Deutsche Gesellschaft für Geriatrie fordert bessere Versorgung akut erkrankter Demenzpatienten

„Das Krankenhaus ist für Demenzkranke der denkbar schlechteste Aufenthaltsort“

 

Köln (30. September 2014) – Akut erkrankte Demenzpatienten sind eine Herausforderung für Ärzte und Pflegekräfte. Bereits im Jahr 2020 wird voraussichtlich jeder fünfte Patient, der mit einem Herzinfarkt, Knochenbrüchen nach Stürzen oder einer akuten Infektion in ein Krankenhaus kommt, auch unter einer Demenz leiden. „Die Versorgung dieser Patienten bedeutet für die Kliniken eine besondere Herausforderung. Urologische, internistische, chirurgische und andere Stationen sind mit der Behandlung und Pflege dieser Patienten häufig überfordert“, berichtet der Past-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), Priv.-Doz. Dr. Werner Hofmann. „Ärzte und Personal müssen für diese Aufgabe besser vorbereitet werden!“


Die Verlegung ins Krankenhaus vermeiden – das sollte laut Past-Präsident Hofmann hohe Priorität bei der Betreuung im Heim oder Zuhause haben. „Das Krankenhaus ist für Demenzkranke der denkbar schlechteste Aufenthaltsort“, sagte er im Rahmen des Symposiums ‚Demenz im Krankenhaus 2020 – was ist zu tun?’ anlässlich der Jahrestagung der Fachgesellschaft in Halle. Um akut erkrankte Demenzpatienten zu Hause behandeln zu können sei es aber nötig, die hausärztlich-geriatrische Versorgung von Demenzkranken deutlich auszubauen und ambulante Pflegedienste intensiver zu schulen.

 


Personal in der Klinik besser schulen!

 

Sollte eine akute Krankenhauseinweisung trotzdem nötig sein, muss die Kommunikation mit der aufnehmenden Klinik besser werden. „Häufig wissen die Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus nicht von der Demenzerkrankung des eintreffenden Patienten“, kritisierten die Referenten des Symposiums. Die Krankenhäuser müssten außerdem Patienten in ihren Notaufnahmen regelhaft auf Demenz und Delir untersuchen.

 

Innerhalb des Krankenhauses sollten die Demenzpatienten so wenig wie möglich verlegt werden, um ihnen weiteren Stress und Verwirrung zu ersparen. Zudem sollten die Krankenhäuser ihre ehrenamtlichen Begleitdienste schulen, damit sie die Patienten zum Beispiel bei Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen begleiten und sinnvoll unterstützen können. „Wenn das Personal im Umgang mit Demenzkranken unerfahren ist, besteht die Gefahr unfreundlicher Umgangsweisen. Nicht nur das: Die dadurch bedingten Probleme verzögern die Diagnostik und Therapie und können den Krankheitsverlauf erheblich verlängern“, beschreibt Hofmann das Problem. Selbstverständlich müssen aber auch Ärzte und Pfleger besser und systematischer darin ausgebildet werden, adäquat mit Demenzkranken umzugehen. „Wir werden als Ärzte in Zukunft täglich mit Demenzpatienten konfrontiert werden“, so Hofmann.

 


Besser auf den Patienten und seine Bedürfnisse achten!

 

Die Entlassung von Demenzpatienten aus der Klinik in das Heim oder das häusliche Umfeld muss ebenfalls strukturierter erfolgen, fordern die Altersmediziner. Die Akutkliniken sollten zumindest eine Checkliste etablieren und mit ihrer Hilfe die wichtigsten Fragen zur Weiterbetreuung der Patienten vor der Entlassung klären.

 

„Hausärzte, ambulante Pflegedienste und die Pflegekräfte in Heimen müssen zudem stärker auf körperliche Erkrankungen der Demenzkranken achten“, forderte Hofmann auf dem Symposium. Das sei nicht immer einfach, weil die Kranken ihre Beschwerden häufig nicht artikulieren könnten. „Aber die Behandlung der Begleiterkrankungen kann auch die Demenzsymptome lindern“, so der Past-Präsident der DGG.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG), 30.09.2014 (tB).

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