Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2011

Integrierte Versorgung – das Erfolgsrezept  gegen Rückenschmerzen

 

Frankfurt am Main (23. März 2011) – Ein von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie initiiertes Konzept zur integrierten Versorgung von Rückenschmerzpatienten ist ein Erfolgsmodell. Rund 85 Prozent der mehr als 3.700 Patienten, die im Rahmen des Projektes frühzeitig behandelt wurden, waren danach wieder arbeitsfähig. Auch ein anderes Projekt glänzt mit guten Ergebnissen: 82 Prozent der Patienten, die bereits eine Überweisung zur Rücken-Operation in der Tasche hatten, aber eine Zweitmeinung bei einem Schmerzzentrum einholten, blieb der Eingriff erspart.

 

Ist die Chronifizierung von Schmerzen weit fortgeschritten, können auch Experten diese in den meisten Fällen bestenfalls nur lindern. Konzepte der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie setzen daher auf eine frühzeitige Behandlung, um die verhängnisvolle Chronifizierung zu stoppen.

 

Die integrierte Versorgung von Rückenschmerzpatienten, gemanagt von der IMC GmbH,  wurde zusammen mit der Techniker Krankenkasse sowie der Hanseatischen Krankenkasse inzwischen an bundesweit 36 Zentren etabliert. „Dieses Projekt zeigt“, so Müller-Schwefe, „wohin die Reise grundsätzlich in der Schmerztherapie gehen muss:Hin zu einer rechtzeitigen und intensiven Versorgung, bevor es zu tiefgreifenden Chronifizierungsprozessen gekommen ist, deren Behandlung dann sehr viel höhere Kosten verursacht.“

 

 

VIERWÖCHIGE KOMPLEXTHERAPIE

 

Das Prinzip des erfolgreichen Rückenschmerz-Projektes: Die Krankenkasse spricht gezielt Versicherte an, die sich bereits seit längerer Zeit wegen ihrer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung befinden, mindestens vier Wochen arbeitsunfähig und nicht schmerzfrei sind. Denn dies sind Betroffene, die möglicherweise ein hohes Chronifizierungsrisiko haben. Die Patienten werden von Experten zunächst untersucht. Bei dem vier-,  maximal achtwöchigen kompakten Intensiv-Programm arbeiten Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten Hand in Hand. Die Patienten werden von verschiedenen Experten gleichzeitig und nicht nacheinander behandelt.

 

 

WENIGER SCHMERZ, MEHR LEBENSQUALITÄT

 

Bislang wurden 3.700 Patientinnen und Patienten in das Programm aufgenommen. Auswertungen zeigen, dass nach vier Wochen 49 Prozent der Patienten und nach insgesamt acht Wochen 84 Prozent wieder arbeitsfähig sind. Diese Zahlen änderten sich auch nicht bei einer Nachuntersuchung nach sechs Monaten. Normalerweise kehren nur 35 Prozent der Rückenschmerzpatienten nach einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Monaten innerhalb von zwei Jahren an ihren Arbeitsplatz zurück.

 

 

OPERATIONEN VERMEIDEN

 

Bei einem anderen Projekt bietet die Techniker Krankenkasse ihren Versicherten an, vor einer Operation eine zweite Expertenmeinung einzuholen. Bislang haben davon knapp 300 Patienten Gebrauch gemacht.  Resultat: nur bei 15 Prozent bestätigten die Schmerzspezialisten die OP-Indikation. Bei 248 Patienten hielten sie den geplanten Eingriff hingegen für nicht indiziert. 18 Prozent dieser Patienten wurden in das integrierte Therapiekonzept für Rückenschmerzpatienten eingeschleust. Bei der Mehrzahl der Fälle erhielten die behandelnden Ärzte Empfehlungen für eine angepasste Therapie.

 

 

ZEIGEN, WAS SCHMERZTHERAPIE LEISTEN KANN

 

»Von der Leistungsfähigkeit der modernen Schmerzmedizin profitieren nicht nur die Patienten durch weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität, sondern auch die Kassen«, sagt Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe. Da die Patienten wieder arbeitsfähig werden, sparen die Versicherungen durch die integrierte Versorgung im Vergleich zu einer konventionellen Behandlung über 5.000 Euro pro Patient. Da auch überflüssige Diagnostik und operative Maßnahmen verhindert werden, kommen weitere Kosteneinsparungen hinzu.

 

Die IMC-Zentren für die integrierte Versorgung von Rückenschmerz-Patienten: Aachen · Augsburg · Bad Klosterlausnitz · Berlin · Bonn · Bremen · Celle · Chemnitz · Dresden · Erkelenz · Essen · Frankfurt · Freiburg · Fürth · Göttingen · Göppingen · Halle · Hamburg · Hannover · Kiel · Köln · Köpenick · Krefeld · Leer · Leipzig · Ludwigshafen · Magdeburg · Marburg · München · Münster · Potsdam · Remscheid · Rostock · Stuttgart · Wiesbaden · Wuppertal.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V., 23.03.2011 (tB)

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