Die Therapie der Schizophrenie wird einfacher und effektiver

Die neue Depotformulierung des atypischen Antipsychotikums Aripiprazol reduziert Rezidivrisiko und Hospitalisierungsrate

 

Berlin (13. Juni 2014) – Auf der Einführungspressekonferenz wurden die Ergebnisse mehrerer Studien und erste praktische Erfahrungen mit Abilify Maintena® vorgestellt. „Wir haben lange auf diese Depotformulierung gewartet, weil der Wirkstoff Aripiprazol eine gute Verträglichkeit bei zuverlässiger Wirksamkeit aufweist. Er eignet sich ganz besonders auch für die Behandlung von Patienten in der frühen Phase der Schizophrenie“, resümierte Professor Christoph U. Correll, New York, USA, zum Stellenwert des neuen atypischen Depot-Antipsychotikums.


Rezidive zu verhindern ist eines der zentralen Therapieziele bei Schizophrenie, denn mit jedem Rezidiv verschlechtert sich die Prognose dramatisch [1,2]. „Eine kontinuierliche und langfristige antipsychotische Therapie kann das Rezidivrisiko deutlich verringern“, betonte Professor Hans-Jürgen Möller, München. Er verwies auf Studien, die den Vorteil der kontinuierlichen gegenüber der intermittierenden antipsychotischen Therapie dokumentieren [3]. Eine konsequente Langzeittherapie scheitert allerdings häufig an mangelnder Adhärenz. Nur 41% der Patienten nehmen ihre Medikamente vorschriftsmäßig ein [4] – mit weitreichenden Konsequenzen: Das Risiko für Rezidive steigt [5] ebenso wie die Häufigkeit und Dauer von Krankenhausaufenthalten [6] und die Zahl der Suizidversuche [7].

 

 

Früher Therapiebeginn mit atypischen Depot-Antipsychotikum vorteilhaft

 

Dieser ungünstige Effekt der Non-Adhärenz auf den Krankheitsverlauf zeigt sich bereits nach der ersten psychotischen Episode [8]. Depot-Antipsychotika haben deshalb, laut Möller, einen hohen Stellenwert in der Therapie. „Studien zeigen, dass der frühe Therapiebeginn mit einem atypischen Depot-Antipsychotikum im Vergleich zu oralen Antipsychotika zu einem besseren Outcome führt“, betonte der Experte [9]. Professor Christoph U. Correll, New York, USA, ergänzte, dass insbesondere naturalistische Studien, die die Gegebenheiten in der Praxis adäquat widerspiegeln, signifikante Vorteile von Depotformulierungen für das Outcome der Patienten, sowohl im Hinblick auf Rezidive, Krankenhausaufenthalte und Therapieabbrüche zeigen [10].

 

 

Einzigartiges Rezeptorprofil von Aripiprazol

 

Mit Aripiprazol-Depot ist seit November 2013 eine einmal monatlich intramuskulär zu applizierende Form von Aripiprazol für die Erhaltungstherapie der Schizophrenie zugelassen. Correll erläuterte den Wirkmechanismus von Aripiprazol-Depot: „Nach einer Verabreichung von Abilify Maintena® erfolgt die Resorption von Aripiprazol in den systemischen Kreislauf aufgrund der geringen Löslichkeit der Substanz langsam und verzögert. Somit werden konstante Blutspiegel über vier Wochen erreicht. Unter Gabe von Aripiprazol-Depot-Dosen von 400 mg, 1 x monatlich (mit der Möglichkeit der Dosisreduktion auf 300 mg, 1 x monatlich, was lediglich bei 5% der Patienten notwendig war), wurden vergleichbare Aripiprazol-Serumspiegel erreicht wie unter der üblichen oralen Medikation mit Aripiprazol 10-30 mg, 1x täglich [11]. Daher beträgt die empfohlene Anfangs- und Erhaltungsdosis bei erwachsenen Schizophrenie-Patienten, die stabil mit oralem Aripiprazol eingestellt wurden, 400 mg, 1x monatlich. Eine Dosis-Titration ist nicht erforderlich. Nach der ersten Injektion sollte die Behandlung mit oralem Aripiprazol, 10-20 mg, 1 täglich, über 14 aufeinanderfolgende Tage weitergeführt werden, um während der Initiierungsphase therapeutische Konzentrationen von Aripiprazol aufrechtzuerhalten. [12]. „Das sehr günstige Nebenwirkungsprofil von Aripiprazol bei guter antipsychotischer Wirkung wird mehreren Faktoren zugeschrieben: der langsamen Kinetik des Depots, der langen terminalen Eliminationshalbwertszeit und auf pharmakologischer Seite dem partiellen Agonismus am D2-Rezeptor und der zusätzlichen Bindung an 5-HT2A- und 5-HT1A-Rezeptoren“, erklärte Correll. Der partielle D2-Agonismus wird im Zusammenhang mit der geringen Häufigkeit von EPS unter Aripiprazol sowie dem praktisch fehlenden Effekt auf die Prolaktinfreisetzung diskutiert [12].

 

 

Signifikante Reduktion der Rezidivrate durch Aripiprazol-Depot

 

Die Zulassung stützt sich auf die Ergebnisse der beiden Phase-III-Studien ASPIRE (Aripiprazole Intramuscular Depot Program in Schizophrenia US und EU) [13,14]. Die US-amerikanische Studie verglich die Erhaltungstherapie von Aripiprazol-Depot versus Placebo. Patienten mit Schizophrenie und einem psychotischen Rezidiv wurden nach Stabilisierung auf orales Aripiprazol zunächst auf Aripiprazol-Depot umgestellt. Wer die Stabilisierungskriterien nach zwölf Wochen erfüllte, wurde 2:1 auf eine Erhaltungstherapie mit Aripiprazol-Depot (400 mg i.m., 1x monatlich, n=269) oder Placebo-Depot (n=134) randomisiert und über 52 Wochen beobachtet. Aripiprazol-Depot senkte das Rezidivrisiko signifikant: Die Zeit bis zum Rezidiv war verlängert, die Rezidivrate reduziert (10% vs. 39,6%). Die Positiv- und Negativ-Scores sowie der PANSS-Gesamtscore besserten sich ebenfalls deutlich. Die Studie wurde vorzeitig beendet, da die Überlegenheit von Aripiprazol versus Placebo bereits in der ersten geplanten Interimsanalyse nach 64 Ereignissen nachgewiesen wurde [13].

 

 

Wirksamkeit und Verträglichkeit mit oraler Formulierung vergleichbar

 

Die europäische ASPIRE EU-Studie zeigte die Nicht-Unterlegenheit von Aripiprazol-Depot gegenüber oralem Aripiprazol. Patienten, die stabil auf orales Aripiprazol eingestellt waren, wurden 2:2:1 randomisiert auf Aripiprazol-Depot (400 mg i.m., 1x monatlich, n=265), orales Aripiprazol (10-30 mg, 1x täglich, n=266) und Aripiprazol-Depot in subtherapeutischer Dosis (50 mg i.m., 1x monatlich, n=131). Die Rezidivrate nach 26 Wochen war unter Aripiprazol-Depot und oralem Aripiprazol vergleichbar (7,1% vs. 7,8%), gegenüber Pseudo-Placebo dagegen signifikant geringer (7,1% vs. 21,8%) [15]. „Unsere bisherigen Erfahrungen mit Aripiprazol-Depot sind sehr gut und spiegeln die Ergebnisse der klinischen Studien wider“, fasste Correll die Ergebnisse zusammen. In beiden Zulassungsstudien entsprach das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil von der Depotformulierung dem von oralem Aripiprazol. Die häufigsten therapiebedingten unerwünschten Ereignisse (≥ 5%) waren Schlaflosigkeit, Akathisie, Kopfschmerzen, Angst, Tremor und Schmerzen an der Injektionsstelle. Sie waren leicht oder mäßig ausgeprägt [13,14].

 

 

Weniger Hospitalisierungen

 

Eine Studie im Mirror-Image-Design lieferte zudem den Beleg, dass Aripiprazol-Depot die Hospitalisierungsraten im Vergleich zu oralen Antipsychotika senkt [15]. Verglichen wurden darin retrospektiv erhobene Hospitalisierungsraten unter oralen Antipsychotika mit prospektiv erhobenen Hospitalisierungsraten nach Umstellung auf Aripiprazol-Depot bei insgesamt 183 Patienten. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte über jeweils drei und sechs Monate war unter der Depotformulierung signifikant niedriger (6,6% vs. 28,1% bzw. 14,2% vs. 41,5%). Therapiebedingte unerwünschte Ereignisse unter 6-monatiger Aripiprazol-Depot-Therapie (≥ 5%) waren psychotische Störungen, Akathisie und Schlaflosigkeit. Die Mehrzahl der berichteten unerwünschten Wirkungen war mild bis moderat ausgeprägt und vergleichbar mit jenen unter oralem Aripiprazol.

 

 

Höhere Chance, das psychosoziale Funktionsniveau aufrecht zu erhalten

 

Dr. Stefan Spittler, Krefeld, plädierte dafür, die Vorteile der modernen Depot-Antipsychotika konsequent zu nutzen und sie nicht nur bei den klassischen „Depot-Patienten“ erst nach mehreren Rezidiven einzusetzen. Die Realität sehe allerdings noch immer ganz anders aus: „Lediglich etwa 12% der Patienten mit Schizophrenie werden heute mit einem Depot-Antipsychotikum versorgt“, betonte Spittler. Dabei sei der Nutzen klar belegt: Depot-Antipsychotika reduzieren das Rezidiv-Risiko im Vergleich zu oralen Antipsychotika um 30% [16]. „Für den Patienten bedeutet dies ein geringeres Risiko für den beruflichen und sozialen Abstieg, für bleibende Symptombelastungen und für die soziale Isolation, und zudem eine höhere Chance das psychosoziale Funktionsniveau aufrecht zu erhalten.“, führte der Experte an. Die Vorteile der Depotformulierung für den Arzt sieht er in der langfristigen Zeitersparnis im Rahmen der monatlichen Kontakte. „Da bei den Terminen nicht mehr über die Frage, ob der Patient regelmäßig seine Tabletten eingenommen hat, geredet werden muss, kann die Zeit genutzt werden, um über Symptome oder den täglichen Umgang mit der Erkrankung zu sprechen“, machte Spittler anhand eines Fallbeispiels deutlich. Besonders wichtig ist für ihn aber auch die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen. Diese müssten strukturiert, klar und möglichst kurz über die Vorteile der Depotmedikation wie Prognoseverbesserung, Entstigmatisierung und Entlastung von der täglichen Tabletteneinnahme informiert sein.

 

„Abilify Maintena® erweitert die Therapie um eine wirksame und verträgliche Option bereits in der frühen Phase der Erkrankung“ schloss der Experte.  

 

 

Literatur 

  1. Liebermann JA et al. Biol. Psychiatry 2001; 50(11):884-897.
  2. Lewis DA, Liebermann JA. Neuron 2000; 28(2):325-334.
  3. Kane JM. N Engl J Med 1996; 334(1):34-41.
  4. Gilmer TP et al. Am J Psychiatry 2004; 161(4):692-699.
  5. Morken G et al. BMC Psychiatry 2008; 8:32.
  6. Ascher-Svanum H et al. BMC Res Notes 2009; 2:6.
  7. Ahn J et al. Value Health 2008; 11(1):48-56.
  8. Caseiro O et al. J Psychiatry Res 2012; 46(8):1099-1105.
  9. Detke HC et al. Vorgestellt beim 2012 New Research approaches for Mental health Interventions (NCDEU) Annual Meeting; 29.05.-01.06.2012; Phoenix, AZ, USA.
  10. Kishimoto T et al. J Clin Psychiatry 2013; 74:957-965.
  11. Mallikaarjun S et al. Schizophr Res 2013; 150(1): 281-288.
  12. Fachinformation Abilify Maintena®, Stand: November 2013.
  13. Kane JM et al. J Clin Psychiatry 2012; 73(5):617-624.
  14. Fleischhacker W et al. Vorgestellt beim American Psychiatric Association Annual Meeting; 14.- 18.05.2011; Honolulu, HI, USA. Poster NR06-16.
  15. Kane J et al. J Med Econ 2013; 16(7):917-925.
  16. Leucht C et al. Schizophr Res 2011; 127 (1-3):83-92.

 

 

Über Schizophrenie

 

Schizophrenie ist durch Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet. Die häufigsten Symptome sind Halluzinationen, paranoide oder bizarre Wahnvorstellungen und desorganisiertes Sprechen und Denken. Diese werden von erheblicher sozialer oder beruflicher Dysfunktion begleitet. Typischerweise setzen die Symptome im frühen Erwachsenenalter ein. Die chronische Erkrankung erfordert oft eine lebenslange Behandlung zur Symptom-Linderung. Schätzungen zufolge ist etwa 1% der erwachsenen Bevölkerung in den USA und Europa von Schizophrenie betroffen, weltweit sind es ca. 24 Millionen Menschen1,2.

 

 

Über Otsuka Pharmaceutical Co., Ltd.

 

Die 1921 gegründete, international tätige Otsuka Pharmaceutical-Gruppe hat die Unternehmensphilosophie: „Otsuka-Mitarbeiter schaffen neue Produkte für eine bessere Gesundheit weltweit“. Das Unternehmen forscht, entwickelt, produziert und vermarktet innovative Originalprodukte mit dem Schwerpunkt auf Arzneimitteln sowie funktionelle Lebensmittel zur Unterstützung der allgemeinen Gesundheit.

Otsuka Pharmaceutical Co., Ltd. ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Otsuka Holdings Co., Ltd., der Holding-Gesellschaft der Otsuka-Gruppe. Weltweit beschäftigt Otsuka 40.000 Mitarbeiter in 25 Ländern. Die deutsche Niederlassung, Otsuka Pharma GmbH, befindet sich in Frankfurt.

 

 

Über H. Lundbeck A/S

 

Lundbeck ist ein international tätiges Pharmaunternehmen, das 1915 in Dänemark gegründet wurde. Das „Unternehmen ZNS“ hat sich auf die Entwicklung und den Vertrieb innovativer Medikamente zur Behandlung von psychischen und neurologischen Erkrankungen spezialisiert. Es beschäftigt heute etwa 5.800 Mitarbeiter in 57 Ländern. Der deutsche Firmensitz, Lundbeck GmbH, ist in Hamburg.

 

 


Quelle: Launch-Pressekonferenz Abilify Maintena® „Erhaltungstherapie der Schizophrenie: Mit Kontinuität zur Kompetenz im Alltag“, Otsuka Pharma/Lundbeck GmbH, 13.06.2014, Berlin, (tB).

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