Das digitale, mobile Thoraxdrainage-System ThopazTM. Photo: MedelaDigitales Thoraxdrainage-System ThopazTM

Neue Standards für das Management von Thoraxdrainagen

 

Essen (12. Juni 2012) – Das digitale, mobile Thoraxdrainage-System ThopazTM ermöglicht ein optimiertes und standardisiertes Management der Thoraxdrainage-Therapie. Das Schweizer Unternehmen Medela AG hat die 20th European Conference on General Thoracic Surgery, die vom 10. bis 13. Juni 2012 in Essen stattfand, zum Anlass genommen, die neuen Standards in der Thoraxdrainage-Therapie von internationalen Experten erläutern zu lassen. Diese gaben einen Überblick zur aktuellen Studienlage, erörterten die Verbesserungen im Drainage-Management und diskutierten ökonomische Aspekte dieser innovativen Technik.

 

Medizintechnische Innovationen wie ThopazTM müssen heute besondere Anforderungen erfüllen: Moderne Geräte sollen eine sichere und wirksame Therapie ermöglichen, die Versorgung der Patienten verbessern, Ärzte und Pflegepersonal entlasten sowie in Zeiten knapper Kassen Kosten senken. Digitale, mobile Thoraxdrainage-Systeme haben in all diesen Punkten neue Standards in der Thoraxchirurgie gesetzt. Sie fördern die frühe Mobilisation der Patienten, ermöglichen ein Management der Drainage-Therapie anhand objektiver Daten und vereinfachen Arbeitsabläufe.

 

 

Wirksamkeit und Sicherheit mobiler Drainage-Systeme

 

Die Thoraxdrainage-Therapie hat nach operativen Eingriffen am Thorax zum Ziel, Luft, Blut und Flüssigkeiten aus der Brustkorbhöhle abzuleiten. Denn nur dann kann sich die Lunge wieder vollständig ausdehnen und der Thoraxwand anlegen, so dass sich der physiologische intrathorakale Unterdruck wieder einstellt. Stationäre Systeme zur Thoraxdrainage bringen allerdings auch Nachteile mit sich. Sie schränken die Mobilität des Patienten ein, da die Flaschensysteme unhandlich sind und die Systeme einen Wandsoganschluss benötigen. „Stationäre Drainage-Systeme liefern kaum objektive Informationen über Ausmaß und Verlauf von Luftleckagen. Während die Flüssigkeitsfördermenge gut messbar ist, hinterlässt insbesondere die mangelnde Verlaufsdokumentation von Luftleckagen beim Anwender Unsicherheit“, erklärte Dr. med. Volker Steger, Tübingen.

 

Das kompakte Drainage-System ThopazTM erzeugt im Gegensatz zu den herkömmlichen Systemen einen kontrollierten Unterdruck nahe am Patienten. Die akkubetriebene Saugpumpe ist klein und leicht. Der aktive Sog ist abhängig von der Luftleckage und wird automatisch an den eingestellten Unterdruck angepasst. Das Gerät besitzt eine Digitalanzeige, an der sich der Therapieverlauf verfolgen lässt. ThopazTM zeigt die objektiven Daten zur Luftleckage entweder in Echtzeit oder in Form eines Verlaufsdiagramms der letzten 24 Stunden an. Ein USB-Anschluss sorgt für den Datentransfer. „Mobile Drainage-Systeme bieten durch ihre Unabhängigkeit von Wandsogvorrichtungen einen höheren Patientenkomfort und volle Mobilität bei kontinuierlicher Saugleistung. Interne, elektrisch gesteuerte Algorithmen prüfen ständig die Funktionalität, Diskonnektionen, Schlauchverstopfung und den Reservoirüberlauf. Aktive Kontrollen seitens des Pflegepersonals sind deshalb nicht notwendig“, berichtete Steger über seine Erfahrungen mit den Geräten.

 

Verschiedene internationale vergleichende Studien an Patienten mit elektiver Lungenchirurgie dokumentieren die Vorteile der digitalen Thoraxdrainage. Um deren Wirksamkeit zu evaluieren, wurden in einer spanischen Studie1 Patienten nach elektiver Lungenresektion entweder mit traditioneller Thoraxdrainage oder mit ThopazTM behandelt. Patienten mit einem herkömmlichen System erhielten die Thoraxdrainage für 4,5 Tage, Patienten mit ThopazTM nur für 2,4 Tage. Ein ähnliches Ergebnis zeigt eine Studie mit 98 Patienten, die sich ebenfalls einer elektiven Lungenresektion unterziehen mussten: Die Thoraxdrainage dauerte bei den Patienten, die an ein herkömmliches System angeschlossen worden waren, 4,4 Tage, bei Patienten mit ThopazTM 3 Tage. Auch die Gesamtdauer des Krankenhausaufenthaltes war bei ThopazTM mit durchschnittlich 3,9 Tagen im Vergleich zu 4,6 Tagen kürzer.2 Steger sieht in der in diesen Studien nachgewiesenen Verkürzung des stationären Aufenthaltes durch den Einsatz von mobilen, digitalen Drainage-Einheiten einen Beweis für die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Systeme.

