DFG legt Standortbestimmung zur Synthetischen Biologie vor

 

  • Unterscheidung zwischen Konzept der Synthetischen Biologie und zugrunde liegenden Methoden angemahnt
  • Analyse zeigt kein neuartiges Gefährdungspotenzial der aktuellen Forschungsarbeiten

 

Bonn (8. Oktober 2018) – Die wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der Synthetischen Biologie haben wiederholt öffentliche Diskussionen über einen möglichen neuen Regulierungsbedarf ausgelöst. Die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dies zum Anlass genommen, in der jetzt veröffentlichten Standortbestimmung zur Synthetischen Biologie die wesentlichen wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Gebiet zu beschreiben und mit Blick auf derzeitige gesellschaftliche Diskussionen einzuordnen.

Die Analyse zeigt, dass die aktuellen wissenschaftlichen Fortschritte kein neues Gefährdungspotenzial erkennen lassen und somit durch bestehende gesetzliche Regelungen, insbesondere das Gentechnikgesetz, abgedeckt sind. Ebenso erwachsen aus den neuen Entwicklungen keine neuen ethischen Fragen, sie sind vielmehr bereits im Kontext der Debatten zur Gentechnologie und der Stammzellforschung erfasst. Mit der Standortbestimmung möchte die Senatskommission einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion der Chancen und Risiken der Synthetischen Biologie leisten und damit den satzungsgemäßen Auftrag der DFG zur wissenschaftlichen Politikberatung wahrnehmen.

„Wir beobachten mit Sorge, wie in gesellschaftlichen und politischen Diskussionen – aktuell etwa im Rahmen der Verhandlungen über die Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity) – oftmals Begrifflichkeiten vermischt und darauf basierend Forderungen zur Regulierung der Synthetischen Biologie gestellt werden”, sagt Prof. Dr. Katja Becker, Vorsitzende der Senatskommission und Vizepräsidentin der DFG. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist die reine Anwendung methodischer Ansätze keinesfalls mit Synthetischer Biologie gleichzusetzen. Diskussionen zur Bewertung und eventuellen Regulierung von synthetisch-biologisch hergestellten Organismen sollten sich deshalb grundsätzlich auf deren potenzielle neue Eigenschaften konzentrieren”, so Becker.

In der Standortbestimmung zur Synthetischen Biologie mahnt die DFG-Senatskommission eine klare begriffliche Trennung des Konzepts der Synthetischen Biologie und der ihr zugrunde liegenden Methoden und Techniken an. Sie betont zudem das hohe Innovationspotenzial, das die Weiterentwicklung der Prinzipien und Ansätze der Synthetischen Biologie für die Zukunft birgt. Dieses gelte es mit möglichen Risiken für die biologische Sicherheit (Biosafety), den möglichen Missbrauch (Biosecurity und Dual Use) sowie hinsichtlich ethischer Fragen abzuwägen. Da sich unter dem Begriff der Synthetischen Biologie eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Forschungsarbeiten versammelt, könne diese Abwägung jedoch nicht in pauschaler Form erfolgen, vielmehr sei dafür eine Einzelfallbetrachtung geplanter Arbeiten notwendig.

Die zum jetzigen Zeitpunkt bekannten Arbeiten, so die Senatskommission, ließen mit Blick auf die biologische Sicherheit kein neues Gefährdungspotenzial erkennen. Die ethischen Fragen, die sich aus den Forschungsansätzen der Synthetischen Biologie ergeben, könne man zudem in das bisherige Spektrum ethischer Fragen im Bereich der Gentechnologie und der Stammzellforschung einordnen. Trotzdem sei eine proaktive ethische Begleitung der wissenschaftlichen Fortschritte notwendig. Auch solle weiterhin ein enges Monitoring der Entwicklungen durch die Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS) erfolgen. Hier seien insbesondere die Ideen zur Entwicklung autonom replizierender Systeme, die ohne eine natürliche Blaupause erzeugt werden („artificial life”), zu verfolgen, selbst wenn diese derzeit noch weit von einer Realisierung entfernt seien.

Die vorliegende Standortbestimmung baut auf der Veröffentlichung „Synthetische Biologie – Standpunkte” der DFG, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2009 auf, in der die Chancen und Herausforderungen des Forschungsfelds umfassend beleuchtet wurden.


Weiterführende Informationen

 


Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft e.V., 08.10.2018 (tB).

Schlagwörter:

HERRNHUTER LOSUNGEN

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung