Diabetes Typ 2

Die Hälfte der jugendlichen Patienten spricht nicht ausreichend auf Medikamente, Diät und Bewegung an

 

Berlin (23. Juli 2012) – Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen nicht immer, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu lindern oder zu verhindern. Insbesondere bei übergewichtigen Jugendlichen bessert ein anderer Lebensstil häufig nicht das Krankheitsbild, wie eine neue Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) zeigt.

 

Gemäß einer im Lancet veröffentlichten Studie führten Lebensstilländerungen nur bei circa der Hälfte der Menschen mit Prädiabetes, den Blutzucker wieder zu normalisieren. Warum der Stoffwechsel bei manchen Menschen auf diese Maßnahmen nicht ausreichend reagiert, ist bislang unklar. „Wir sehen hier großen Forschungsbedarf“, erklärt DDG Präsident Professor Dr. med. Stephan Matthaei. „Zumal Jugendliche offenbar unter einer besonders aggressiven Form des Typ-2-Diabetes leiden“, so der Experte.

 

An der jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie nahmen 699 übergewichtige Jugendliche teil, die bereits im Alter von zehn bis 17 Jahren an Diabetes Typ 2, dem „Alterszucker“, erkrankt waren. Ziel der sogenannten TODAY-Studie war es herauszufinden, welche Therapie den Blutzucker bei heranwachsenden Menschen am zuverlässigsten normalisiert.

 

Hierfür verteilten die Forscher die jugendlichen Typ-2-Diabetiker nach dem Zufallsprinzip auf drei verschiedene Behandlungsgruppen: Die erste Gruppe erhielt die Blutzucker senkenden Tabletten Metformin, ein Präparat, das auch bei Erwachsenen häufig als erstes gegeben wird. Ein weiteres Drittel kombinierte Metformin mit einem in Deutschland nicht mehr zugelassenen Medikament (Rosiglitazon). Die dritte Gruppe änderte zusätzlich zur Metformintherapie auch ihren Lebensstil – Die Jugendlichen lernten an der Seite eines persönlichen Trainers, kalorienreiche Nahrungsmittel zu meiden, vermehrt ballaststoffreiche Kost zu essen und 200 Minuten Sport pro Woche zu treiben.

 

„Die Ergebnisse der Fünf-Jahres-Studie waren leider ernüchternd“, kommentiert Professor Matthaei die Ergebnisse. Nur die Hälfte der jungen Patienten erreichte mit dem Medikament Metformin einen akzeptablen Blutzucker. Und die Änderung des Lebensstils brachte keine zusätzliche Besserung. Auch die im Lancet veröffentliche Präventionsstudie „Diabetes Prevention Programm“, die ebenfalls mit Metformin und Lebensstilintervention arbeitete, zeigte bei den erwachsenen Prädiabetikern bei ungefähr 50 Prozent langfristig keine Normalisierung des Blutzuckers – also eine sogenannte non-response auf die Therapie.

 

„Diese unbefriedigenden Ergebnisse können nicht allein mit mangelhafter Disziplin erklärt werden“, betont DDG Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche aus Tübingen. „Leider wird die TODAY-Studie in der Öffentlichkeit oft anders interpretiert – im Sinne mangelhafter Therapietreue der Patienten. Der Ansicht, dass Patienten ausschließlich selbst schuld an ihrem Therapiemisserfolg seien, möchte die DDG entgegentreten, so Fritsche. Die Autoren der Studie selbst berichten nämlich, dass mehr als 80 Prozent der Patienten Metformin regelmäßig eingenommen haben – ein guter Wert. Gleiches gilt für die Lebensstilmaßnahmen: Die Patienten nahmen an 75 Prozent der Sitzungen in den ersten zwei Jahren der Studie teil – ebenfalls ein guter Wert.

 

„Möglicherweise sind vielmehr biologische und pathophysiologische Unterschiede dafür verantwortlich, dass Metformin und Lebensstiländerung bei manchen Prädiabetikern den Diabetes nicht verhindern können, und bei Jugendlichen keine Verbesserung des Stoffwechsels erreichen“, ergänzt Professor Fritsche. Menschen, die schon in ihrer Jugend an Diabetes erkranken, leiden offensichtlich an einer besonders aggressiven Form des Diabetes Typ 2. Über politische und gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils hinaus seien daher verstärkte Forschungsanstrengungen nötig, um der Diabetes-Pandemie gezielter und wirkungsvoller begegnen zu können.

 

 

Literatur

 

  • TODAY Study Group, Zeitler P., Hirst K., Pyle L., Linder B., Copeland K., Arslanian S., Cuttler L., Nathan DM, Tollefsen S., Wilfley D., Kaufman F.: A clinical trial to maintain glycemic control in youth with type 2 diabetes. N Engl J Med 2012; 366 (24): 224756

 

  • Perreault L., Pan Q., Mather KJ, Watson KE, Hamman RF, Kahn SE: Diabetes Prevention Program Research Group. Effect of regression from prediabetes to normal glucose regulation on long-term reduction in diabetes risk: results from the Diabetes Prevention Program Outcomes Study. Lancet 2012; 379 (9833): 2243–51

 

 

Weitere Informationen 

 

 


 

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft, 23.07.2012 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung