Photo: BVMedDeutschland darf in punkto Pflege nicht zum Land zweiter Klasse werden

 

Der VPU befürwortet die EU-Pläne zur Anhebung der Zugangsvoraussetzungen zu Pflegeberufen – kein Verständnis für Daniel Bahr

 

Berlin (20. Januar 2012) – Der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V. (VPU) fordert seit Jahren die Anhebung der Zugangsvoraussetzungen zu den Pflegeberufen. Die entsprechenden Pläne der EU- Kommission, dies im Rahmen der Modernisierung der Richtlinie zur Anerkennung des Berufsabschlusses für Gesundheits- und Krankenpfleger zu tun, begrüßt der VPU deshalb ausdrücklich.

 

Für die Ablehnung der EU-Pläne durch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr haben die Pflegedirektoren kein Verständnis: „Offensichtlich kennt Herr Bahr weder die Statistiken noch die Anforderungen, die heute an eine Pflegefachkraft gestellt werden. Für die stationäre Pflege brauchen wir unter anderem Mitarbeiter, die komplexe Therapien zuverlässig managen, auf Augenhöhe mit den ärztlichen Kollegen zusammenarbeiten und den Angehörigen als kompetente Ansprechpartner zur Seite stehen. Um dies leisten zu können, sind neben einer fundierten pflegerischen Ausbildung eine sehr gute Allgemeinbildung und Auffassungsgabe erforderlich. Mit dem Abitur als Zugangsvoraussetzung stünde uns ein Kriterium zur Auswahl geeigneter Bewerber für diese anspruchsvollen Stellen zur Verfügung“, sagt Irene Maier, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Essen und Vorstandsvorsitzende des VPU.

 

 

Zugangsvoraussetzungen bedarfsorientiert definieren

 

Der VPU lehnt es jedoch ab, die Zugangsvoraussetzungen für die verschiedenen Pflegeberufe pauschal festzulegen: Den Pflegeberuf, oder die Pflegekraft gibt es nicht. Das Spektrum reicht von der Assistenz- und Hilfskraft bis zur examinierten Altenpflege- und Intensivpflegefachkraft. „Die richtigen Mitarbeiter für die zu besetzenden Positionen in der Pflege finden wir nur, wenn wir die Aufgabenbereiche in der Pflege differenzieren, mit Anforderungsprofilen hinterlegen und auf dieser Grundlage entscheiden, welche Zugangsvoraussetzungen Bewerber für die jeweiligen Bereiche erfüllen müssen.“ Um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und sie langfristig zu binden, ist nach Auffassung des VPU darüber hinaus die Anpassung der Rahmenbedingungen in der Pflege unumgänglich. „Neben einer bedarfsorientierten Aus- und Weiterbildung sowie Transparenz bezüglich der individuellen Karrieremöglichkeiten umfasst dies die systematische Personalentwicklung und eine leistungsgerechte Bezahlung der Mitarbeiter“, so Irene Maier.

 

Dass der Pflegeberuf für qualifizierte junge Menschen derzeit eher unattraktiv ist, verwundert kaum: Die demografische Entwicklung in Deutschland und damit die Zunahme pflegebedürftiger, teilweise multimorbider Menschen, ist seit Jahren zu beobachten. Ungeachtet dessen wurden im gleichen Zeitraum in der Pflege massiv Stellen abgebaut. Die steigende Arbeitsdichte und Komplexität der Aufgaben von Pflegefachkräften wurde bei der Ausgestaltung der Aus- und Weiterbildung kaum berücksichtigt. Eine Kompensation durch adäquate Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung fand und findet nicht statt. Um kurzfristig Kapazitätsengpässe auszugleichen, wurden offene Stellen in der Vergangenheit nicht selten mit fachfremden Hilfskräften besetzt – ein fatales Signal in Richtung potenzieller qualifizierter Bewerber oder examinierter Pflegefachkräfte.

 

„Mit seiner Ablehnung des EU-Vorschlags gefährdet Daniel Bahr nicht nur die Qualität der Pflege hierzulande – er isoliert Deutschland vom restlichen Europa und riskiert, dass Deutschland in punkto Pflege zum Land zweiter Klasse wird.“

 

Über den VPU 

Seit seiner Gründung im Jahr 1995 nimmt der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V., VPU, engagiert die Interessen seiner Verbandsmitglieder auf allen Gebieten der ambulanten und stationären Krankenversorgung, der Prävention, Gesundheitsförderung, Rehabilitation und Nachsorge wahr. Die Ressorts Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Personal und Management betreuen innerhalb des Verbands verschiedene Projekte. Dem VPU gehören derzeit PflegedirektorInnen von 32 Universitätskliniken mit insgesamt ca. 60.000 Beschäftigten in Pflegeberufen an. Vorsitzende des VPU ist Irene Maier, Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Essen. Der Verbandssitz ist Berlin. Mehr über den VPU unter www.vpu-online.de  

 


Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V., VPU, 20.01.2012 (tB).

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