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Alkohol- und Tabakabhängigkeit: neue evidenzbasierte Leitlinien definieren Behandlungsstandards

 

Berlin (3. Februar 2015) – Alkohol- und Tabakabhängigkeit sind in Deutschland die schwerwiegendsten Suchterkrankungen. Jedes Jahr sterben etwa 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Rund 110.000 Todesfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Nun machen zwei neue Behandlungsleitlinien das Wissen um Prävention, Diagnose und Behandlung von schädlichem und abhängigem Alkohol- und Tabakkonsum greifbar. 


Der Konsum von Alkohol und Tabak ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Er vermindert die Lebenserwartung der Betroffenen signifikant: Alkoholabhängige verlieren durchschnittlich rund 15 bis 20 Jahre ihrer Lebenserwartung, starke Raucher etwa zehn Jahre. In Deutschland gibt es ca. 1,9 Millionen Alkoholabhängige und rund 1,6 Millionen Menschen mit „schädlichem Gebrauch“. Etwa 14,7 Millionen Frauen und Männer rauchen. Gleichzeitig werden in ihrer Wirksamkeit geprüfte Therapien derzeit nur von einer geringen Zahl von Betroffenen wahrgenommen. So erhalten nur rund 10 Prozent der Alkoholabhängigen pro Jahr eine spezifische Therapie. Unter den aufhörwilligen Rauchern nutzen weniger als 15 Prozent professionelle Hilfsangebote. Nach wie vor gilt Tabakabhängigkeit in Deutschland zu Unrecht für viele lediglich als „ungesunder Lebensstil“ und nicht als behandelbare Suchterkrankung.

 

Hier setzen die heute in Berlin vorgestellten S3-Leitlinien „Alkohol“ und „Tabak“ an. Sie wollen die Qualität der Diagnostik und Behandlung von Menschen mit schädlichem und abhängigem Alkohol- und Tabakkonsum nachhaltig verbessern. Die Leitlinien bündeln das aktuell vorhandene Forschungswissen und leiten daraus evidenzbasierte Empfehlungen für die Prävention, Diagnose und Behandlung ab. Dabei konzentrieren sie sich bei der Alkoholabhängigkeit nicht nur auf die Erkrankten selbst, sondern auch auf deren Angehörigen.

 

Die neuen Leitlinien richten sich an alle Berufsgruppen, die betroffene Patienten behandeln. Sie entstanden in einem vierjährigen Entwicklungsprozess im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF). Die Federführung lag bei der DGPPN und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). In die Entwicklung waren insgesamt mehr als 50 Fachgesellschaften, Berufsverbände und Gesundheitsorganisationen sowie über 60 ausgewiesene Suchtexperten involviert. Dabei fanden durch die intensive Beteiligung von Selbsthilfe- und Angehörigenverbänden auch die Präferenzen der Patienten Gehör.

Hintergrundinformationen

 

 

 

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), 03.02.2015 (tB).

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