Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

Gesundheitsämter müssen flexibler entscheiden können:
Bei bürokratischer Quarantäne-Verordnung droht Lahmlegung medizinischer Versorgungsstrukturen

 

Berlin (19. März 2020) — Die aktuelle Praxis der Quarantäne-Verordnungen der Gesundheitsämter legt medizinische Versorgungsstrukturen lahm, wenn sie sich an die zentralen RKI-Empfehlungen halten.

Die Dynamik der Ausbreitung verlangt eine dynamische Anpassung der Empfehlungen

Die strikte Einhaltung der aktuellen Empfehlungen des Kontaktpersonenmanagements führt bei einer steigenden Zahl von Mitarbeitern mit Kontakt zu Infizierten (Kategorie I) infolge steigender Covid-19-Fallzahlen zu einer inakzeptablen Zahl von Quarantäne-Anordnungen in den medizinischen Versorgungssystemen sowie in anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur. Hierdurch kann die Funktionsfähigkeit ganzer Krankenhausabteilungen und anderer wichtiger Bereiche der jeweiligen Versorgungssysteme lahm gelegt werden. Zusätzlich führt die Zuständigkeit verschiedener Gesundheitsämter für ein Krankenhaus je nach Wohnort des Mitarbeiters zu einem Kompetenz- und Verordnungswirrwar.


Nach Ansicht der DGKH müssen zwei Entscheidungen getroffen werden:

  1. Das komplette Management im Fall von Mitarbeitern mit Infektionsverdacht muss in den Händen des Gesundheitsamtes liegen, in dessen Amtsbezirk das Krankenhaus oder die sonstige medizinische Versorgungseinrichtung liegt, in dem die Mitarbeiter arbeiten.
    Nur hierdurch kann gewährleistet werden, dass eine einheitliche und von allen Mitarbeitern akzeptierte Regelung gefunden wird, die die Funktionsfähigkeit des Krankenhauses oder der sonstigen medizinischen Versorgungseinheit garantiert.
  2. Es ist notwendig, durch ein abgestuftes Eskalationsmodell die Funktionsfähigkeit der Versorgungssysteme sicherzustellen. Durch Verkürzung oder Wegfall der Quarantänezeiten bei gleichzeitiger Mitarbeiter-Testung könnte so bei größtmöglichem Schutz von Personal und Patienten vor weiteren Übertragungen die Funktionsfähigkeit der betroffenen Abteilungen gewährleistet werden. Die Entscheidungen über Quarantäne setzen konkrete Kenntnisse über das betroffene Krankenhaus oder die sonstige Versorgungseinheit voraus, wie sie nur das vor Ort zuständige Gesundheitsamt gewährleistet.

Das Modell der Eskalationsstufen besteht aus der Testung der Mitarbeiter, aus der Erlaubnis einer weiteren Tätigkeit bei negativem Testergebnis, strikter Einhaltung der Hygieneregeln sowie Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, Führen eines Symptomtagebuchs sowie Testwiederholung. Die Verordnung von Quarantänezeiten reduziert sich auf die Wartezeit bis zum Vorliegen des Testergebnisses bis hin zur völligen Aufhebung je nach Lage der Epidemie und Anzahl betroffener Mitarbeiter.

Für Kliniken und andere medizinische Versorgungseinrichtungen setzt dieses Eskalationsstufen-Modell voraus, dass ein Koordinator bestimmt wird, der in Zusammenarbeit mit der Klinik- oder Einrichtungsleitung die jeweilige Eskalationsstufe benennt, die Risikobewertungen der einzelnen Tätigkeitsbereiche vornimmt und die Mitarbeiter über die jeweiligen Tätigkeitsbereiche und ihre Verpflichtungen aufklärt: Diese bestehen aus folgenden generellen Auflagen: Grundsätzliches Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, grundsätzliche Bereitschaft zur Selbstbeurteilung hinsichtlich Infektionsrisiko und Infektionssymptome, Bereitschaft zur Testung, Führen eines Symptom-Tagebuches während der Arbeit, sofortige Arbeitsbeendigung bei Symptombeginn und konsequente Einhaltung der Hygieneregeln.

Das Eskalationsstufen-Modell gewährleistet die Weiterarbeit von symptomlosen Personen der kritischen Infrastruktur mit Verdacht auf SARS-Cov-2-Infektion. Es gilt, eine Infektion durch Mitarbeiter-Testung früh zu erkennen, den Beginn von Symptomen zum Anlass einer sofortigen Quarantäne zu erfassen und das Tragen einer ausreichenden persönlichen Schutzausrüstung während der Arbeit mit Patienten und im Umgang mit den Arbeitskollegen zu gewährleisten.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, 19.03.2020 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung