzinsuffizienz in kurzer Zeit drastisch an, ist dies ein nachweisliches Indiz für einen bevorstehenden Krankenhausaufenthalt. „Wenn frühzeitig die Dosis der Medikamente angepasst wird, lässt sich ein erneuter Krankenhausaufenthalt verhindern“, so der Experte. Eine erste Studie des Internationalen Herz- und Gefäßzentrums Rhein Ruhr in Essen mit 90 Patienten zeigt jetzt schon, dass dadurch die Krankenhausaufenthalte um 20 Prozent sinken. „Unser Ziel ist es, mit diesen Mitteln die Notwendigkeit für eine stationäre Behandlung um die Hälfte zu reduzieren“, erklärt Prof. Dr. Sabin. Denn das führt langfristig dazu, dass Betroffene sich nicht als schwerkranke Patienten wahrnehmen, sondern mitten im Leben stehen.


Quellen

1. Arch. Gen. Psych 1022, 2009, 66: SADHART-Studie
2. The Framingham Study. Stroke 2007
3. The heart and soul study, University of California, 2008


Pressemitteilung der European Hospital Verlags GmbH vom 12.11.2009.

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