Der Natur abgeschaut: Kleben zum Überleben

Einsatz von biomimetischen Klebstoffen für die Medizinforschung

 

Wien (29. Dezember 2008) – Eine Gruppe um Janek von Byern, Biologe an der Universität Wien, untersucht die Hautsekretabsonderungen von Salamandern mit der Absicht, daraus neue Klebstoffe für medizinische Anwendungen zu entwickeln. Dabei werden die Struktur der Klebedrüsen und insbesondere die Zusammensetzung des Klebstoffes genau analysiert. Ziel ist es, der Natur nachgebaute, so genannte biomimetische, Klebstoffe für die Wundheilung zu gewinnen, die frei von gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen sind.

 

Die meisten medizinischen Klebstoffe, die derzeit für die Wundheilung als auch für die Haftung medizinischer oder dentaler Implantate im Gewebe verwendet werden, sind synthetisch und bestehen größtenteils aus gesundheitsschädlichen und nicht abbaubaren Substanzen. Weil aber verschiedene Formen von "Klebern" in der Natur weit verbreitet sind, versuchen die jungen WissenschafterInnen von den biologischen Strukturen und Prozessen dieser Naturkleber zu lernen: Die natürlichen Hafttricks von Pflanzen und Tieren dienen immer öfter als Vorlage für so genannte biomimetische Klebstoffe – Kleber nach dem Vorbild der Natur.

 

Der Salamander – ein vielseitiges Abwehrgenie

Salamander sind bekannt für die große Vielfalt ihrer Abwehrmechanismen. Neben auffälligen Hautfärbungen bilden einige Arten, wie der heimische Feuersalamander, vor allem giftige Hautsekrete. Andere Salamanderarten produzieren Klebstoffe in Hautdrüsen, mit denen sie Räubern den Mund zukleben und so verhindern, gefressen zu werden. Momentan nimmt die Arbeitsgruppe um den Jungforscher Janek von Byern diesen Klebstoff genauer unter die Lupe: "Wie der Kleber funktioniert, ist uns derzeit noch unklar. Dennoch hoffen wir in einigen Jahren erste Klebstoff-Prototypen entwickeln zu können", meint der Biologe Janek von Byern optimistisch.

Sekretabsonderung beim Salamander. Copyright: Egon Heiss

 

  Abb.: Sekretabsonderung beim Salamander. Copyright: Egon Heiss

 

Die Wiener Forschungsgruppe, unterstützt von der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien, untersucht in Kooperation mit dem Züchter Günter Schultschik und dem Biochemiker Ingo Grunwald vom Klebetechnischen Zentrum des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung in Bremen (D) die Zusammensetzung dieser Salamander-Klebstoffe und ihre Protein-Bestandteile. Die Wissenschafter sind überzeugt, dass ein solcher Natur-identer Klebstoff weniger gesundheitsschädlich – weil verträglicher – sein wird und vor allem bei der Heilung von Hautverletzungen Anwendung finden wird.


 

Quelle: Pressemitteilung der Universität Wien vom 29. Dezember 2008.

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