Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH)

DGKH ist besorgt über die hohe Infektionsrate bei Passagieren auf der Diamond Princess und vermutet einen Zusammenhang zwischen der Infektionsrate und Quarantänemaßnahmen auf Kreuzfahrtschiffen

M. Exner, A. Kramer, P. Walger, W. Popp im Auftrag des Vertretungsvorstandes der DGKH

 

Berlin (19. Februar 2020) – Auf dem seit dem 03.02.2020 wegen Covid-19 Infektionen im Hafen von Yokohama unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff mit rund 3.700 Passagieren und Crew-Mitgliedern sind insgesamt (Stand 15.2.2020) 355 infizierte an Bord festgestellt worden. 1.219 Personen seien nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums getestet. Unter den Infizierten befinden sich auch zwei Deutsche.

Die DGKH hält eine Neubewertung des Risikomanegements bei Ausbrüchen respirato-rischer Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen für dringend geboten.

Die DGKH hält es für unmöglich, unter den Bedingungen eines unter Quarantäne stehen-den Kreuzfahrtschiffes Hygienebedingungen zu gewährleisten, die eine Übertragung von Covid-19 auf weitere Passagiere und Crew-Mitgliedern sicher ausschließen. Neben der direkten Person-zu-Person Übertragung sind wie bei SARS 2003 weitergehende Übertra-gungen über Verdriftung und technische Kanalsysteme nicht auszuschließen. Mit weiteren Infektionen bei Passagieren und Crewmitgliedern muss daher gerechnet werden1-4.

 

Die DGKH vertritt daher folgende Forderungen

  • Wegen der erhöhten Infektionsgefahr sind alle Passagiere und Crew Mitglieder so rasch wie möglich von Bord zu nehmen, um auf dem Festland besseren Quarantäne-bedingungen zugeführt zu werden.
  • Die Passagiere sollen in ihre Heimatländer ausgeflogen werden, sofern das möglich ist, und dort unter den national etablierten Rahmenbedingungen unter Quarantäne und Beobachtung gestellt werden.
  • Besonders gefährdete Personengruppen wie alte Personen (>60 Jahre), Personen mit Komorbidiäten wie insbesondere chronisch obstruktive Atemwegserkran-kungen, Herz- oder Nierenerkrankungen und Diabetes mellitus sollten bevorzugt ausgeflogen werden.
  • Von einer unabhängigen internationalen Kommission sollte eine detaillierte epide-miologische und hygienisch medizinische Untersuchung unter Einschluß möglicher Übertragungsrisiken über technische Systeme (Raumlufttechnische Anlage, Abwas-serdrainagesysteme) durchgeführt werden.
  • Die Ergebnisse der Expertenkommission sollten dazu genutzt werden, die Über-tragungsrisiken unter derartigen Rahmenbedingungen besser charakterisieren zu können und das Risikomanagement der International Health Regulations (IHR) anzupassen. Hierzu zählt auch, dass für die Zukunft eine ausreichende Anzahl von Qua-rantäneunterbringungen in internationalen Häfen außerhalb von Kreuzfahrtschiffen sicher zu stellen ist.

 

Literatur

1. Jiang S, Huang L, Chen X, Wang J, Wu W, Yin S, et al. Ventilation of wards and nosocomial outbreak of severe acute respiratory syndrome among healthcare workers. Chin Med J (Engl). 2003 Sep;116(9):1293-7.

2. Jiang SP, Huang LW, Wang JF, Wu W, Yin SM, Chen WX, et al. [A study of the architectural factors and the infection rates of healthcare workers in isolation units for severe acute respiratory syndrome]. Zhonghua Jie He He Hu Xi Za Zhi. 2003 Oct;26(10):594-7.

3. Li Y, Leung GM, Tang JW, Yang X, Chao CY, Lin JZ, et al. Role of ventilation in airborne transmission of infec-tious agents in the built environment – a multidisciplinary systematic review. Indoor Air. 2007 Feb;17(1):2-18.

4. Yu IT, Li Y, Wong TW, Tam W, Chan AT, Lee JH, et al. Evidence of airborne transmission of the severe acute respiratory syndrome virus. N Engl J Med. 2004 Apr 22;350(17):1731-9.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e.V. (DGKH), 19.02.2020 (tB).

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