 

 

Ökonomische Aspekte der schnellen Patientenmobilisation

 

Die kompakten, tragbaren digitalen Systeme zur Thoraxdrainage erlauben eine frühzeitige Mobilisierung der Patienten. Dies kann den Genesungsprozess beschleunigen und die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus verkürzen, wie die genannten Studien gezeigt haben. Daraus resultiert eine Reduktion der direkten Behandlungskosten. Professor Dr. med. Thorsten Walles, Würzburg, erläuterte weitere Vorteile der digitalen Drainage-Systeme: „Mehrere prospektive Studien und Erhebungen bei medizinischen Anwendern wie Ärzten und Assistenzpersonal sowie bei Patienten, weisen auf weitere indirekte positive Nutzen-Effekte des digitalen Drainage-Systems hin. Diese sind monetär allerdings schwierig zu beziffern. Zu diesen Vorteilen gehört die erhöhte Patientenmobilität, der reduzierte Pflegebedarf, die höhere Patientenzufriedenheit sowie die höhere Therapiesicherheit.“ Die Faktoren ließen laut Walles eine Reduktion der postoperativen Komplikationen wie zum Beispiel Thrombosen, Lungenembolien oder accidentielle Pneumothoraxe durch Bedienungsfehler der Drainage-Systeme erwarten. Auch wenn diese in den bisher verfügbaren Studiendaten noch nicht darstellbar sind, sprechen die bisherigen Ergebnisse dafür, dass die direkten Behandlungskosten durch die digitale Thoraxdrainage noch weiter reduziert werden können.

 

 

Auf dem Weg zum standardisierten Thoraxdrainage-Management

 

In den Kliniken gibt es zurzeit kein einheitliches Vorgehen bei der Thoraxdrainage. Die verwendeten Unterdrücke variieren von 15 bis 100 cm H2O und es gibt Kliniken, die ganz ohne Sogtherapie verfahren. Auch die Dauer der Drainage-Therapie ist nicht einheitlich. „Grund für diese ungewöhnlich große Heterogenität in der Vorgehensweise ist die Tatsache, dass die Thoraxhöhle bisher eine ’black box’ darstellte: Es war den Ärzten bisher nicht möglich, den Effekt ihres therapeutischen Vorgehens unmittelbar zu bewerten“, äußerte Walles. „Vor dem Hintergrund eines vorhersehbaren Anstiegs an Patienten mit Lungenerkrankungen in den nächsten Jahren und dem gleichzeitig wachsenden Kostendruck in den Kliniken kommt der Suche nach einem möglichst effizienten Therapiealgorithmus für Thoraxdrainagen eine zunehmende Bedeutung zu.“

 

ThopazTM liefert objektive Daten, die eine zuverlässige Entscheidungshilfe bei der Drainage-Therapie ermöglichen, erstellt digitale Echtzeitmessdaten und bildet einen 24-Stunden-Verlauf der Messungen ab. Die gesammelten Druck- und Flow-Daten können per USB-Schnittstelle auf einen PC übertragen werden und von dort aus in die Patientenakte fließen. Die objektiven Daten über den Therapieverlauf bilden eine sichere Entscheidungsgrundlage für die Entfernung der Drainage. „ThopazTM ermöglicht den Ärzten erstmals, die Effekte der durchgeführten Therapie unmittelbar anhand der gemessenen pulmo-pleuralen Luftverluste zu bewerten. Gleichzeitig werden anwender- oder patientenabhängige Abweichungen von der eingestellten Therapie minimiert. Zu guter Letzt harmonisiert die digitale Anzeige des Drainage-Systems die Bewertung des Therapieeffektes und schafft damit die Voraussetzungen für ein standardisiertes Vorgehen“, resümierte Walles.

 

Eine Validierung des Drainage-Systems ThopazTM führt Dr. Alan Sihoe, Queen Mary Hospital, University of Hong Kong, seit dem Jahr 2008 durch. Auch in seiner Klinik konnte bei Patienten mit Leckagen nach Operationen am Thorax die Dauer der Drainage-Anlage signifikant um 49% (p=0,03) sowie des Krankenhausaufenthaltes um 33% (p=0,02) reduziert werden. Die Interobserver-Diskrepanzen bei der Feststellung von Leckagen wurden signifikant um mehr als 70% reduziert (p<0,01).

 

„Indem wir Leckagegrößen in den ersten zwei Tagen nach einer Lungenresektion objektiv messen, können wir das Risiko für eine verlängerte Thoraxdrainage-Verweildauer sowie einen längeren Krankenhausaufenthalt vorhersagen (p=0,03 und p<0,01). Dies ermöglicht eine präventive Intervention bereits in der frühen postoperativen Phase“, sagte Sihoe.

 

Bei den Experten bestand Einigkeit darüber, dass der mobilen, digitalen Thoraxdrainage die Zukunft gehört. Die Systeme liefern objektive Daten, die das Management der Drainage-Therapie verbessern, so dass die Drainagen früher entfernt werden können. Sowohl der einzelne Patient als auch das Gesundheitssystem können von verminderten Komplikationen und Morbidität sowie von kürzeren Krankenhausaufenthalten profitieren. Weitere Studien sollen diese Ergebnisse untermauern.

 

 

Abbildungen

 

Das digitale, mobile Thoraxdrainage-System ThopazTM. Photo: Medela  

 

Abb.: Das digitale, mobile Thoraxdrainage-System ThopazTM. Photo: Medela 

 

 

Display des Thoraxdrainage-Systems ThopazTM. Photo: Medela

 

Abb.: Display des Thoraxdrainage-Systems ThopazTM. Photo: Medela 

 

 

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Quellen 

  1. Mier JM et al. Cirugía Española. (2010). 87(6):385–389
  2. Cerfolio R.J., Bryant A.S. (2009). Multimedia Manual of Cardiothoracic Surgery. DOI:10.1510/mmcts.2007.003129.

 


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Medela zum Thema: "ThopazTM – Neue Standards in der Thoraxdrainage-Therapie" am 12.06.2012 in Essen (tB).

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