Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS)

Auf dem Weg zum Facharzt für Schmerzmedizin

 

Berlin (20. November 2018) – Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) begrüßt mit großer Freude, dass in einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Abnahme des Endberichts „Gutachten zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung i.S.d. §§ 99FF SGB5 V zur Sicherung der vertragsärztlichen Versorgung“ vom 20. September 2018 erstmals eine eigenständige fachärztliche Versorgung von Schmerzzuständen in die Bedarfsplanung eingeführt wird.

Seit Jahren ist es das Anliegen unserer Fachgesellschaft, zur Verbesserung und zur Sicherstellung der Versorgung ein neues Querschnittsfach ‚Schmerzmedizin’ fachärztlich zu installieren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner Sitzung am 20. September 2018 beschlossen, den Endbericht des Gutachtens zur Bedarfsplanung in seiner Fassung vom 12. Juli 2018 abzunehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fühlt sich in ihren jahrzehntelangen Bemühungen, um die sich insbesondere Herr Dr. Gerhard H.H. Müller-Schwefe (ehemaliger Präsident und Ehrenpräsident) verdient gemacht hat, bestätigt. Einige namhafte wissenschaftliche Institute aus der Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung haben festgestellt, dass zur Behandlung chronischer Schmerzzustände eine separate Bedarfsplanung von Anästhesiologie und Schmerztherapie zu befürworten ist. Es scheint in der Gesundheitspolitik angekommen zu sein, dass die Bedürfnisse schmerzchronifizierter Patienten andere sind als rein anästhesiologische.

 

Fortschritt für die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen

Mit Bezug auf die vorhandene Literatur (Barnett et al. 2012) wurden 40 Erkrankungen definiert, die als Kernkrankheiten multimorbider Patienten betrachtet werden können. In diese Krankheitsliste sind nun erstmals Schmerzzustände aufgenommen worden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte sich bereits 2017 zur Nachbesetzungs-fähigkeit schmerztherapeutischer Sitze in Schleswig-Holstein geäußert und angeregt, über einen Sonderbedarf dafür zu sorgen, dass schmerzmedizinische Versorgung nicht verschlechtert wird, wenn eine Praxisnachfolge organisiert wird. Die rechtlichen Unsicherheiten der Nachbesetzung über den Sonderbedarf sollen in der Zukunft durch eine eigenständige allgemeine fachärztliche Versorgung, die perspektivisch sektorenübergreifend ist, durch Schmerztherapeuten fachärztlich sichergestellt werden. Die Planungsebene der allgemeinen fachärztlichen Versorgung ist abgegrenzt von einer spezialisierten fachärztlichen Versorgung, in der die Anästhesie ohne Schmerztherapie dargestellt wird. Diese Abtrennung darf als ein wesentlicher Fortschritt für die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen bezeichnet werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. ist damit einen wichtigen Schritt weitergekommen auf dem Weg zu einem Facharzt für Schmerzmedizin. Es wird klar, dass Einzelstimmen und Fachverbände, die seit Jahren dafür sorgen möchten, dass ein Facharzt für Schmerzmedizin verhindert wird, von dieser Entwicklung überholt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hofft, dass die Interessen der betroffenen Patienten sich gegen eine pfründeorganisierte Verbandspolitik durchsetzen können.

Es bleibt abzuwarten, welche Stolpersteine in den nächsten Jahren auf die Umsetzung dieser gutachterlichen Empfehlungen warten. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin steht Seite an Seite mit der Patientenorganisation „Deutsche Schmerzliga“ für eine fachärztliche Bedarfssicherung in den Planungen ab 2019, die auch dem schmerzmedizinischen Nachwuchs eine berechenbare Lebens- und Planungsperspektive bietet.

Es soll in der Zukunft sichergestellt sein, dass Praxen, die von Schmerzmedizinern betrieben werden, nur von Schmerzmedizinern nachbesetzt werden können.

Die Forderung nach einem Facharzt für Schmerzmedizin wird zunächst in der Weiterbildungsordnung gestaltet werden müssen. Auch hierzu wird die Fachgesellschaft Vorschläge machen, eine Arbeitsgruppe hat bereits ihre Arbeit aufgenommen.

—-

 

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. ist mit rund 4.000 Mitgliedern die größte Gesellschaft praktisch tätiger Schmerztherapeuten in Europa. Sie setzt sich für ein besseres Verständnis und für bessere Diagnostik und Therapie des chronischen Schmerzes ein. Bundesweit ist sie in rund 125 regionalen Schmerzzentren organisiert, in denen interdisziplinäre Schmerzkonferenzen veranstaltet werden. Oberstes Ziel der DGS ist die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Dazu gehört die Qualitätssicherung in der Schmerzmedizin durch die Etablierung von Therapiestandards sowie die Verbesserung der Aus-, Fort- und Weiterbildung auf den Gebieten der Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie für Ärzte aller Fachrichtungen.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V., 20.11.2018 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…