Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Was nun? Postmortale Spenderorgane dramatisch rückläufig, Lebendspende in der Kritik

 

  • Prof. Dr. Jürgen Floege, Aachen, DGfN-Präsident

 

Berlin (8. September 2014) – Laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten derzeit rund 8.000 Dialysepatienten in Deutschland auf eine Nierentransplantation. Im Jahr 2013 wurden 2.272 Patientinnen und Patienten transplantiert. Bei 725 Transplantationen handelte es sich dabei um eine Lebendspende, bei der ein naher Verwandter dem nierenkranken Menschen zu Lebzeiten eine seiner beiden Nieren spendet. Die Zahl der Patienten, die auf eine Niere warten, ist also fast dreimal so hoch wie die der pro Jahr übertragenen Organe – Tendenz steigend. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation beträgt derzeit etwa fünf bis sechs Jahre. Die drastisch rückläufige Zahl der Spender (2008 gab es im ersten Quartal 283 postmortale Organspender, 2014 im gleichen Zeitraum nur noch 204) wird die Wartezeit nun noch deutlich verlängern.


Seit einigen Wochen ist aufgrund von Einzelfallschilderungen nun auch die Lebendspende in Diskussion geraten, die aber für viele Patienten eine gute Option darstellt. Das Transplantatüberleben nach Lebendspende („living“ in der Graphik) ist deutlich besser als das der postmortalen Spende („deceased“). Die Datenlage dazu ist umfassend und eindeutig.

 

 

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Abb. 1:

 

 

Lebendnierenspende hat eine sehr gute Erfolgsquote, doch das Risiko für den Spender ist nicht gleich Null

 

Für die Beurteilung des Risikos für den Lebendnierenspender ist die Auswahl der Vergleichsgruppe bedeutsam: Es ist unstrittig, dass Lebendnierenspender im Vergleich zur altersgleichen Normalbevölkerung ein längeres Überleben und ein niedrigeres Risiko für das Auftreten einer Dialysepflichtigkeit aufweisen. Wählt man allerdings nur die „allergesündesten“ Kontrollpersonen aus, dann weisen Lebendnierenspender im Vergleich zu ihnen ein in absoluten Zahlen leicht erhöhtes Risiko auf, selbst einmal dialysepflichtig zu werden. Darüber sollten die Spender umfassend aufgeklärt werden.

 

Wichtig für den Erfolg der Lebendspende ist zudem die Auswahl des Spenders. Die Leitlinien definieren Kontraindikationen, die gegen eine Nierenspende sprechen. Nur gesunde, stabile Personen dürfen zur Nierenspende zugelassen werden. Lebendnierenspender müssen als Voraussetzung zwei normal funktionierende Nieren haben und an keiner Erkrankung leiden, die einer Nierenspende entgegensteht. Die DGfN lehnt riskante Nierenspenden, bei denen der Spender nicht die notwendigen Kriterien erfüllt, kategorisch ab. Sie möchte die Kriterien aber auch nicht enger fassen, als in den Europäischen Leitlinien (ERBP) dargelegt. So ist beispielsweise ein moderater, gut kontrollierter Bluthochdruck keine Kontraindikation.

 

 

Initiative Nierentransplantation

 

Um sich für die Erhöhung der rückläufigen Organspendebereitschaft in der Bevölkerung stark zu machen und das Vertrauen in die Transplantationsmedizin wiederherzustellen, haben DGfN und Bundesverband Niere e.V., dem mit 18.000 Mitgliedern größten Verband nierenkranker Patienten, einen Schulterschluss gesucht und gemeinsam die „Initiative Nierentransplantation“ ins Leben gerufen. Derzeit wird an einem Forderungs- und Maßnahmenkatalog gearbeitet, der folgende Eckpunkte enthalten wird:

 

  • Forderung nach einem Transplantationsregister: Ein solches Register ist derzeit in Vorbereitung und wird valide Daten für ein Qualitätsmonitoring generieren. Zudem wird es im Rahmen der vom GBA geforderten sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (das AQUA-Institut wurde mit der Umsetzung beauftragt) in Zukunft möglich sein, Informationen über den individuellen Krankheitsverlauf eines Dialysepatienten vom Dialysebeginn über die Transplantation bis zur Posttransplantationsphase zu erhalten.
  • Forderung nach Hinterlegung der Spendebereitschaft auf einem für Intensivstationen abrufbaren und sicheren Dokument: Die beste Möglichkeit ist die Dokumentation des Patientenwillens auf der Patientenkarte/ Gesundheitskarte.

 

      • Erstellung von laienverständlichen Aufklärungsbögen für Patienten (für Spender und Empfänger)
      • Bessere Information der Bevölkerung über die Organspende

 

Besonders die umfassende, laienverständliche Aufklärung liegt der Initiative am Herzen: Im Rahmen des Kongresses fand am Samstag (6. September 2014) ein Patienten-Arzt-Seminar zum Thema Nierentransplantation statt, das über die postmortale Transplantation und Lebendspende aufklärte.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie, 08.09.2014 (tB).

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