Diakonie

Pflegeversicherung muss dringend reformiert werden

 

Berlin (31. August 2011) – Die Diakonie warnt davor, die steigenden Kosten in der Pflege unter dem Stichwort "Eigenverantwortung" zu privatisieren. Nach den Worten von Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier ist die Finanzierung der Pflegeversicherung eine Gemeinschaftsaufgabe. "Gute Pflege darf nicht vom Geldbeutel des Einzelnen abhängen."

In Deutschland steige die Zahl der pflegebedürftigen Menschen. Hinzu käme, dass immer mehr Menschen dementiell erkrankten und auf umfangreiche Hilfe und Unterstützung angewiesen seien. Die Definition der Pflegebedürftigkeit im derzeitigen Pflegeversicherungsgesetz werde dem besonderen Bedarf der Menschen mit Demenzerkrankung nicht gerecht. "Diese Gerechtigkeitslücke muss geschlossen werden", betont Stockmeier. In diesem Zusammenhang begrüßte Stockmeier die geplante Wiedereinberufung des Pflegebeirats zur Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes.

"Zur Finanzierung der Pflegeversicherung halten wir eine Mischstrategie für erforderlich. Dazu sollen weitere Einkommensarten herangezogen, gegebenenfalls der Beitragssatz erhöht und ein ergänzender kollektiv kapitalgedeckter Finanzstock aufgebaut werden. Dieser darf ausschließlich zur Finanzierung der Pflege genutzt werden. Die zukünftigen Beiträge zur Pflegeversicherung müssen die Leistungsfähigkeit der Pflegeversicherung erhalten und paritätisch finanziert werden. Eine private Pflegezusatzversicherung, wie sie unlängst gefordert wurde, können sich nicht alle Versicherten leisten", erklärt der Diakonie-Präsident.

Der Mangel an qualifizierten Pflegekräften werde in den nächsten Jahren zu den beherrschenden Themen der Pflege gehören. "Wenn es nicht gelingt die Pflege als Berufsfeld attraktiver zu gestalten und den Pflegeberuf ideell und materiell aufzuwerten, wird sich das Pflegeangebot in seiner derzeitigen Qualität und Leistungsfähigkeit nicht aufrechterhalten lassen", befürchtet Stockmeier. Neben familiengerechten Arbeitszeiten gehörten insbesondere eine tarifgebundene und leistungsgerechte Bezahlung der Pflegekräfte dazu. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft müsse ausreichend finanziert und so neugestaltet werden, dass sie einen direkten beruflichen Einstieg in alle Tätigkeitsfelder des Gesundheits- und Pflegewesen biete.

Die Forderungen der Diakonie zur Pflegeversicherungsreform finden sich unter
http://www.diakonie.de/stellungnahmen-990-anforderungen-an-die-pflegereform-8338.htm


Quelle: Diakonisches Werk der EKD e.V., 31.08.2011 (tB).

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