Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Das „Überlebensparadox“ bei Dialysepatienten: Kann eine hochtechnisierte Dialyse alle Probleme lösen?

 

  • Prof. Dr. Jan Galle, Lüdenscheid, Pressesprecher der DGfN

 

Berlin (8. September 2014) – In Deutschland werden etwa 80.000 schwer Nierenkranke dauerhaft mit Dialyseverfahren behandelt. Das durchschnittliche Überleben an der Dialyse ist aber gering. Das 5-Jahres-Überleben von Patienten, die neu an die Dialyse kommen, liegt bei den über 65-Jährigen bei 39,3%, bei den über 75-Jährigen sogar nur bei 21,3% [1]. Um es plakativ auszudrücken: Nur etwa einer von fünf Neudialysepatienten im Alter von 75 Jahren erreicht das 80. Lebensjahr und nur jeder zweite bis dritte 65-jährige Dialysepatient erlebt seinen 70. Geburtstag. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Patienten, die zehn, zwanzig, sogar vierzig Jahre an der Dialyse überleben. Die Kampagne „Ihre Nieren liegen uns am Herzen. Die Nephrologen“ zeigt solche „Langzeit-Dialysepatienten“ und betont, dass die Dialysequalität in Deutschland exzellent ist, gerade auch im internationalen Vergleich. Was unterscheidet diese Langzeit-Dialysepatienten also vom durchschnittlichen Dialysepatienten?

 

Begleiterkrankungen entscheiden über die Prognose

 

Die meisten Patienten kommen im höheren Alter und mit zahlreichen Begleiterkrankungen an die Dialyse. Über ein Drittel der Neudialysepatienten sind Diabetiker und die Dialysepflichtigkeit ist Folge der diabetischen Nephropathie. Etwa ein Viertel aller Dialysefälle ist auf einen schlecht eingestellten und die Nierengefäße schädigenden Bluthochdruck zurückzuführen. Bei vielen Patienten kommt auch alles zusammen – Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Übergewicht (metabolisches Syndrom). Auch der Nikotinkonsum spielt eine wichtige Rolle. Oft haben diese Betroffenen dann schon gravierende Herz- und Gefäßschäden, bevor sie an die Dialyse kommen, nicht selten wurden schon Schlaganfälle und Infarkte durchlebt. Dass die Prognose an der Dialyse durch diese Vor- und Begleiterkrankungen stark beeinträchtigt wird, liegt auf der Hand. Die Zahlen des ERA-EDTA-Registers zeigen: Das 5-Jahres-Überleben beträgt bei diabetischen Dialysepatienten (über alle Altersklassen hinweg!) 48,7%, bei Patienten mit einer Glomerulonephritis, einer entzündlichen Nierenerkrankung, die oft auch ansonsten gesunde Menschen in der Lebensmitte ereilt, 70,1%. Das illustriert deutlich: Nicht die Dialysepflichtigkeit ist der „Killer“, sondern die Begleiterkrankungen.

 

 

Dialyse ist ein erfolgreiches Verfahren

 

Dass die Dialyse erfolgreich über Jahre und Jahrzehnte durchgeführt werden kann und das Überleben sichert, zeigen die Langzeitpatienten. Wer jung und ohne Gefäßschäden an die Dialyse kommt, profitiert von der ausgereiften Dialysetechnik und umfassenden nephrologischen Betreuung. Doch eine hochtechnisierte Dialyse und hochqualitative ärztliche Versorgung kann gegen gravierende Begleiterkrankungen nur wenig ausrichten und kaum signifikant zu einer Lebensverlängerung dieser Patienten beitragen. Wichtig ist aber, dass der Erfolg der Dialyse nicht aufgrund der durchschnittlich hohen Mortalität der Patienten kleingeredet wird.

 

 

Literatur

 

[1] ERA-EDTA Registry: Annual report 2012. S. 47

http://www.era-edta-reg.org/files/annualreports/pdf/AnnRep2012.pdf

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, 08.09.2014 (tB).

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