Deutsche Diabetes Gesellschaft kritisiert IQWiG-Bericht

Kombination Dapagliflozin plus Metformin hat einen klaren Zusatznutzen

 

Berlin (18. Juni 2014) – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat in einer Stellungnahme an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) den Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung der Fixdosiskombination von Dapagliflozin mit Metformin als nicht akzeptabel zurückgewiesen. Das IQWiG war zum Ergebnis gekommen, dass für diese Tablettenkombination kein therapeutischer Zusatznutzen belegt sei. „Es ist aber wissenschaftlich unbestritten, dass bei einer Dapagliflozin-Therapie weniger schwere Unterzuckerungen auftreten als etwa bei Sulfonylharnstoffen“, erklärt Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. „Hinzu kommt, dass bei einer Fixdosiskombination nur noch eine einzige Tablette eingenommen werden muss, was die Therapietreue erhöht.“ Erneut habe das IQWiG eine kritikwürdige Bewertung aufgrund praxisferner, formaler Kriterien abgegeben, so Siegel.

 

Im Mittelpunkt der IQWiG-Bewertung stand der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin, der in den Nieren die Wiederaufnahme von Glukose aus dem Urin verhindert. In der Folge scheidet der Körper über den Harn vermehrt Glukose aus. Dies senkt den Blutzucker, den Blutdruck und das Körpergewicht; eine günstige Wirkkombination, die von keinem der bisher verfügbaren oral einzunehmenden Diabetesmedikamente erzielt wird. „Wie zahlreiche Studien belegen, treten zudem unter Dapagliflozin schwere, lebensbedrohliche Unterzuckerungen erheblich seltener auf als etwa unter Sulfonylharnstoffen“, erklärt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Mediensprecher der DDG. Patienten können die Tabletten als Einzelmedikation, aber auch kombiniert mit anderen Diabetes-Medikamenten wie beispielsweise Metformin einnehmen. Eine solche Kombination hatte das IQWiG zu bewerten – im Vergleich zu einer Kombination aus Metformin und Sulfonylharnstoff, einer kombinierten Anwendung mit Insulin und in Kombination mit einem anderen oralen Diabetesmedikament.

 

Beim Vergleich der Fixdosiskombination von Dapagliflozin/Metformin versus Metformin mit dem Sulfonylharnstoff Glipizid lehnte das IQWiG eine Bewertung ab, weil das Metformin in den beiden Vergleichsgruppen zu Beginn des Untersuchungszeitraums nicht bis zur maximalen Wirksamkeit hochdosiert worden ist (Fachbegriff „Titration“). „Dieser Argumentation können wir nicht folgen, weil die Metformin-Hochdosierung vor der zufallsbedingten Aufteilung auf die beiden Vergleichsgruppen erfolgte und damit gegeben war“, betont Professor Müller-Wieland. „Zudem ist die maximale verträgliche Metformindosis weder klinisch noch wissenschaftlich definierbar und liegt in vielen Studien sowie internationalen Praxisempfehlungen bei 2000 Milligramm pro Tag.“ Dieser Wert sei in der Arbeit, die vom IQWiG zu bewerten war, erreicht worden.

 

 

Weiter beanstandet das IQWiG, die Glipiziddosis sei nicht nach den Fachinformationen verabreicht worden. „Auch dieses Argument können wir nicht akzeptieren, da Studiendesign inklusive Glipizid-Aufdosierung mit der amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration und der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA abgestimmt war“, erläutert DDG-Präsident Siegel. Insgesamt urteile das IQWiG über den Zusatznutzen der Kombinationstherapie Dapagliflozin und Metformin auf der Basis praxisferner, rein formaler Kriterien, kritisiert Siegel.

 

 

Die gesamte Stellungnahme können Sie nachlesen unter:

 

 


 

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft, 18.06.2014 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung