Die MS aus der Perspektive der Psychologie

 

Von Dr. med. Martin Meier, Berg

 

Darmstadt (4. Juli 2008) – Die Symptomatik der Multiplen Sklerose (MS) ist im Unterschied zu vielen anderen chronischen Erkrankungen sowohl interindividuell als auch im Verlauf vielgestaltig und betrifft häufig Funktionssysteme des Organismus, die nicht immer nur von einem Neurologen behandelt werden. Neben (differential-) diagnostischen und therapeutischen Schwierigkeiten bestehen enge Verbindungen mit anderen medizinischen Disziplinen.

Auch aus der Perspektive der Psyche stellt die MS in vielen Fällen eine besondere Herausforderung dar. In allen Stadien der Erkrankung können psychiatrische Symptome und psychische Störungen auftreten. Dies sind in erster Linie kognitive Defizite, affektive Störungen (vor allem die Depression) und psychotische Dekompensationen, aber auch die Fatigue, ein nicht selten bereits im Frühstadium der Erkrankung auftretendes, häufig unerkanntes körperliches und auch psychisches Erschöpfungssyndrom.

 

Die emotional bisweilen schwierige Krankheitsverarbeitung eines chronischen Leidens wie der MS mit ihrer Unvorhersehbarkeit des Verlaufes, den plötzlich auftretenden und sich wieder zurückbildenden Symptomen im Schub, der Einschränkung der Lebensqualität durch eine eventuelle Behinderung kann ihrerseits zu psychopathologischen Symptomen oder psychischen Störungen führen. Dies reicht von der Entwicklung einer Vermeidungsstrategie oder dissoziativen Verhaltensmustern (ich und mein Körper und die MS) über depressive Symptome, eine Belastungsreaktion, die Entwicklung einer Angststörung, einer Suchterkrankung oder einer Psychose bis hin zur Suizidalität.

 

Darüber hinaus kann das psychische Befinden, egal ob es sich um eine von der MS hervorgerufene oder eine von ihr unabhängige psychische Störung handelt, den körperlichen Befund des Patienten messbar negativ (und auch positiv) beeinflussen.

 

Psychopathologie der MS 

 

 

MS und psychisches Befinden beeinflussen sich gegenseitig

Diese komplexen Zusammenhänge können Auswirkungen für den Patienten haben, aber auch für sein soziales Umfeld und seine Behandler.

Im Juli 2005 eröffnete die Marianne Strauss Klinik (MSK) im Rahmen eines Projektes als Fachklinik für Multiple Sklerose eine kombinierte neurologisch – psychiatrische Spezialstation, auf der neben der fachklinikspezifischen neurologischen Behandlung zusätzlich eine umfangreiche psychiatrisch/psychotherapeutische Diagnostik und Therapie erfolgt.

Die Berücksichtigung der Psyche neben der neurologischen Behandlung, dies zeigen die Ergebnisse, können sowohl direkt als auch mittelbar zu einer Verbesserung der neurologischen Symptomatik bzw. des Befindens des Patienten führen, die Lebensqualität verbessern und auch den Umgang mit der Erkrankung für alle Beteiligten erleichtern.

 

Autor

Dr. med. Martin Meier

Marianne-Strauß-Klinik

Behandlungszentrum Kempfenhausen

für Multiple Sklerose Kranke gemeinnützige GmbH

Milchberg 21

D-82335 Berg


Quelle: Fachpresseeinladung der Firma Merck Serono „Fortbildungsveranstaltung für MS-Betreuerinnen – Ansprache, Vertrauen und Betreuung: Die zentrale Rolle einer MS-Schwester“ am 4./5. Juli 2008 in Darmstadt (the messengers) (tB).

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