Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE

Schmerzmediziner, Politiker und Krankenkassen fordern weniger Bürokratie bei der Verordnung von Cannabinoiden

 

Berlin (16. März 2021) — Zum Abschluss des Deutschen Schmerz- und Palliativtages sprachen sich Vertreter des Gesundheitsausschusses sowie Krankenkassenvertreter für weniger Bürokratie bei der Verordnung von cannabishaltigen Medikamenten aus. Damit unterstützten sie eine Forderung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), die sich dafür einsetzt, den Genehmigungsvorbehalt aus dem Cannabisgesetz zu streichen. Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag fand in diesem Jahr zum zweiten Mal online statt und erreichte mit knapp 4.000 Teilnehmer*innen einen Besucherrekord.

Vor vier Jahren ist das Gesetz „Cannabis als Medizin“ in Kraft getreten und hat so die Verordnung von Cannabinoiden auch für Patienten mit chronischen Schmerzen möglich gemacht. Voraussetzung für den Einsatz ist die Ausschöpfung aller Standardtherapien sowie die Genehmigung durch die Krankenversicherung des Patienten. „Hinweise auf eine missbräuchliche Auslegung oder Anwendung des Gesetzes liegen bisher nicht vor“, so Dr. Johannes Horlemann, Tagungspräsident des Kongresses und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS). „Dennoch wird etwa ein Drittel der Anträge zur Verordnung von Cannabinoiden von den Krankenkassen abgelehnt.“ Das bringe zahlreiche Probleme mit sich, insbesondere müssten die betroffenen Patienten zu lange auf eine angemessene Versorgung warten, beklagte Horlemann.

 

Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin verhandelt mit Krankenkassen

Um diese Situation für Ärzte und Schmerzpatienten zu verbessern, hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin Verhandlungen mit gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ziel dieser Verhandlungen ist die Aufhebung des Genehmigungsvorbehaltes einer Erstverordnung durch die Krankenkassen. Das bedeutet, dass die Therapieentscheidung ausschließlich beim Arzt in Absprache mit seinem Patienten liegen soll. Gleichzeitig soll ein nachvollziehbarer Qualitätsanspruch gewährleistet bleiben.

 

Krankenkassenvertreter und Politiker für Aufhebung des Genehmigungsvorbehalts

Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg sagte dazu: „Wir vertrauen darauf, dass qualifizierte Schmerzmediziner Cannabinoide sachgemäß und vernünftig verordnen. Daher sind wir mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin in Verhandlungen zu einem Selektivvertrag, der den Genehmigungsvorbehalt unter bestimmten Bedingungen aufhebt.“ Auch die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, empfindet die Hürden in der Verordnung von Cannabinoiden aktuell als zu hoch. Sie forderte: „Wenn ein Arzt Cannabis einsetzen will, soll das auch geschehen.“ In einer Video-Botschaft zum Kongress lobte die SPD-Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich die durch Cannabinoide erweiterten Möglichkeiten in der Schmerztherapie. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß bestätigte, dass der Cannabisgebrauchs nach Inkrafttreten des Gesetzes nicht gestiegen sei und nun gesetzlich nachgesteuert werden müsse. So sollte z. B. die stationäre Verordnung eines Cannabinoids auch ambulant fortgesetzt werden können. Der zwischen der AOK Rheinland/Hamburg ausgehandelte Selektivvertrag sei ein guter Anfang, der auch für andere Krankenkassen gelten sollte.

 

 

Weiterführende Links

 

 

Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE in Zahlen 

  • knapp 4.000 Teilnehmer*innen
  • bis zu 1.476 Besucher*innen gleichzeitig in einer Sitzung
  • Insgesamt 52 Sitzungen und 111 Vorträge in bis zu 4 Räumen parallel
  • 19 Plenarsitzungen, 10 Symposien, 21 Fokusseminare, 32 Seminare und 8 Curricula
  • 87 Referentinnen und Referenten
  • mehr als 100 Vorträge stehen on demand zur Verfügung
  • 23 Stände in 2 Hallen der virtuellen Industrieausstellung

 

 

 

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit rund 4.000 Mitgliedern und 125 Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft zur Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen.
In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga e. V. ist es ihr vorrangiges Ziel, die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern – durch eine bessere Diagnostik und eine am Lebensalltag des Patienten orientierte Therapie. Dafür arbeiten die Mitglieder der DGS tagtäglich in ärztlichen Praxen, Kliniken, Schmerzzentren, Apotheken, physiotherapeutischen und psychotherapeutischen Einrichtungen interdisziplinär zusammen. Der von der DGS gestaltete jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und Palliativtag zählt seit 1989 auch international zu den wichtigen Fachveranstaltungen und Dialogforen. Aktuell versorgen gut 1.200 ambulant tätige Schmerzmediziner die zunehmende Zahl an Patienten. Für eine flächendeckende Versorgung der 3,4 Millionen schwerstgradig Schmerzkranken wären mindestens 10.000 ausgebildete Schmerzmediziner nötig. Um eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen zu erreichen, fordert die DGS ganzheitliche und bedürfnisorientierte Strukturen – ambulant wie stationär – sowie eine grundlegende Neuorientierung der Bedarfsplanung.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V., 16.03.2021 (tB).

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