DGPPN Kongress 2011

Personalisierte Psychiatrie und Psychotherapie

 

Berlin (23. November 2011) – Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vom 23. bis zum 26. November 2011 bietet Besuchern mit über 600 Einzelveranstaltungen erneut ein vielfältiges Programm. Mit dem Leitthema „Personalisierte Psychiatrie und Psychotherapie“ haben sich die Veranstalter ein aktuelles, wie kontroverses Thema ausgesucht.

 

Die Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen sowie Fragen der seelischen Gesundheit stehen im Mittelpunkt, wenn die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in der letzten November-Woche wieder zu ihrer Jahrestagung nach Berlin einlädt. „Mit dem Leitthema ‚Personalisierte Psychiatrie und Psychotherapie‘ haben wir uns ein brandaktuelles Thema ausgesucht“, so DGPPN-Präsident Professor Peter Falkai, Göttingen. „Derzeit wird viel in der Gesellschaft über personalisierte Medizin diskutiert. Leider verkommt der Begriff dabei oftmals zur Leerformel. Wir wollen den Begriff mit Leben füllen und fragen, was personalisierte Medizin für unser Fachgebiet bedeutet. Was bringen individuelle Diagnose- und Behandlungskonzepte für unsere Patienten? Kann unser Gesundheitssystem sich das überhaupt leisten?“, fragt der DGPPN-Präsident. Die unterschiedlichen Aspekte der sogenannten personalisierten Medizin werden im Rahmen des viertägigen Kongresses beleuchtet. Ein Schwerpunkt gilt Fragen nach den Grenzen und Möglichkeiten einer personalisierten Diagnostik. Am Beispiel der Demenzen, Psychosen und Suchterkrankungen geht es darum, ob man mit Biomarkern im Einzelfall in der Lage ist, psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ein weiterer Schwerpunkt stellt das Thema der personalisierten Therapie dar. Darüber hinaus sollen auch die therapeutisch tätigen Ärzte und Psychotherapeuten selbst in den Blick genommen werden. „In der Regel liegt unser Fokus auf den Patienten und dessen optimale Versorgung. Häufig wird vergessen, dass Therapeuten Menschen sind, die somatisch, aber eben auch psychisch erkranken können“, sagt Professor Falkai. Zentrale Aspekte sind deshalb beispielsweise das Burnout-Syndrom bei Ärzten und Mitgliedern des Pflegepersonals.

 

 

Vielfältiges Kongressprogramm mit aktuellen gesundheitspolitischen Themen

 

„Besucher des DGPPN-Kongresses können in diesem Jahr auch über die Themenschwerpunkte hinaus wieder die große Vielfalt unseres Faches erleben. Neben neuesten Ergebnissen aus der biologisch-psychiatrischen und neurowissenschaftlichen Forschung, den facettenreichen Möglichkeiten der Forschungsförderung, den philosophischen Debatten sowie historischen Auseinandersetzungen widmen wir uns in diesem Jahr auch versorgungspolitischen Fragestellungen“, sagt Professor Falkai. So spiegele das Kongressprogramm die drängenden Fragen des Faches wider mit denen sich die DGPPN in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt habe. Ein Beispiel hierfür sei das neue Entgeltsystem mit den damit befürchteten personellen und finanziellen Veränderungen. Die DGPPN als wissenschaftliche Fachgesellschaft beteilige sich aktiv am Diskussionsprozess des Bundesgesundheitsministeriums (BMG). Der DGPPN Kongress soll auch für den Austausch über dieses wichtige Thema genutzt werden. „Ein weiteres hochbrisantes Problem in diesem Jahr war und ist das Therapieunterbringungsgesetz sowie das Bundeverfassungsgerichtsurteil zur Neuregelung Sicherungsverwahrung, die erhebliche Auswirkungen auf Psychiatrie und Psychotherapie haben“, so Falkai. Mit zahlreichen Stellungnahmen habe die DGPPN sich in diesem Jahr dazu positioniert und im Rahmen des Vorschlags zur Etablierung einer die Politik beratenden Expertenkommission eine Mitsprache bei der Neuregelung der Sicherungsverwahrung eingefordert. Auch zahlreiche Veranstaltungen informieren gerade über dieses kontroverse Thema. Darüber hinaus weist der DGPPN-Präsident nicht zuletzt vor dem Hintergrund steigender Arbeitsunfähigkeitstage und Frühberentungen durch psychische Erkrankungen darauf hin, dass ein eigenes multizentrisches Forschungszentrum für psychische Erkrankungen ein Gebot der Stunde darstellt. Für andere Erkrankungen wie Krebs, Herzkreislauf oder Lunge habe die Politik die Wege geebnet. Dies, möge man von dort aus auch für die psychischen Erkrankungen in Angriff nehmen. Denn, so Falkai, sei es eine einfache medizinische Tatsache, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gebe.

 

Das Kongressprogramm gibt, wie in den letzten Jahren auch, einen Überblick über den aktuellen Wissensstand in Forschung, Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen. Unter den insgesamt 600 Einzelveranstaltungen finden sich 23 Hauptsymposien und drei Präsidentensymposien, sieben Diskussionsforen, 24 State-of-the-Art-Symposien, 184 Symposien und Weiterbildungssymposien sowie neun besondere Veranstaltungen. Nicht zu vergessen sind außerdem die 172 freien Vorträge sowie 552 Posterpräsentationen. Auf einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern präsentieren sich im ICC Berlin 84 fördernde Unternehmen, die auch elf weitere Symposien anbieten. Zahlreiche namhafte Gäste, darunter u.a. der Nobelpreisträger Professor Eric Kandel bereichern das Kongressprogramm. Nach dem Studium der Medizin und einer Facharztausbildung als Psychiater hat er in beispielloser Art und Weise zur Aufklärung von Gedächtnisvorgängen beim Tier und Menschen beigetragen. Ihn konnte die DGPPN für ein Video-Live-Interview gewinnen. Daneben können sich Kongressbesucher auch auf einen Vortrag von Professor Arno Villringer freuen. In seinem Vortrag „Neurokognition der Pathogenese vaskulärer Risikofaktoren“ stellt er die Hypothese auf, dass nicht hoher Blutdruck und erhöhte Blutfette das Gehirn zerstören, sondern das Gehirn selbst Ursache und Grundlage für diese Zivilisationserkrankungen ist. Zudem zählt auch ein Diskussionsforum mit dem Journalisten und Schriftstellern Günter Wallraff über die Wahrnehmung der Psychiatrie in den Medien zu den Höhepunkten des Kongresses.

 

 

Internationaler Austausch und stärkere Vernetzung auf europäischer Ebene

 

Mit mehr als 8.000 Teilnehmern und 1.600 aktiven Referenten zählt der DGPPN-Kongress inzwischen zur größten wissenschaftlichen Tagung auf dem Gebiet der Psychiatrie, Psychotherapie und Neurowissenschaften in Europa. Unter den Teilnehmern findet sich auch ein hoher Anteil internationaler Besucher. Zahlreiche Präsidenten psychiatrischer Fachgesellschaften aus europäischen Ländern sind vertreten. Neben den traditionellen Kooperationssymposien mit der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) werden auch weitere nationale europäische Fachgesellschaften mit einem eigenen Symposium auf dem Kongress vertreten sein. „Diese internationale Vernetzung und der damit verbundene Austausch über die Aktivitäten der Fachgesellschaften ermöglichen uns, uns gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Interessen auch auf internationaler Ebene zu verfolgen“, sagt Professor Falkai. Dem gestiegenen Interesse seitens des internationalen Fachpublikums trägt die DGPPN seit bereits zwei Jahren mit einem englischen Konferenzteil Rechnung. Für die wichtigsten Veranstaltungen gibt es jeweils simultane Übersetzungen in Deutsch und in Englisch.

 

 

Seelische Gesundheit geht alle an – öffentliche Veranstaltungen

 

Neben dem wissenschaftlichen Programm sowie den Veranstaltungen der Fort- und Weiterbildungs-akademie richtet sich die DGPPN mit einer Reihe von Angeboten an ein interessiertes Laienpublikum. „Mit den Angeboten der Schülerveranstaltung, der Lehrerveranstaltung sowie des Info-Tages reagieren wir auf das gestiegene Interesse seitens der Öffentlichkeit, mehr über psychische Erkrankungen, deren Diagnostik und Therapie sowie über Prävention und seelische Gesundheit wissen zu wollen“, so der DGPPN-Präsident. Indem die DGPPN als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft auf dieses Interesse aktiv zugehe, nehme sie ein bürgerschaftliches Engagement wahr. „Die regelmäßig gut besuchten Veranstaltungen ermutigen uns, diesen Weg weiter zu beschreiten“, sagt Professor Peter Falkai. Bei der Schülerveranstaltung am Mittwoch, den 23. November 2011, diskutieren Berliner Schüler mit Experten von 14 bis 15.30 Uhr über die Themen „Ich hab so einen Hass: Wie mit Aggressionen umgehen?“, „Immer nur Schule: Wie mit Stress und Prüfungsangst umgehen?“ sowie „Mobbing und Stalking: Wie fängt es an?“. Zwei Lehrerveranstaltungen am Donnerstag, den 24. November 2011, von 15 bis 17 Uhr rücken die Themen „Burnout“ und „Posttraumatische Belastungsstörungen bei Schülern und Lehrern“ in den Fokus. Interessierte Berliner finden im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung am Samstag, den 26. November 2011, von 11 bis 13 Uhr im ICC Berlin Antworten auf die Frage: „Macht Arbeit krank? Psychische Belastungen am Arbeitsplatz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“. Der Eintritt zu den jeweiligen Veranstaltungen ist frei.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), 23.11.2011 (tB).

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