Die DIVI zum Welt-Sepsis-Tag 2014

Aufklärung rettet Menschenleben

 

Berlin (12. September 2014) –  Nicht erst seit der Ebola-Epidemie sollte der 13. September bei allen Menschen rot im Kalender angestrichen sein: Denn an diesem Tag jährt sich zum dritten Mal der Welt-Sepsis-Tag. Er steht für Bewusstsein gegenüber einer Krankheit, die alleine hierzulande mehr als 180 000 Menschen jährlich in Lebensgefahr bringt. Er soll aufklären über ein tückisches Leiden, das sich im Bewusstsein der Bevölkerung immer noch nicht fest genug verankert hat, obwohl jeden Tag 162 Patienten daran sterben. „Denn frühes Handeln kann viele Menschenleben retten“, sagt Professor Gernot Marx, Sektionssprecher der DIVI im Bereich Systemische Inflammation und Sepsis.


Was viele nicht wissen: Eine Sepsis, oder eine Blutvergiftung, wie der Volksmund sagt, trifft längst nicht nur Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, wie eine US-Studie nachweisen konnte. 44, 5 Prozent der Betroffenen waren vorher völlig gesund. Was viele aber nach wie vor unterschätzen: Es muss nicht ein aggressiver Virus wie die Ebola-Sepsis sein – schon ein kleiner Alltagsunfall reicht aus, um sich zu infizieren. „Das kann eine Schnittverletzung bei der Essenszubereitung sein oder eine Verbrennung beim Grillen“, erklärt der Experte, der auch Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care der Uniklinik RWTH Aachen ist. „Vorsicht geboten ist auch bei einem eitrigen Zahn oder einer Blasenentzündung. Der größte Risikofaktor allerdings ist eine Lungenentzündung.“

Keime gelangen in die Blutbahn und das Immunsystem aktiviert seine Abwehrzellen. Dabei kann es zu einer überschießenden Reaktion kommen, die Zahl der Abwehrzellen steigt massiv an, sie lagern sich an die Gefäßwände und machen diese durchlässiger. So kann schließlich Blutplasma durch die porösen Gefäßwände sickern, sich im Gewebe anlagern. Das überfordert Organe wie Herz oder Nieren, die dann im schlimmsten Fall versagen.

Leider ist eine Sepsis nicht ganz leicht zu erkennen. Selbst für Ärzte nicht, wenn sie nur selten damit zu tun haben. Die Symptome ähneln denen einer Grippe. Es kommt zu Fieber, Schüttelfrost, beschleunigtem Puls, schnellerer Atmung und einem niedrigen Blutdruck. Erkrankte fühlen sich zudem meist stark entkräftet, gepaart mit unruhigem Schlaf. „Wer unter den genannten Symptomen leidet und sich zuvor eine Wunde oder Verletzung zugezogen hat, sollte nicht zögern, sofort in ein Krankenhaus zu fahren oder einen Notarzt zu rufen“, rät Professor Marx.

Bei einer Sepsis aufgrund einer Wunde ist die Diagnose etwas einfacher, auch für Laien. Denn meist schwillt diese rot an, pocht und bereitet Schmerzen. Besonders gefährdet sind hochbetagte Senioren, Diabetiker, Krebskranke, Menschen mit HIV oder Aids sowie Patienten, die Medikamente einnehmen müssen, die das Immunsystem schwächen. Wenn ein Arzt eine Sepsis diagnostiziert, bekommen die Betroffenen sofort Breitband-Antibiotika, zum Teil hoch dosiert. Laut neuen Studien sollen bei schwerer Sepsis Antibiotika bis zu vierfach höher dosiert werden, als eigentlich empfohlen. Der Grund: viele Sepsis-Patienten scheiden die Wirkstoffe über die Nieren schneller aus, so dass sich ihre Wirkung abschwächt.

„Noch besser ist es natürlich vorzubeugen“, sagt Professor Marx. „Menschen über 60 Jahre und Risiko-Patienten sollten sich gegen Pneumokokken-Infektion impfen lassen. Bei Pneumokokken handelt es sich um Bakterien, die eine Lungenentzündung und eben auch eine Sepsis auslösen können.“ Wichtig ist zudem eine sorgfältige Hygiene. Jede Wunde, sei sie auch noch so klein, sollte gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Dadurch sinkt das Risiko einer eventuellen Infektion deutlich.


DIVI weltweit einzigartig

Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften und Berufsverbänden: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.


Die Experten der DIVI


Professor Gernot Marx ist Sprecher und Gründungsmitglied der Sektion Systemische Inflammation und Sepsis bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er arbeitet als Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum der RWTH Aachen.

Gerne vermitteln wir Ihnen unsere Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

 

Weitere Informationen

 

  • http://www.divi.de  – Webauftritt der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI)
  • http://www.divi2014.de  – Webauftritt des 14. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.

 

 


Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V., 12.09.2014 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung