Deutsche Diabetes Gesellschaft gegen die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch andere Berufsgruppen

 

Pflege gezielt in die Diabetes-Behandlung einbeziehen

 

Berlin (19. Dezember 2011) – Im Interesse der Patienten lehnt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine Übertragung ärztlicher Tätigkeiten auf dafür nicht ausgebildete Berufsgruppen ab. Dies plant jetzt jedoch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen eines Modellvorhabens. Grundlage dafür ist eine Richtlinie „über die Festlegung ärztlicher Tätigkeiten zur Übertragung auf Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege zur selbstständigen Ausübung von Heilkunde“. Damit unterläge die Verantwortung für die jeweilige Behandlung nicht mehr dem Arzt. Dieser Beschluss gefährde das Recht des Patienten auf eine Behandlung nach Facharztstandard.

 

Gerade Menschen mit Diabetes mellitus und Begleiterkrankungen benötigen eine umfassende Therapie, die der Arzt steuern muss. Die DDG bildet seit Jahren Fachkräfte im nichtärztlichen Bereich aus und unterstützt damit eine qualifizierte Delegation von Leistungen, die dem Patienten zugute kommt und die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen fördert. Sie bietet dem G-BA daher ausdrücklich Unterstützung für das Modellvorhaben an, sofern dies eine qualifizierte Delegation ärztlicher Aufgaben und nicht deren Substitution betrifft.

 

„Wir begrüßen es, wenn Ärzte durch derartige Projekte entlastet werden, um sich stärker ihren originären ärztlichen Tätigkeiten widmen zu können“, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG aus Quakenbrück. „Voraussetzung dafür ist, dass derjenige, der die Aufgabe übernimmt, dafür professionell aus- oder weitergebildet worden ist“, so der Diabetologe. Es gehe um das Wohl der Patientinnen und Patienten, die ein Recht darauf hätten, nach Facharztstandard behandelt zu werden, führt Professor Matthaei aus. „Dieses Recht wird gefährdet, wenn nichtärztlichen Berufsgruppen Tätigkeiten en bloc in eigene Verantwortung und zur selbstständigen Ausübung übertragen würden“, mahnt der DDG-Präsident.

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss will im Rahmen von Modellvorhaben erproben, inwieweit sich ärztliche Tätigkeiten auf Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege übertragen lassen. Die DDG weist darauf hin, dass ein großer Teil der Menschen mit Diabetes mellitus auch an weiteren Krankheiten leidet, also mulitmorbide ist. Diese Patienten benötigen dringend eine ganzheitliche Therapie, die der behandelnde Arzt steuern muss. „Aber auch andere Menschen mit Diabetes brauchen für eine bestmögliche und fachgerechte Behandlung einen Arzt und idealerweise einen Diabetologen, der sie systemisch betrachtet, und die individuell angezeigte Therapie verordnet und umsetzt“, betont Professor Matthaei.

 

In den zurückliegenden 25 Jahren hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft Diabetesberaterinnen und Diabetesberater im Bereich der Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 nach einem einheitlichen Curriculum ausgebildet. Diese stehen für die Durchführung des Modellvorhabens zur Verfügung. „Die langjährige Erfahrung unserer Diabetes-Fachkräfte und der hohe fachliche Anspruch fließen in die alltägliche Arbeit mit den Diabetes-Patienten ein. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufen läuft reibungslos und gibt unseren Patienten Sicherheit“, betont Professor Matthaei. Diese Weiterbildung umfasst ein Stundenkontingent von 1800 Stunden, aufgeteilt in Präsenz-, Praxis- und Selbstlernzeiten. Jährlich werden etwa 200 Personen weitergebildet, sodass der Pool von derzeit über 3000 Diabetesberaterinnen und Diabetesberatern DDG kontinuierlich wächst.

 

Aufgrund der langjährigen Erfahrung der Fachgesellschaft in der Fort- und Weiterbildung von Fachpersonal im Bereich der Diabetologie durch zertifizierte, akkreditierte und evaluierte Weiterbildungskonzepte und einen Pool weitergebildeter Fachkräfte aus allen Regionen Deutschlands, ist die DDG wichtiger Kooperationspartner für die Durchführung dieser Modellvorhaben des G-BA. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft bietet an, die Entwicklung von Curricula für die Pflegenden zu steuern. Diabetesberaterinnen/Diabetesberater DDG und Diabetes- und Gesundheitsmanager B.Sc. seien als Multiplikatoren und Ausbilder bestens für Schulungsaufgaben geeignet.

 

 


Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft, 19.12.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…