Deutsche PalliativStiftung

Macht gute Palliativversorgung Sterbehilfe überflüssig?

 

Fulda (5. März 2013) – Weil ein 80-jähriger Mann aus dem hessischen Altenstadt das Leben seiner bettlägerigen und dementen Ehefrau als nicht mehr lebenswert  erachtete, durchtrennte er im Februar 2012 den Schlauch ihrer Nahrungssonde. Zwar konnte am gleichen Tag noch die Sonde wieder angeschlossen werden, aber im März verstarb die Frau. Gestern wurde der Angeklagte wegen versuchten Totschlags zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

 

„Diese tragische Verzweiflungstat hätte nicht passieren dürfen“, kommentiert Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, das Urteil aus Gießen. Der Fall zeige „leider wieder einmal, dass die Möglichkeiten von Hospizarbeit und Palliativversorgung in der Bevölkerung nach wie vor zu wenig bekannt sind“, sagt Sitte und fügt hinzu: „Aufklärung tut Not, damit eine gute Palliativversorgung Sterbehilfe überflüssig machen kann!“ Neben Aufklärungskampagnen für Impfungen und Früherkennung wünscht sich Sitte auch flächendeckende Werbung für die Patientenrechte und Palliativversorgung am Lebensende.

 

Der Fuldaer Arzt setzt sich mit der Deutschen PalliativStiftung dafür ein, dass das Wissen, das unnötiges Leid verhindert werden kann, in der Gesellschaft weiter verbreitet wird. „Ich weiß, dass der Wunsch nach Sterbehilfe oft aus Verzweiflung und Nicht-Wissen über die palliative Versorgung heraus aufkommt, aber alle belastenden Symptome schwerstkranker Kinder und Erwachsener können gelindert werden.“

 

Seine Stellvertreterin, Prof. Dr. jur. Ruth Rissing-van Saan, Vorsitzende Richterin am BGH i.R.  betont, dass solche Sterbehilfe nicht notwendig sei: „Niemand muss länger Leid ertragen, als er dies möchte. Wenn ein Mensch in schwerster Krankheit den erlösenden Tod herbeisehnt, darf er selbstbestimmt jede künstliche Lebensverlängerung und Therapien ablehnen oder beenden. Niemand hat die gesetzliche Pflicht, weiter zu leben und hat das Recht auf Therapieverweigerung. Auch Suizid ist für den Betroffenen selbst nicht strafbar.“ Aber ein Tötungswunsch darf nicht an Zweite abgegeben und eine Tötung niemals delegiert werden. Gleichzeitig dürfe laut Rissing-van Saan auch ein anderer nicht anstelle des Betroffenen nach seinen Empfindungen und Wertvorstellungen eine Entscheidung treffen. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland eine Straftat.

 

„Wenn keine Patientenverfügung vorhanden ist und der Patient nicht mehr selbst entscheiden kann, muss der Betreuer oder Bevollmächtigte aufgrund konkreter Anhaltspunkte den mutmaßlichen Patientenwillen ermitteln.“ Daher ist es nach Ansicht von Thomas Sitte elementar, dass jeder Mensch weiß, was zu tun ist, wenn der Patientenwille nicht festgehalten ist.

 

INFO: Die Deutsche PalliativStiftung setzt sich für die Aufklärung ein. Sie bietet Muster zu Patientenverfügungen an sowie weitere Bücher und Broschüren zur Palliativversorgung.

 

Weitere Informationen unter www.paliativstiftung.de

 


 

Quelle: Deutsche PalliativStiftung, 05.03.2013 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…